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12.03.2018 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

Gründerszene profitiert von Zuwanderung

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Berlin bleibt "Leuchtturm" der deutschen Start-up-Szene. Gründer geben sich aber nicht nur dort multinational und divers. Jeder vierte aller Mitarbeiter ist zugewandert. Was stört, ist die deutsche Bürokratie.

In Berliner Start-ups ist mathematisch gerundet jeder zweite Mitarbeiter (47,7 Prozent) kein deutscher Staatsbürger. Landesweit fehlt 28,6 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Dass die Gründerszene von der Zuwanderung profitiert und auf auf das Know-how ausländischer Mitarbeiter angewiesen ist um wettbewerbsfähig zu bleiben, dem stimmen 63,9 Prozent der Start-ups im Land voll und ganz zu. 

Die Zahlen stammen aus dem Deutschen Start-up-Monitor 2017, für den der Bundesverband Deutsche Startups e.V. (BVDS) und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Vertreter von rund 2.000 Gründungsunternehmen befragten. Die fünfte Auflage des Monitors ist ein Appell an die Politik und ein Dringlichkeitsgesuch: Fachkräften und jungen Talenten aus dem Ausland muss der Einstieg auf den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Das geht aber nur, wenn das Einwanderungsgesetz für Nicht-EU-Bürger und bürokratische Verfahren wie die Vorrangprüfung überdacht werden.

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"Mehr Europa" in deutschen Start-ups

Der fünfte Deutsche Start-up-Monitor repräsentiert 1.837 Start-ups, 4.245 Gründerinnen und Gründer sowie 19.913 Mitarbeiter. Damit liefert er das umfassendste Spiegelbild der Gründerszene. Weniger Bürokratie ist der Hauptwunsch der Gründer, noch vor weniger Steuern und mehr Hilfe bei der Kapitalbeschaffung. "Mehr Europa, mehr Vielfalt und mehr Kooperationen" sind die Kernthemen, die Florian Nöll, Vorsitzender des BVDS, bei der Präsentation der Ergebnisse Mitte Oktober formulierte. 

Deutsche Gründer, so wurde bei der Veranstaltung laut, könnten ohne Mitarbeiter aus dem Ausland nicht existieren. Vor allem gut ausgebildete IT-Spezialisten sind gefragt, um das Ökosystem Start-up international wettbewerbsfähig zu halten. Bürokratische Hürden erschweren den Jungunternehmern die Einstellung ausländischer Fachkräfte allerdings im Vorfeld bei Visumsangelegenheiten (58,4 Prozent ) und nach der Einstellung auf dem Einwohnermeldeamt oder bei der Sozialversicherung (48,4 Prozent). Sprachliche Barrieren sind die drittgrößte Herausforderung, denen sich Gründer und Zuwanderer stellen müssen (48,2 Prozent). Kulturelle Differenzen (15,7 Prozent), unattraktive Standorte (13,6 Prozent) sowie eine schlecht funktionierende Willkommenskultur (10,8 Prozent) werden dagegen kaum beklagt. 

Wissen und Marktkenntnisse durch Zuwanderung erschließen

Ausländische Mitarbeiter bringen nicht nur digitale Expertise ins Land, sondern auch Kenntnisse über die Märkte ihrer Herkunftsländer. Und die sind bei dem anhaltenden Internationalisierungskurs der Gründer gefragt und benötigt. Mit 87,2 Prozent liegt die Quote der Jungunternehmer, die es ins Ausland zieht so hoch wie nie. Die begehrtesten Ziele befinden sich für 34,4 Prozent innerhalb der EU. Nordamerika (13 Prozent) und Nicht-Eu-Länder (12,9 Prozent) folgen. Doch der grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Betätigung ist der Weg durch Unterschiede in Gesetzgebung und Regulierung (66,6 Prozent), Steuersystemen (41,3 Prozent) und Kundenwünschen (33,3 Prozent) erschwert. Die Forderungen des BVDS an die Politik lauten deshalb: Abbau von Markteintrittsbarrieren zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten und ein Einwanderungsgesetz, dass ausländischen Fachkräften den Einstieg in ein Arbeitsleben in Deutschland erleichtert. Was macht ausländische Fachkräfte so begehrenswert?

Nicht nur Start-ups brauchen "Eurostars"

"Wanted but not welcome" waren die "Gastarbeiter" im Nachkriegsdeutschland. Die "neuen Gastarbeiter" sind dagegen "Eurostars". So bezeichnet wird eine junge, mobile, hochqualifizierte und transnationale Elite, die moderne, kreative und liberale Städte ermöglicht und an ihnen mitwirkt. Das beschreibt Springer-Autor Christian Ulbricht in seinem Buchkapitel "Die "neuen Gastarbeiter" – Zur Bewertung von erwünschten Zuwanderern" (Seite 308). In Deutschland so kritisiert der Autor, werde von den neuen Zuwanderern auf dem Arbeitsmarkt aber noch immer der Beweis erwartet, dass sie weniger "problematisch" seien, als ihre Vorgängergeneration. Daraus ergebe sich die kritische Lesart, "dass sogar die gewünschten Immigrant/-innen Gäste auf Zeit bleiben sollen. Dementsprechend liegt eine Erörterung des Selbstverständnisses Deutschlands als Immigrationsland nahe" (Seite 319). Das Phänomen der neuen Zuwanderung von Fachkräften beschreibt der Autor so (Seite 316):

  1. Ursache: 
    • Aus ökonomischen Gründen 
      • Fachkräftemangel in Deutschland 
      • Schuldenkrise in Südeuropa 
    • Aus demografischen Gründen: 
      • Immigration hilft, die Alterung der Bevölkerung abzumildern bzw. aufzuhalten
  2. Verantwortlichkeiten: 
    • Politiker, Parteien und Regierungen: 
      • Anwerbung vereinfachen 
      • Diskriminierung abbauen
  3. Eigenschaften der „neuen Gastarbeiter“:
    • Fokussierung auf positive Eigenschaften: 
    • Junge und hoch qualifizierte Spezialisten 
    • Kulturelle Ähnlichkeit mit Deutschen 
    • Hohe Bereitschaft, die deutsche Sprache zu lernen 

Eine politische Hoffnung der Gründerszene hat sich in den vergangenen Wochen übrigens verflüchtigt. In der vor der Bundestagswahl erhobenen Umfrage, traute fast jeder zweite (46,9 Prozent) Christian Lindner die größte Gründerkompetenz zu, mit knapp 40 Prozent ist die FDP die beliebteste Partei der Gründerinnen und Gründer. Entsprechend große Erwartungen werden die Jungunternehmen in die mittlerweile geplatzten Jamaika-Sondierungen gesetzt haben. 

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