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07.06.2019 | Unternehmensgründung | Infografik | Onlineartikel

Fehlende Finanzierung treibt IT-Start-ups ins Ausland

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Deutschland bietet innovativen Gründern keinen ausreichenden Kapitalteppich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Bitkom-Umfrage. Die Folge: Bereits jeder vierte Jungunternehmer überlegt, mit seinem Start-up ins Ausland zu gehen.

Wie eine aktuelle Umfrage unter mehr als 300 IT- und Internet-Start-ups durch Bitkom-Research ergeben hat, benötigen deutsche Tech-Gründer in den kommenden zwei Jahren für ihr Geschäft im Schnitt 3,2 Millionen Euro. Doch nur bei 18 Prozent der befragten Unternehmen ist der Kapitalbedarf bereits gedeckt. Vor einem Jahr hatten noch 26 Prozent angegeben, ausreichend finanzielle Mittel für die kommenden 24 Monate zu haben. 

"Gerade die Wachstumsfinanzierung mit ein- oder zweistelligen Millionenbeträgen ist unverändert schwierig", erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg und fürchtet um den Gründungsstandort Deutschland. Der Branchenverband setzt aktuell auf den im Koalitionsvertrag angekündigten Digitalfonds als ersten Schritt für ein besseres Finanzierungsumfeld.

Finanzierungsprobleme hemmen Gründungen

Mit Blick auf das Jahr 2018 stellte auch die Förderbank KfW in ihrem "Gründungsmonitor 2019" fest, dass 23 Prozent aller Gründer in Deutschland externe Mittel zur Realisierung ihres Geschäftsmodells eingesetzt haben. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der durchschnittliche Kapitaleinsatz allerdings deutlich erhöht. Benötigten die Betroffenen 2008 im Schnitt noch rund 10.000 Euro, waren es im Vorjahr bereits 16.000 Euro. Laut KfW-Analyse ist der Anteil der Gründer mit Finanzierungsproblemen 2018 auf 17 Prozent geklettert. 2017 waren es 14 Prozent. 

Der hohe Aufwand für eine Gründungsfinanzierung, mangelndes Vertrauen der Kreditgeber sowie das Fehlen risikomindernder Aspekte benachteilige Gründer gegenüber etablierten Unternehmen und führen zu einer starken Barrierewirkung.

IT-Start-ups haben hohen Kapitalbedarf

Die Bitkom-Umfrage zeigt, dass Tech-Start-ups nicht nur deutlich mehr Kapital benötigen als durchschnittliche Gründer, sondern dieser Bedarf auch nach Größe schwankt: So fehlten den innovativen Jungunternehmen mit bis zu drei Mitarbeitern im Schnitt rund 770.000 Euro. Bei solchen mit vier bis neun Mitarbeitern seien es dagegen schon 1,3 Millionen Euro. Beschäftigte das Start-up bis zu 19 Angestellte, schnelle die Zahl auf 3,6 Millionen Euro nach oben. Mit 10,8 Millionen Euro brauchen Gründungen mit 20 oder mehr Mitarbeitern die meisten Finanzmittel. 

Trotz ihrer Schwierigkeiten blicken die jungen Tech-Unternehmer nicht grundsätzlich negativ in die Zukunft: 39 Prozent geben an, das notwendige Geld sehr wahrscheinlich einzusammeln. Weitere 42 Prozent halten es zumindest für eher wahrscheinlich. Neben der Gründung im Ausland ziehen 32 Prozent der Start-ups dafür einen Börsengang in Betracht. 16 Prozent können sich ein Initial Coin Offering (ICO) vorstellen.

ICO-Finanzierung birgt Chancen und Risiken

Laut Christopher Hahn und Adrian F. Wons ist ein ICO eine Finanzierungsalternative, die das Potenzial habe, "Transaktionskosten zu senken und Intermediäre auszuschalten, bei gleichzeitig erhöhter Sicherheit." Wie die Springer-Autoren im Buchkapitel "Initial Coin Offering" schreiben, lehnt sich der Begriff ICO an den eines IPO an, dem klassischen Börsengang. "Im Gegensatz zum IPO wird der Investor nicht mit Aktien an dem Unternehmen beteiligt, sondern er erhält mit Kryptowährung (meistens Ether oder Bitcoin) oder einer herkömmlichen Währung (Fiatgeld) Tokens oder Coins." Dennoch sei das Konstrukt weder rechtlich noch technisch mit einer Aktienemission oder einer anderen Finanzierungsform vergleichbar. Hahn und Wons fassen die Vorteile und Risiken in nachstehender Tabelle zusammen:

Vorteile

Nachteile

Es werden keine direkten Anteile (equity) am Unternehmen veräußert

Druck von außen, da öffentliches Unternehmen

Hohe Reichweite durch rein digitale Investorenaquise

Wertschwankungen der Tokens können das Geschäftsmodell des Unternehmens selbst beeinflussen

Schneller realisierbar als die meisten Finanzierungsalternativen

Reiz für ungewollte Spekulanten

Investoren haben direkten Interesse am Produkt und werden auch gleichzeitig spätere User

Aufkommende Sorge der Investoren, einem Betrug zum Opfer zu fallen

Unabhängigkeit von Venture Capital

Rechtliche Rahmenbedingungen noch unklar (Bafin)

 Quelle: Christopher Hahn und Adrian F. Wons aus "Initial Coin Offering", Seite 245

 

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