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16.07.2019 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

Start-ups sammeln 2,8 Milliarden im ersten Halbjahr ein

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

13 Prozent mehr Kapital als im ersten Halbjahr 2018 floss von Januar bis Juni an Jungunternehmen in Deutschland. Die insgesamt 332 Finanzierungsrunden kamen vor allem Berliner Gründern zugute: Spitzenreiter war Get Your Guide vor N26 und Adjust.

2,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019 erhielten deutsche Firmengründer so viel Geld wie in keiner Jahreshälfte zuvor.  Das ermittelte das Beratungshaus Ernst & Young (EY) in seinem aktuellen "Start-up-Barometer", das Unternehmen analysiert, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt. Allerdings ist das Kapital regional sehr ungleich verteilt. So erhielten Berliner Jungunternehmer in 131 Finanzierungsrunden insgesamt 2,1 Milliarden Euro und liegen damit mit Abstand vor allen anderen deutschen Regionen. Mit 52 beziehungsweise 42 Runden und deutlich niedrigeren Investitionssummen belegen Bayern und Nordrhein-Westfalen die Plätze zwei und drei. 

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Die größten Deals werden in Berlin gemacht

Die beiden Gründer des Reise-Start-ups Get Your Guide, Johannes Reck und Tao Tao, landeten mit 428 Millionen Euro den größten Deal. Ihnen folgen die Online-Bank N26 mit 266 Millionen Euro und der 2012 gegründete Anbieter für Marketingtechnologie Adjust mit 201 Millionen Euro, beide ebenfalls mit Sitz in Berlin. Und auch die jüngste Großfinanzierung fließt in die Bundeshauptstadt. Ein Konsortium aus Venture-Capital-Unternehmen investiert insgesamt 330 Millionen Euro in den Zahlungsverkehrspezialist Sumup, so eine aktuelle Mitteilung. Das Fintech will nach eigenen Angaben mit dem frischen Kapital seine Produktpalette ausbauen und zugleich mittels Akquisitionen wachsen. 

"Das Berliner Start-up-Ökosystem hat sich im ersten Quartal als sehr stark erwiesen", erläutert EY-Partner Peter Lennartz die Situation. Hier stimmten die Rahmenbedingungen auch im internationalen Vergleich und Trends würden besonders schnell aufgegriffen und umgesetzt. Daher hätten ausländische Investoren Berlin auf dem Schirm. Allerdings stiegen die Finanzierungsaktivitäten auch in anderen wichtigen Start-up-Standorten in Deutschland. "In keinem anderen europäischen Land gibt es mehr qualitativ hochwertige Start-up-Ökosysteme."

Mittelgroße Finanzierungen sind rückläufig

Die Studie zählte von Januar bis Juni sieben große Finanzierungen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Das ist ein Mega-Deal mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt hätten aufgrund einer steigenden Zahl von Finanzierungsrunden deutlich mehr Jungunternehmen frisches Geld erhalten, erläutert Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Es sei zwar immer noch enorm viel Geld vorhanden, doch gehe die Schere zwischen sehr großen und kleinen Deals auseinander, ergänzt Lennartz. Während vor allem kleine Investitionsrunden im Volumen von maximal fünf Millionen Euro um 34 Prozent zugenommen hätten, seien mittelgroße Finanzierungen zwischen zehn und 100 Millionen Euro um ein knappes Drittel von 45 auf 31 gesunken.

Doch gerade diese seien eine wichtige Basis, "um aus vielversprechenden Geschäftsideen erfolgreiche Unternehmen zu machen, also das Geschäftsmodell zu etablieren, Skaleneffekte zu erzielen und womöglich sogar eine Internationalisierung einzuleiten", betont Lennartz. Ausländische Investoren konzentrieren sich vor allem auf ausgereifte Geschäftsmodelle. Sie seien bereit, hohe Summen zu investieren - im Gegensatz zu inländischen Geldgebern. "Entsprechend steigt die Anzahl der sogenannten Unicorns und der Start-ups, die als potenzielle Unicorns gelten", so Lennartz. Dies steigere zwar die Attraktivität Deutschlands als Heimat aufstrebender Tech-Unternehmen für internationale Investoren, bremse aber auf Dauer die Durchsetzung innovativer Start-ups mit neuen Geschäftsideen.

So beklagten sich in einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zuletzt viele Tech-Gründer, in Deutschland keine ausreichenden Finanzmittel für ihre Unternehmen zu finden. Danach sei nur bei 18 Prozent der befragten Start-ups der Kapitalbedarf bereits gedeckt. Das hemme junge Unternehmer und treibe sie sogar ins Ausland. 

Mit geringeren Gründungskosten starten

Jungunternehmern mit noch unerprobten Geschäftsmodellen rät Günter Faltin daher, mit Komponenten zu gründen. "Das hat erstaunliche Vorteile. Statt Kapital einsetzen zu müssen, also Komponenten wie Büro, Buchhaltung oder Logistik für das eigene Unternehmen aufzubauen, siedelt man diese 'Unternehmensteile' bei Anbietern im Markt an", schreibt der Springer-Autor im Buchkapitel "Gründen mit Komponenten" auf Seite 251 f. Damit sei allerdings nicht die Auslagerung gemeint, bei der Teile der Produktion an Zulieferer ausgelagert werden. Vielmehr sollten Gründer von vornherein Komponenten an das eigene Unternehmen angliedern.

Statt mich etwa für mein zukünftiges Büro mit Gewerbemietverträgen, Auswahl von geeignetem Personal, Einrichtung und Maintenance des Büros zu belasten, nutze ich den Service eines Bürodienstleisters. Ich gewinne Zeit, brauche viel weniger Kapital, bin von Anfang an professionell. Nicht weil ich in diesem Gebiet professionell wäre, sondern weil das Partnerunternehmen es bereits ist."
Aus Günter Faltin in "Gründen mit Komponenten"

Ein Partner, der sein Fachgebiet wirklich beherrscht, kenne die Schnittstellen zu den anderen Unternehmensteilen, werde sie von sich aus benennen und Lösungsvorschläge anbieten, so der Autor. "Es ist die Fachkompetenz des Partners, die die Delegation von Aufgaben ermöglicht und erfolgreich macht."

Das meiste Kapital sammeln Fintechs und Insurtechs

Doch nicht nur die Professionalität macht ein Start-up interessant für Investoren, auch der Bereich, in dem es sich engagiert. Unter den Branchen gehörten laut EY-Studie Fintechs und Insurtechs mit 704 Millionen Euro zu den größten Profiteuren im ersten Halbjahr 2019. In den Mobilitätsbereich flossen 659 Millionen Euro. Beide Sektoren erhielten damit deutlich mehr Investitionskapital als im Vorjahreszeitraum. Wesentlich zulegen konnte auch der Gesundheitsbereich. 

"Der Fokus der Investoren hat sich verändert", beobachtet Lennartz. Vor allem technologielastige Geschäftsmodelle mit Fokus auf Künstlicher Intelligenz, aber auch Innovationen wie der E-Scooter oder medizinisches Cannabis stünden bei den Investoren ganz oben auf der Agenda. "E-Commerce scheint hingegen zumindest vorläufig den Zenit überschritten zu haben."

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