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10.04.2019 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

Prognosen von Start-ups richtig bewerten

Autor:
Sylvia Meier

Wie werden sich die Geschäfte eines Start-ups entwickeln? Das wollen sowohl Gründer als auch Investoren wissen. Häufig entsprechen jedoch die Prognosen nicht der Realität. Dabei lässt sich deren Qualität einschätzen.

Start-ups finanzieren sich sehr häufig vor allem über Investoren. Eine Analyse des Beratungsunternehmens Ernst & Young zeigt, dass im vergangenen Jahr europaweit erneut hohe Summen in dieses Segment investiert wurden: Allein 4,6 Milliarden Euro flossen an deutsche Jungunternehmer. Doch bevor ein Start-up einen Kapitalgeber überzeugen kann, nimmt dieser das Unternehmen und die Geschäftsidee unter die Lupe. 

Derzeit stehen vor allem solche Firmen im Fokus, die den digitalen Wandel vorantreiben. Bei der Beurteilung dieser Unternehmen haben allerdings Investoren und Gründer meist einen sehr unterschiedlichen Blickwinkel.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Prognosemethoden für Start-ups

"Je neuartiger die Aktivität ist und desto weniger Erfahrungen mit Vergleichbarem vorliegen, desto unsicherer werden auch die Prognosen", heißt es in diesem Buchkapitel. Werden Aussagewert und Belastbarkeit nicht deutlich dokumentiert, entsteht ein Priming-Effekt und die Prognose trübt den Blick auf das Projekt, indem sie es beeinflusst.


Investoren achten auf Risiken

Der Gründer steht in der Regel mit großer Begeisterung hinter der eigenen Geschäftsidee und ist von der Marktfähigkeit überzeugt. Dabei ist die eigene Wahrnehmung gelegentlich leicht verzerrt gegenüber den realen Risiken. Vom Gründer erstellte Prognosen werden deshalb von potenziellen Kapitalgebern hinterfragt. Diese wollen schließlich mögliche Risiken einschätzen können. 

Mit der Verlässlichkeit von Prognosen kämpfen auch Unternehmen, die bereits seit vielen Jahren am Markt tätig sind. Allein 2018 musste laut einer Analyse von Ernst & Young jedes dritte börsennotierte Unternehmen in Deutschland eine Gewinn- oder Umsatzwarnung herausgeben. Also schützen auch jahrelange Erfahrung und Expertise im Haus nicht nicht davor, eigene Voraussagen zum Geschäftsverlauf kassieren zu müssen.

Start-ups fehlt es an Daten 

Doch was macht eine Prognose gerade bei neu gegründeten Unternehmen so schwierig? Springer-Autor Jörg Kühnapfel erklärt in seinem Buch "Prognosen für Start-up-Unternehmen" (Seite 47), dass wichtige Bestandteile in den Vorhersagen von Jungunternehmen naturgemäß fehlen: "Es gibt keine Vergangenheitsdaten, die Wahrnehmungsverzerrungen wirken exponentiell, Expertise ist selten vorhanden und die Forecast-Methoden reduzieren sich auf eine so geringe Anzahl, dass es zu einem kombinierten Forecast nicht reicht." Doch der Autor betont auch, dass es falsch wäre davon auszugehen, dass Prognosen für Start-ups überflüssig seien oder angesichts der Komplexität der Aufgabe in Fatalismus zu verfallen und nur dem "Bauchgefühl" zu vertrauen. 

Prognosen und die daraus resultierenden Planungen sind für Investoren ein sehr guter Indikator für Managementkompetenzen, der auch dann funktioniert, wenn es schwer ist, die Innovation selbst zu beurteilen", erklärt Kühnapfel (Seite 5). 

Denn es gibt Möglichkeiten zu messen, wie robust eine solche Vorhersage tatsächlich ist. Die wichtigsten Kriterien zur Bewertung der Prognosequalität im Rahmen eines Scorings stellt Kühnapfel in folgender Tabelle vor:

 


Start-up-Planungen laufend hinterfragen

Eine Prognose ist nicht in Stein gemeißelt. Gerade ein Gründer muss die Planung immer wieder anpassen und hinterfragen. Nur so kann er Abweichungen frühzeitig feststellen und gegebenenfalls gegensteuern. So kann es beispielsweise vorkommen, dass der Zeitpunkt, wann der Gründer am Markt mit einem Produkt oder einer Dienstleistung auftritt, sich verschiebt. Dann muss die gesamte Geschäftsplanung entsprechend angepasst und die Prognosedaten korrigiert werden. Sehr häufig kommt es vor, dass der Jungunternehmer sich beim Zahlenwerk unter- oder überschätzt. Hier müssen Werte, Algorithmen und Zeitachsen korrigiert werden. 

Wann Gründer informieren müssen 

Schwierig wird die Lage, wenn ein Start-up-Unternehmen zugeben muss, dass die Ursprungsprognose so nicht eingetreten ist? Kühnapfel empfiehlt für diesen Fall (Seite 20): "Gründer müssen nun zeigen – so peinlich dies auch sein mag –, dass sie mit dem Investment verantwortungsbewusst umgehen: Wie werden Soll-Ist-Abweichungen begründet? Welche Schlüsse können daraus gezogen werden? Wie ist die Prognose zu überarbeiten?"

Abweichungen zur ursprünglichen Geschäftsplanung sind gerade bei einem frisch gegründeten Unternehmen normal und das ist Kapitalgebern auch bewusst. Völlig unglaubwürdige Prognosen sind jedoch keine gute Visitenkarte. Es gibt für Investoren Anzeichen, bei denen sie hellhörig werden sollten. Kühnapfel warnt, dass wiederholt inakzeptable Abweichungen ein Signal für mehr Vorsicht sind. Wenn es sich außerdem immer wieder um eine ähnliche Richtung und Art der Plan-Ist-Abweichung handelt, sollte eine rote Warnlampe angehen. 

Generell betont der Springer-Autor, dass bei Start-up-Unternehmen Kommunikation und Verhandlung zwischen Investoren und Gründern an erster Stelle stehen sollten. Auch die Kapitalgeber können Jungunternehmern auf diese Weise durch ihre Expertise und ihren Blickwinkel helfen.

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