Skip to main content
main-content

23.03.2018 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

Jedes Start-up ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang

Autor:
Christian Leybold

Es ist der Traum vieler Unternehmensgründer: Endlich Chef zu sein und die eigenen Ideen zu verwirklichen. Doch dabei gibt es einige Fallstricke. Was Unternehmer beim Umgang mit Investoren unbedingt beachten sollten, erklärt Christian Leybold in einem Gastbeitrag.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland hunderttausende Firmen gegründet. Die digitale Welt und neue Technologien wie die Blockchain machen es auch jungen Unternehmen möglich, neben etablierten Konzernen zu bestehen. Die Gründer sollten ihren Plan und die Basisfakten allerdings nicht beschönigen und unkritisch entscheiden. "There is no free lunch“, heißt es häufig unter Wagniskapitalgebern. In einem Start-up gibt es eben unzählige Risikofaktoren. Das Gründerteam kann sich zerstreiten, die Finanzierung platzen, das Produkt zum Ladenhüter werden, neue Konkurrenten das eigene Projekt verdrängen. Jedes Start-up ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Die folgenden Punkte sollten Gründer aus Sicht von Wagniskapitalgebern unbedingt beherzigen:

1. Die Idee. Am Anfang schwärmen Gründer häufig von der Genialität ihrer Idee. Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass jemand anders diese Idee auch schon hat oder sie nicht funktioniert, ist sehr groß. Zudem entspringt der Glaube, nur mit eine richtigen Idee werde man erfolgreich, der deutschen Tüftler-Saga. Kapitalgeber investieren weniger in Ideen, sondern in Menschen. Es geht vor allem um die Durchsetzungs- und Innovationskraft der Gründer, mehr als um eine Idee, die am Anfang steht und über zehn Jahre trägt.

Empfehlung der Redaktion

2018 | Buch

Der Vertrag zwischen Venture Capital-Gebern und Start-ups

Eine Analyse der Einflussfaktoren auf den Beteiligungsvertrag und dessen Wirkung

Nino Röhr legt in diesem Buch den Fokus auf die Ausgestaltung der Beteiligungsverträge zwischen Portfoliounternehmen und VC-Gesellschaften. Er erarbeitet detailliert den aktuellen Stand in der Forschung und Praxis über die Ausgestaltung dieser …

2. Das Gründer-Team. Dieses Team kümmert sich um die Firmenkultur, die Leistungsfähigkeit und ist der Maßstab für alles, was noch kommt. Sollte es mehrere Gründer oder nur einen einzigen geben, stellt sich die Frage, welches Modell ist erfolgsversprechender? Start-ups sind wie Schnellboote, die Klippen umschiffen und ständig den Kurs wechseln. Da ist es vernünftiger, wenn elementare Strategien im Gründer-Team diskutiert werden, als dass ein 100-Prozent-Eigentümer allein entscheidet und den Kurs anordnet. Bei den jungen Firmen geht es vor allem um die Umsetzung der Ideen. Teams haben gegenüber Solo-Gründern den Vorteil, dass unterschiedliche Fähigkeiten aufeinandertreffen und so mehr Schlagkraft entsteht. Investoren sehen daher Gründerteams mit komplementären Fähigkeiten – etwa Betriebswirtschaft, Technik und Marketing – sehr gerne.

Validieren, ob es eine Nachfrage  gibt

3. Der Markt. Wie können Gründer feststellen, ob es für ihre Idee überhaupt eine Nachfrage gibt, wenn das Produkt oder der Service bisher noch nicht existiert? Sie sollten den Markt von unten validieren und mit möglichen Kunden sprechen und diese fragen, wie das Produkt aussehen sollte und was sie dafür zahlen würden. Ein Beispiel: Ein bekannter Gründer wollte ein Start-up für "Blumen-Abos für Unternehmen" aufbauen, hat sich ans Telefon gesetzt und 50 Unternehmen angerufen. Das Ergebnis war frustrierend, hat ihn aber von der Umsetzung einer offenbar schwer umsetzbaren Idee bewahrt: Denn nur ein Unternehmen war bereit, einen sogar kostenlosen Blumenstrauß anzunehmen. Heute hat der Gründer eine andere Idee umgesetzt und ist erfolgreich.

4.) Die Finanzierung. Traditionelle Kreditinstitute werden in der Regel Start-ups wegen fehlender Sicherheiten nicht finanzieren. Venture Kapitalisten sind allerdings ständig auf der Suche nach vielversprechenden Innovateuren. Hunderte von jungen Firmen, die Kapitalgeber suchen, melden sich bei Investoren. Doch viele Investoren haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass nicht die Firmen, die ihnen die Tür einlaufen, die besten sind, sondern die Start-ups, die sie nach mühsamer Recherche oder auch per Zufall im Netz oder auf dem Markt gefunden und dann angesprochen haben. Die lukrativsten Kunden kommen eben nicht durch die Ladentür, sondern müssen erobert werden. Für Firmengründer gilt: Machen Sie also auf Konferenzen auf sich aufmerksam und lassen Sie sich von Investoren finden.

Nur 20 bis 30 Prozent verkaufen

5.) Die Bewertung. Die Bewertung der Anteile an einem Start-up ist schwierig, weil es ja noch keinen Cash Flow und damit auch keine Discounted Cash-Flow-Verfahren (DCF) gibt. Klar, der Gründer möchte einen möglichst hohen Wert für die abzugebenden Anteile erzielen. Der Investor hingegen kauft die Hoffnung auf Wachstum und geht ein großes Risiko ein. In der frühen Phase sollten die Gründer 70 bis 80 Prozent der Anteile behalten. Nur 20 bis 30 Prozent sollten an Wagniskapitalgeber veräußert werden, um später für weitere Anteile eine bessere Bewertung zu erhalten. Gründer sollten mit anderen Gründern sprechen, um ein Gefühl für den Preis zu bekommen, beziehungsweise sollten sie den Venture Capitalist (VC) einen Preis nennen lassen. Es ist kein schlauer Verhandlungsstil, wenn der Gründer einen Preis ausruft und darauf beharrt.

Nicht jedes Start-up ist eine Erfolgsgeschichte und mehr als die Hälfte aller Gründungen sind nach einem Jahr vom Markt verschwunden. Doch Gründer sollten sich davon nicht beeindrucken lassen, wenn sie einen Plan haben und diesen unbedingt durchsetzen wollen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

31.01.2018 | Finanzierung | Infografik | Onlineartikel

Rekordwerte beim Venture Capital 2017

18.09.2017 | Controlling | Im Fokus | Onlineartikel

Wie viel Controlling braucht ein Start-up?

Premium Partner

Stellmach & BröckersBBL | Bernsau BrockdorffMaturus Finance GmbHPlutahww hermann wienberg wilhelm

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Zwei Fallstudien zu begleitetem Wissenstransfer im Outsourcing: Implikationen für die Praxis

Dieses ausgewählte Buchkapitel beschreibt ausführlich einen erfolgreichen und einen gescheiterten Wissenstransfer. In beiden Fällen sollte ein Softwareingenieur in einen neuen, komplexen Tätigkeitsbereich eingearbeitet werden. Erfahren Sie, wie die Wissensempfänger Handlungsfähigkeit erworben haben, welche Herausforderungen dabei auftraten und wie die Begleitung des Wissenstransfers half, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Profitieren Sie von einer Reihe von praktischen Empfehlungen für Wissenstransfer in komplexen Tätigkeitsbereichen. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise