Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Die Zahl von jährlich etwa 40. 000 Unternehmensinsolvenzen pendelt sich auf erschre­ ckend hohem Niveau ein. Es wird kaum mehr ein Unternehmen geben, das im eigenen Kunden-, Lieferanten- oder Abnehmerkreis, aber auch im Kreis seiner Wettbewerber nicht schon mit dem Thema "Insolvenz" befasst war. Meist werden es die Schattenseiten sein wie Liefer- oder Forderungsausfalle und drastischer Personalabbau. So gravierend der gesamtwirtschaftliche Schaden auf der einen Seite ist, so einmalig sind andererseits auch die Chancen, die sich aus der mit der Insolvenz verbundenen Marktbereinigung ergeben können. Unternehmenskäufe aus der Insolvenz sind hier ein hervorragendes Instrument, die negativen Erfahrungen der Vergangenheit in neue Zukunftsstrategien umzumünzen und das auch bei insolventen Unternehmen angesammelte Wissen, das gesunde Kerngeschäft und erhebliches Know-how weiterhin sinnvoll zu nutzen. Das "Geschäft" mit einem Insolvenzverwalter wird in der Praxis allerdings häufig noch als "Grauzone" oder "wildes Geschäft" angesehen, dem es vermeintlich an einer richtigen Struktur fehlt. Dieses Vorurteil liegt - wie so häufig - an mangelnder Kenntnis der Marktteilnehmer selbst. Verhandlungsprozesse zwischen Kaufinteressenten und Insol­ venzverwalter laufen inzwischen nach gefestigten Spielregeln ab, deren Kenntnis für einen erfolgreichen Unternehmenskauf aus der Insolvenz unverzichtbar sind. Die einzelnen Schritte dieses Prozesses werden in dem vorliegenden Leitfaden beschrie­ ben: Ausgehend von der typischen Ausgangslage, dem Krisenfall und seinen spezifi­ schen Problemstellungen, werden in zeitlicher Folge die einzelnen Abschnitte des Un­ ternehmenskaufs aus der Insolvenz dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Die Ausgangslage für den Kauf von Unternehmen in der Insolvenz

Zusammenfassung
Der Kauf von Unternehmen aus der Insolvenz ist kein neues Phänomen jüngster Rechtspraxis, wie dies die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre insbesondere in Deutschland vermuten ließe. Bereits die Konkursordnung vom 10.02.1877 (KO)1 ließ ausreichend gesetzlichen Spielraum für Transaktionen von konkursbefangenen Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen, wenngleich sie sich den Verkauf des insolventen Unternehmens — und damit seinen Erhalt — nicht ausdrücklich zur Aufgabe gemacht hat. Ihr erklärtes Ziel war die „gemeinschaftliche Befriedigung“ aller Konkursgläubiger, was nach den ursprünglichen Vorstellungen durch Zerschlagung des Schuldnervermögens und Verteilung des Erlöses an die Konkursgläubiger zu bewerkstelligen war. Erst der etwa 35 Jahre später aufgekommene Gedanke eines Zwangsvergleichs sollte das sanierungsfähige und sanierungswürdige Schuldnerunternehmen vor der Zerschlagung bewahren.2 Damit war gleichzeitig auch der gesetzgeberische Impuls zur Unternehmenssanierung durch den Kauf von Unternehmen aus der Insolvenz gelegt. Die Konkurspraxis hat dann über die Jahre schrittweise die notwendigen handwerklichen Instrumente für erfolgreiche Unternehmenskäufe aus der Insolvenz entwickelt.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

2. Das Kaufinteresse beim Kauf von Unternehmen in der Insolvenz

Zusammenfassung
Das Informationsinteresse an Unternehmen, deren Betrieb in der Insolvenz fortgeführt wird, ist oft groß, das seriöse Kaufinteresse macht hiervon — je nach Bekanntheit des Unternehmens — jedoch nur einen mehr oder weniger hohen Prozentanteil aus. Es melden sich Kaufinteressenten aus völlig unterschiedlichen Beweggründen: ernsthafte und bloß neugierige, seriöse, aber bisweilen auch nur Hasardeure. Dies bedeutet, dass auf Verkäuferseite sehr schnell selektiert werden muss, ob eine Anfrage nur von Informationsinteresse oder ernsthaftem Kaufinteresse getragen ist. Ist doch das in der Krise befindliche Unternehmen allein auf wirkliche, sich bonitätsmäßig zweifelsfrei präsentierende Kaufinteressenten angewiesen. Anfragen, die lediglich einem allgemeinen Informationsinteresse dienen, münden insbesondere bei erfahrenen Insolvenzverwaltern sehr schnell in der Sackgasse. Reine Neugierde oder gar die Absicht, das Krisenunternehmen als lästigen Wettbewerber lediglich ausspionieren zu wollen, tragen nicht: solche Kontakte sind meist schon beendet, ehe sie überhaupt richtig begonnen haben.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

3. Von der Unternehmenskrise zum Insolvenzverfahren

Zusammenfassung
Der Kauf eines Unternehmens aus der Krise spielt vor einer festgelegten „Kulisse“. Diese hat ihre spezifischen Besonderheiten: Das Schuldnerunternehmen als Handlungssubjekt durchläuft die verschiedenen Krisenstadien. Es driftet bei misslungenen Sanierungsbemühungen in die wirtschaftliche und rechtliche Auflösung. Spätestens mit Stellung des Insolvenzantrages wird es vom Handlungssubjekt zum Handlungsobjekt. Es wird zum Gegenstand des möglichen Unternehmenskaufs aus der Krise. Die Akteure wechseln. Auf die Bühne treten mit schrittweise sich verstärkenden Kompetenzen der (vorläufige) Insolvenzverwalter und die (Sicherungs-)Gläubiger. Die Regie hat nunmehr den gesetzlichen Regeln eines Insolvenzantragsverfahrens (Eröffnungsverfahren) sowie eines eröffneten Insolvenzverfahrens zu folgen. Der Kaufinteressent ist gut beraten, im konkreten Fall nicht nur die Krisenentwicklung des zum Verkauf anstehenden Unternehmens zu kennen, um eine wirksame Neuausrichtung zeitig einleiten zu können. Er sollte auch über die rechtlichen Modifikationen, bedingt durch das beantragte Insolvenzverfahren, sowie die wesentlichen Verfahrensabläufe Bescheid wissen. Nur dann nämlich bewegen sich Verkaufsgespräche und Verkaufsverhandlungen in einem homogenen und auch für den Kaufinteressenten transparenten Umfeld.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

4. Standortbestimmung: Zeitfaktor und Kontaktpersonen

Zusammenfassung
Wann ist der beste Zeitpunkt, den Kauf eines Unternehmens aus der Insolvenz anzubahnen und perfekt zu machen, also den Kaufvertrag abzuschließen und umzusetzen? Theoretisch erstreckt sich dieser Zeitraum von der Stellung des Insolvenzantrages bis zur Aufhebung des Insolvenzverfahrens und kann oftmals Jahre umspannen. Für eine gelungene Unternehmenstransaktion aus der Insolvenz ist diese Spannweite jedoch blanke Theorie. Tatsächlich stehen von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Umsetzung des abgeschlossenen Kaufvertrages nur wenige Monate, oftmals gar nur einige Wochen zur Verfügung. Selbst diese zeitliche Eingrenzung ist noch zu grob. In keinem Fall lässt sie sich verallgemeinern. Es kommt auch hier auf den im Einzelfall zu wählenden Zeitpunkt an. Dieser wird überwiegend fremd bestimmt, den Verantwortlichen also „von außen“ vorgegeben. Dies gilt es zu verdeutlichen.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

5. Im Fokus: Handlungsräume des (vorläufigen) Insolvenzverwalters

Zusammenfassung
Der Unternehmenskauf aus der Insolvenz ist eingebettet in viele Besonderheiten. Zentrale Bedeutung erlangt der Umstand, dass der Eigentümer nicht mehr berechtigt ist, über sein Eigentum zu verfügen: seine Gläubiger verwerten das Schuldnervermögen als ihr Haftungssubstrat. Gesprächs- und Verhandlungspartner sind nicht mehr Gesellschafter und/oder geschäftsführende Organe in ihrer jeweiligen Funktion, sondern der (vorläufige) Insolvenzverwalter. Dieser fundamentale Kompetenzwechsel erklärt sich mit der Funktion des Insolvenzverfahrens: Es handelt sich um einen Akt der Gesamtvollstreckung zur gemeinschaftlichen und bestmöglichen Befriedigung der Gläubiger. Während die Einzelzwangsvollstreckung in der Regel die Zwangsverwertung des Schuldnervermögens durch ein öffentliches Bieterverfahren vorsieht und über diesen Weg zur bestmöglichen Verwertung im Einzelfall gelangt, ist der (vorläufige) Insolvenzverwalter ermächtigt, über das Schuldnervermögen in erster Linie durch freihändigen Verkauf zu verfügen. Ein offizielles oder gar zwingendes Bieterverfahren entfällt somit. Es muss daher ein Ausgleich gefunden werden, um auch bei freihändigem Verkauf des Schuldnervermögens die aus Gläubigersicht bestmögliche Haftungsverwirklichung zu erreichen. Dieses Ziel wird dadurch erschwert, dass die Gläubiger in der Regel keinen homogenen Interessenverbund darstellen, sondern auch im Rahmen eines Insolvenzverfahrens völlig unterschiedliche Ziele verfolgen.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

6. Optimierung der Kaufentscheidung

Zusammenfassung
Der Ablauf eines Unternehmenskaufs aus der Insolvenz mündet in eine weitere entscheidende Phase: Die Insolvenz des Unternehmens und damit der künftige Kaufgegenstand sind bekannt, das Rollenspiel zwischen Geschäftsleitung und (vorläufigem) Insolvenzverwalter ist geklärt, der Geschäftsbetrieb des insolventen Unternehmens hat sich vorerst stabilisiert, der (vorläufige) Insolvenzverwalter konnte sich in wesentliche Betriebsbesonderheiten einarbeiten, erste Kontakte zwischen (vorläufigem) Insolvenzverwalter und Kaufinteressenten haben stattgefunden. Es geht nunmehr darum, die bisherigen Erkenntnisse in eine konkrete Gesprächs- und Angebotsphase einmünden zu lassen. Will man diese Phase zeitlich einordnen, so bewegt man sich erfahrungsgemäß in der zweiten bis vierten Woche nach Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung. Es bleiben zu diesem Zeitpunkt bei idealtypischem Verfahrensverlauf noch etwa ein bis maximal zwei Monate bis zur geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Oftmals ist die Zeitachse auch wesentlich kürzer.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

7. Realistische Risikoeinschätzung als Voraussetzung für Vertragsverhandlungen mit dem (vorläufigen) Insolvenzverwalter

Zusammenfassung
Die folgenden Kapitel behandeln die Vorbereitung, die Durchführung und den Abschluss von Unternehmenskaufverträgen mit einem Insolvenzverwalter. Naturgemäß „schwenkt“ dadurch der Blick von der bislang überwiegend geschilderten Perspektive des (vorläufigen) Insolvenzverwalters zur Perspektive des potenziellen Erwerbers.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

8. Erwerbsalternativen in der Insolvenz und Folgen für die Vertragsverhandlungen

Zusammenfassung
Die in der Praxis häufigste Erwerbsform für Unternehmenskäufe von Insolvenzverwaltern ist der so genannte „Asset Deal“, also der Erwerb von Einzelvermögensgegenständen im Wege der Einzelrechtsnachfolge. Diese Erwerbsform wird in der Praxis als „übertragende Sanierung“ bezeichnet, weil die Sanierung letztlich in einem neuen Rechtsträger (nämlich dem Erwerber) stattfindet.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

9. Typische Probleme der Vertragsgestaltung bei Asset-Kaufverträgen mit Insolvenzverwaltern

Zusammenfassung
Für die Gestaltung eines Unternehmenskaufs gibt es im Grunde zwei Vertragstypen: Den Vermögenskauf (Asset Deal) und den Anteilskauf (Share Deal). Diese unterscheiden sich hinsichtlich des Vertragsgegenstandes 1. Hieraus folgend differieren die Vertragsregelungen sowie die Haftungsregime beider Konstellationen rechtlich, wenn auch nicht unbedingt in den wirtschaftlichen Folgen, grundlegend. Während beim Share Deal der Unternehmensträger Gegenstand des Rechtsgeschäfts ist, ist beim Asset Deal das Unternehmen selbst Kaufgegenstand. Unternehmenskaufverträge mit dem Insolvenzverwalter werden in der Praxis nahezu ausschließlich als Asset-Deal-Kaufverträge geschlossen, also als Veräußerung von Einzelvermögensgegenständen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Während bei der Veräußerung von Geschäftsanteilen immer auch die Verbindlichkeiten eines Unternehmens mitverkauft werden (und das ist im Insolvenzfall ganz besonders unattraktiv), ermöglicht der Verkauf von Einzelvermögensgegenständen grundsätzlich den Ausschluss von Verbindlichkeiten.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

10. Vertragsschluss und Vertragsabwicklung

Zusammenfassung
Beim Asset Deal sind die für das jeweilige schuldrechtliche und dingliche Geschäft vorgeschriebene Formen zu beachten.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

11. Besondere Hinweise für die arbeitsrechtliche Sanierung bei Unternehmenskäufen aus der Insolvenz

Zusammenfassung
Die vielleicht größten Chancen eines Unternehmenskaufvertrages vom Insolvenzverwalter liegen im Bereich des Arbeitsrechts. Praktisch kein Unternehmen, das vom Insolvenzverwalter erworben wird, in dem nicht nahezu ungeahnte Sanierungsmöglichkeiten schlummern, die der Schuldner vor Insolvenzantrag schon aus Kostengründen (Sozialplanansprüche!) nicht mehr „schultern“ konnte. Die Beratungspraxis von Unternehmen in der Krise zeigt, dass häufig sehr konkrete Vorstellungen über die arbeitsrechtlich notwendigen Maßnahmen bestehen, diese aber aus finanziellen Gründen schlichtweg nicht mehr umgesetzt werden können. Auch erdrückende Pensionslasten, wie sie heute bei praktisch jedem deutschen Unternehmen bestehen, sind häufig ein Grund dafür, dass eine „arbeitsrechtliche Sanierung“ nur noch durch ein Insolvenzverfahren in Betracht kommt. Aus Sicht des Unternehmenserwerbers gilt es, diese „Schätze“ gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter zu heben. Je konkreter der Betriebserwerber dabei in der Due Diligence-Phase seine Vorstellungen von der künftigen arbeitsrechtlichen Struktur des Unternehmens formuliert, desto eher wird der Insolvenzverwalter gewillt sein, ihn dabei zu unterstützen. Von sich aus kommen nur wenige Insolvenzverwalter auf den Erwerber zu und sagen, was für arbeitsrechtliche Möglichkeiten theoretisch umsetzbar wären. Hier gilt wieder: Eigeninitiative zahlt sich aus.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

12. Begleitende Maßnahmen in der Umsetzungsphase

Zusammenfassung
Der Kauf eines Unternehmens aus der Insolvenz hat neben vielfältigen wirtschaftlichen und rechtlichen Besonderheiten auch eine starke, nicht zu unterschätzende psychologische Komponente: Neben den rechtlichen und wirtschaftlichen Handlungsräumen, die das Gelingen des Unternehmenskaufs insbesondere in zeitlicher Hinsicht erheblich bestimmen, kommt der Kunst, das zu verkaufende Unternehmen, den Betrieb oder Betriebsteil zusammenzuhalten, entscheidende Bedeutung zu. Dies aber heißt nichts anderes, als dass die Betriebsabläufe möglichst ungestört und reibungslos erfolgen müssen. Angesprochen sind damit alle Leistungsträger, die hierzu in ihrer jeweiligen Funktion entscheidend beitragen: Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden. Ihnen gegenüber gilt es, durch eine möglichst offensive Informationspolitik Vertrauen zurückzugewinnen, zu stabilisieren und über die Kontaktphase, Verhandlungsphase bis zur Umsetzungsphase zu erhalten. Dabei muss man sich immer bewusst sein, dass der Unternehmenskauf aus der Insolvenz auf einer zumindest halböffentlichen Bühne spielt. Die betroffenen Kreise wissen um die insolvente Situation. Die Gerüchteküche brodelt umso mehr, je weniger autorisierte Informationen fließen. Es gilt, die sich durch eine klare und verständliche Nachrichtenlage für den Zusammenhalt des Unternehmens bietende Chance zu nutzen: Eine gute, da vorbereitete und gezielte Informationspolitik schafft Vertrauen und Zuversicht. Sie unterstützt und ergänzt die Bemühungen von Verkäufer und Käufer, die Transaktion in einem gut und richtig informierten Umfeld zielstrebig umzusetzen.
Wolfgang Ott, Burkard Göpfert

Backmatter

Weitere Informationen