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13.02.2018 | Unternehmenskredit | Im Fokus | Onlineartikel

Warum die Finanzierung von Zombie-Unternehmen gefährlich ist

Autor:
Johanna Leitherer

Zombie-Unternehmen müssten längst tot sein, bleiben gestützt durch Kredite jedoch oft künstlich am Leben. Die Ressourcen, die diese Firmen verschlingen, nagen am Produktivitätswachstum einiger europäischer Volkswirtschaften. 

Viele Unternehmen gründen ihr Geschäft größtenteils auf Fremd- und nicht auf Eigenkapital. Bleibt der gewünschte Profit aufgrund von internen Fehlentscheidungen oder unvorhersehbaren Wettbewerbsnachteilen aus, sind auch Zahlungen von Tilgung und Zinsen oft nicht mehr zu bewerkstelligen. Spätestens, wenn die Kluft zwischen den Einnahmen und dem Schuldenberg immer größer wird, gilt es, den eigenen Geschäftsbetrieb auf profitablere Wege zu lenken. Ist das nicht möglich, bleibt Unternehmen nur noch die Möglichkeit, Insolvenz anzumelden.

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Zombie-Firmen zögern diese Entscheidung typischerweise hinaus, indem sie das niedrige Zinsniveau ausnutzen und einen neuen Kredit aufnehmen, mit dem sie Tilgung und Darlehensgebühren früherer Kredite abstottern. Dass das überhaupt möglich ist, lasten einige Experten der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Neben dem Niedrigzinsumfeld tragen auch Investoren, etwa Banken und andere Kreditgeber, ein Stück weit dazu bei, dass sich die Zombies halten können. Bestrebt darin, eine lückenlose Bilanz vorzuweisen, rückt die Profitabilität des subventionierten Unternehmens auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten für die Kapitalmengen oft in den Hintergrund. Die Taktik hilft jedoch angeschlagenen Unternehmen und Investoren auf lange Sicht nicht weiter. Denn sobald die Zinsen wieder steigen und die Zinsbindungsfrist verstrichen ist, droht die Blase zu platzen und es kommen umso mehr Schulden auf die Zombie-Firmen zu. 

Europäische Wirtschaft gehemmt

Somit gefährden die Unternehmen nicht nur sich selbst oder einzelne Investoren, sondern die gesamte europäische Wirtschaft, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit Monaten warnt. Zwar bedeutet der Erhalt von Firmen, dass Menschen ihren Arbeitsplatz nicht verlieren. Aus volkswirtschaftlicher Sicht binden die unrentablen Unternehmen jedoch Ressourcen wie Kapital, Marktanteile und Arbeitskräfte, die unter fairen Wettbewerbsbedingungen an einen stärkeren Konkurrenten übergehen würden, so die Kritik. Darüber hinaus drücken die schwachen Unternehmen oftmals die Preise und halten dadurch Markteintrittsbarrieren für neue Firmen künstlich aufrecht. Auf diese Weise hemmen Zombie-Firmen die allgemeine Wirtschaftsentwicklung und das Produktivitätswachstum. Gleichzeitig kratzen sie an der Finanzstabilität. 

Auch Banken können mit ihrem Eigenkapital ins Minus geraten und gestützt durch Staaten oder Gläubiger zu Zombies mutieren. "Ein Problem, unter dem vor allem die südlichen Staaten der Euro-Zone leiden. Auch in Japan haben Zombie-Banken die Wachstumsschwäche bis heute verlängert – zusammen mit der notorischen Reformunlust japanischer Politiker", berichtet Springer-Autor Christian A. Conrad im Buchkapitel "Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank" (Seite 377). 

Damit sich das Problem in der Eurozone nicht weiter verhärtet, drängen Experten im Finanzsektor schon länger darauf, dass Banken notleidende Kredite konsequenter abbauen. Laut der OECD sind es vor allem schwache Geldhäuser, die dazu geneigt sind, untote Unternehmen zu unterstützen, anstatt faule Kredite abzuschreiben.  Strategieberater des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshauses Pricewaterhouse Coopers hatten 2017 in einer Analyse ausgerechnet, dass in den Büchern europäischer Banken ausfallgefährdete Kredite in Höhe von über einer Billion Euro  stehen.

Zombie oder Start-up?

In einer Studie kommt die OECD zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Zombie-Firmen in Europa kontinuierlich steigt. Das bestätigt auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). In ihrem jüngsten Jahresbericht geht die Finanzorganisation davon aus, dass sich der Anteil der Zombie-Firmen in 14 der wichtigsten europäischen Industrienationen auf mittlerweile 10,5 Prozent beläuft. Für Deutschland gelte das aber nicht, konstatiert dagegen die Deutsche Bundesbank in ihrem Jahresabschlussbericht 2017 mit Blick auf Unternehmenseinzeldaten aus ihrem Datenpool. Da bislang noch nicht einheitlich beschlossen wurde, ab wann genau ein Unternehmen in die Kategorie der Zombiefirmen fällt, kursieren mehrere Bestimmungskriterien. Je nach Definition des Begriffs liegt der Anteil in Deutschland der Bundesbank zufolge zwischen 2,2 und 4,7 Prozent. Das Niedrigzinsumfeld habe diese Zahlen nicht beeinflusst, heißt es. 

Dennoch räumt die zentrale Notenbank ein, dass möglicherweise eine Untererfassung von Zombie-Unternehmen bestehe, da tendenziell eher die Zahlen stabiler Unternehmen in den Datenpool eingeflossen seien. Da die Werte unabhängig vom Gründungsjahr des Unternehmens ermittelt wurden, könnten außerdem auch umsatzschwache, junge Firmen und Start-ups als Zombies klassifiziert worden sein. Hohe Bewertungen dieser und großzügige Investitionen gehen hier Hand in Hand. "Dennoch bleibt das Risiko einer Zombie-Start-up-Apocalypse immanent. Diese hätte jedoch auch positive Seiten: die Unternehmen wären bei ausbleibenden Kapitalinfusionen dazu gezwungen, natürlich zu wachsen und müssten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: reale Umsätze und Gewinne erwirtschaften", meint Springer-Autor Till Wäscher im Buchkapitel "Alarmismus oder nur eine Frage der Zeit: Platzt die zweite Dot.com-Blase?" (Seite 23).

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