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08.10.2019 | Unternehmenskredit | Im Fokus | Onlineartikel

Kreditplattformen erleichtern Unternehmensfinanzierung

Autoren:
Prof. Dr. Detlef Hellenkamp, Martin Hipp

Unternehmenskredite sind eines der klassischen Kerngeschäftsfelder der Bankenbranche. Um sich im harten Wettbewerb zu behaupten, müssen die Institute ihre digitalisieren und an den Kundenwünschen ausrichten. 

Die inzwischen langandauernde Niedrigzinsphase im Euroraum, wiederkehrende regulatorische Anforderungen und ein sich mit rasender Geschwindigkeit entwickelnder technischer Fortschritt stellt die Geldhäuser vor große Herausforderungen. Dennoch beabsichtigen viele Banken ihr Kreditgeschäft, insbesondere im Firmenkundensegment, langfristig zu expandieren.

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Grundzüge und Entwicklungen von Finanzierungsmärkten

In der Einführung werden Fremd- und Eigenkapital abgegrenzt, um Strukturen der Fremdkapitalfinanzierungen als Außenfinanzierung zu verdeutlichen. Das Buchkapitel vergleicht außerdem Banken- und Kapitalmarktfinanzierungen miteinander und beschreibt entsprechende Marktcharakteristika. 

Niedrige Zinsen und Wettbewerb belasten die Margen

Neben den niedrigen Zinsen drückt zusätzlich ein intensiver Wettbewerb auf die Margen im Firmenkundenkreditgeschäft. Aktuell wird überdies eine Abkühlung der konjunkturellen Situation diskutiert, die möglicherweise zu einer abnehmenden Kreditnachfrage und veränderten – branchenspezifischen – Risikoszenarien in den Kreditinstituten führen wird. Banken und Sparkassen werden aus Rentabilitätsgründen deshalb unter anderem ihre Prozesskosten zunehmend weiter reduzieren müssen. Das heißt, die Effizienz von Kreditprozessen wird zukünftig weiterhin in einem besonderen Fokus stehen. Dabei wird die Digitalisierung, ob disruptiv oder evolutionär, die bisherigen Prozesse der Finanzindustrie und deren Produktangebote nachhaltig verändern.

"Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler", heißt es im Sprichwort. Wie verhält es sich also mit Finanzierungsprozessen in mittelständischen Unternehmen? Diese sind häufig ineffizient und nehmen erhebliche Ressourcen in Anspruch, personell und zeitlich. Im Kontext einer zunehmenden Komplexität unternehmerischen Handelns stellen Finanzierungsprozesse dabei nur einen Verantwortungsbereich neben zahlreichen anderen Aufgaben dar. 

Dokumentationsprozesse sind aufwendig

So ist beispielsweise die Aufbereitung der Unterlagen einer Finanzierungsanfrage aufwendig. Diese ist aus Unternehmenssicht nicht standardisiert, sondern muss institutsspezifisch erstellt werden. Sind mehrere Banken im Spiel, bedeutet das, dass zum Teil unterschiedliche Dokumente und Dokumentationen wiederkehrend eingereicht werden müssen. Darüber hinaus führen Informationsasymmetrien zwischen Kreditinstituten und Unternehmen in der Praxis regelmäßig dazu, dass Unternehmen Credit Advisor engagieren, um sicherzustellen, dass Finanzierunglösungen und -angebote optimiert und am Interesse des Betriebes ausgerichtet sind.

Denn: Identische Finanzierungsanforderungen führen in der Praxis regelmäßig dazu, dass die von einzelnen Kreditinstituten vorgeschlagenen Produktlösungen die Bedürfnisse des Unternehmens nicht ausreichend berücksichtigen. Sie passen dann im Zweifel nicht zur Strategie und bilanziellen Struktur der Firma.

Digitale Welt verändert die Finanzierung

Innovative Produktentwicklungen müssen aus Bankensicht zwingend mit dem strategischen Geschäftsmodell einer Bank und dem daran ausgerichteten Kernbankenverfahren insgesamt harmonieren. Sonst entwickelt sich langfristig ein komplexer und starrer digitaler Flickenteppich. Entscheidungsträger in den Kreditinstituten stehen dabei regelmäßig vor der Herausforderung, die Zukunftsrelevanz digitaler Entwicklungen zu bewerten und mit Blick auf das Budget zu priorisieren.

Zudem ändern sich Angebot und Nachfrage von Produkten und Dienstleistungen zusammen mit einem neu ausgerichteten Kundenverhalten branchenübergreifend gravierend. Preis- und Konditionentransparenz sowie kurze Bearbeitungszeiten sind beispielsweise wesentliche Entscheidungskriterien bonitätsstarker Kunden im Firmenkundenkreditgeschäft. Digitale Prozesse und Produktlösungen werden sich deshalb immer zielgerichteter an diesen Kundenbedürfnissen ausrichten müssen. Hierbei werden Plattformlösungen innerhalb von Digitalisierungsstrategien eine immer größere Relevanz einnehmen.

Über Plattformen neue Kundengruppen erschließen

Plattformbasierte Lösungen können Produktangebote nahezu beliebig und zu geringen Kosten skalieren und auch erweitern. Ebenso können auf diesem Weg neue Kundengruppen erschlossen werden. Und das funktioniert unabhängig davon, ob Kreditinstitute ihre Lösungen integrativ im eigenen Kernbankensystem oder als Produktlieferant mit oder ohne eigene Schnittstellen über einen Drittanbieter zur Verfügung stellen. Auch Entscheidungsträger in Finanzabteilungen von Unternehmen sind inzwischen zunehmend vertraut mit plattformbasierten Geschäftsmodellen, die ohnehin bereits aus ihrem privaten Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

Finanzierungsplattformen bieten beispielsweise an, kreditsuchende Unternehmen mit Kreditgebern zusammenzubringen. Sie fokussieren dabei neben einer marktgerechten Kondition eine für Finanzinstitute standardisierte und beschlussfähige Aufbereitung des Kreditantrags sowie eine zielgerichtete und zeiteffiziente Ansprache geeigneter Partner. 

Plattformen bieten schnellen Informationszugang

Die mit einer Plattform kooperierenden Finanzpartner haben die Möglichkeit dem Kunden individuelle Angebote zu unterbreiten. Hierbei helfen Algorithmen, die zum Beispiel nach Region, Branche und Kreditvolumen filtern. Die Angebote der Banken sind in der Regel verbindlich bei Gremien- und Dokumentationsvorbehalt. Erst nach der Freigabe durch das Unternehmen werden die Institute über die Anfrage informiert und auf die Unternehmensdaten freigeschaltet. Die browserbasierte Anwendung erlaubt den Banken einen digitalen Zugang zu den aufbereiteten Informationen der Kreditnehmer mit entsprechenden Downloadmöglichkeiten – umgekehrt haben die Unternehmen zu jeder Zeit ebenso vollständige Transparenz, da Angebote eingesehen werden können, sobald sie von den Kreditinstituten hochgeladen werden. Kunden haben damit die Möglichkeit, zu diesem Zeitpunkt die Konditionen online und gegenüber dem Kreditinstitut ohne Zusageverpflichtung zu vergleichen. 

Grundsätzlich können plattformbasiert alle Finanzierungsprodukte angeboten werden, die anbieter- und produktunabhängig individuell beraten werden können. Kunden profitieren somit von einer erweiterten Produktauswahl und Konditionentransparenz und höheren Chancen für eine Finanzierungszusage. Kreditinstitute erhalten ihrerseits Zugang zu neuen Kundengruppen und die Möglichkeit eigene Produkt- und Dienstleistungsangebote zielgerichtet anzubieten. Effizienzgewinne im Kreditprozess reduzieren zudem Kosten und generieren somit Spielraum in der Konditionsgestaltung im Markt.

Kreditinstitute werden Risk-Taker-Funktion ausbauen

Perspektivisch dürfte die Effizienz von Vertriebsprozessen in Kreditinstituten weiterhin im Fokus stehen. Plattformbasierte Lösungen beispielsweise über Portale können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Bereits heute werden die Möglichkeiten marktführender Plattformbetreiber anderer Branchen, etwa im Kontext von Datenaufbereitungen, Rating, KYC oder der Bewertung von Sicherheiten, intensiv diskutiert. Im Weiteren könnten zunehmend Anwendungsschnittstellen (API) zu Banken generiert werden, um Daten direkt in das Kreditentscheidungssystem der Banken zu übertragen und letztlich einen Abschluss der vertraglichen Vereinbarungen direkt über ein Portal zu erlauben –beispielsweise mittels Distributed-Ledger-Technologie oder Smart Contracts.

Tendenziell wird die Digitalisierung auch im Firmenkundenkreditgeschäft partiell zu einem abnehmenden persönlichen Kontakt führen, der vermehrt standardisiert werden kann, sobald er nicht durch Größe und Komplexität der Finanzierung geprägt wird. Im Rahmen einer solchen Entwicklung werden Kreditinstitute ihre Funktion als Risk Taker möglicherweise zunehmend ausbauen.

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