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01.07.2021 | Unternehmenskredit | Schwerpunkt | Online-Artikel

Wie Banken Firmenkunden optimal durch Krisen helfen

verfasst von: Professor Dr. Peter Wagner

4 Min. Lesedauer

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Geraten Unternehmen in eine Krise, wirkt sich das mittelfristig auch auf ihr Verhältnis zur Hausbank aus. Den Instituten stehen allerdings eine Fülle an Maßnahmen zur Verfügung, um ihren Firmenkunden bei der Bewältigung einer Schieflage zu helfen.

Eine Unternehmenskrise gefährdet die Existenz der Firma, indem bedeutende Ziele, wie etwa die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit oder die dauerhafte Erwirtschaftung eines Mindestgewinns, bedroht sind. Die Ursachen von Unternehmenskrisen sind vielfältiger Natur und können betriebliche und überbetriebliche Ursachen haben. Im fortgeschrittenen Stadium kann sie sogar zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens führen, wenn einer der in der Insolvenzordnung beschriebenen Eröffnungsgründe vorliegt. 

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Als bedeutende Kreditgeber der mittelständischen Wirtschaft sind Banken von Unternehmenskrisen und Insolvenzen ihrer Firmenkunden maßgeblich betroffen. In den 2010er Jahren, also bereits vor der Corona-Pandemie, gab es in Deutschland im Schnitt rund 26.750 Unternehmensinsolvenzen pro Jahr.

Banken müssen Kreditausfälle vermeiden

Als Geschäftspartner der Firmenkunden haben die Banken indes ein ausgeprägtes Interesse daran, bei der Überwindung einer Unternehmenskrise aktiv mitzuwirken, um Kreditausfälle zu vermeiden. Dabei beschränken sich die möglichen Maßnahmen nicht nur auf finanzielle Hilfestellungen. Vielmehr stehen den Banken auch erhebliche konzeptionelle Maßnahmen zur Verfügung, mit denen sie die Firmenkunden unterstützen können. 

Die finanziellen Maßnahmen zielen darauf ab, die Liquiditäts- und Verschuldungssituation des Firmenkunden zu verbessern. Diese gewinnen dadurch Zeit, um notwendige leistungswirtschaftliche Anpassungen wie zum Beispiel den Abbau von Lagerbeständen, die Verringerung des Materialeinsatzes, eine Straffung des Produktsortiments und den Abbau freiwilliger sozialer Leistungen in Angriff zu nehmen. 

Finanzielle Hilfe verbessert die Unternehmensliquidität

Als eine erste finanzielle Maßnahme kann die Bank mit dem Firmenkunden ein Stillhalteabkommen abschließen. Darin verpflichtet sich die Bank – zumeist in Verbindung mit Auflagen für den Kunden – für einen bestimmten Zeitraum auf eine ihr zustehende außerordentliche Kündigung der Kredite zu verzichten. Der Firmenkunde gewinnt dadurch die Gewissheit, dass die bestehenden Kreditlinien zumindest für den vereinbarten Zeitraum weiter zur Verfügung stehen. 

Weiterhin kann die Bank Sicherheiten freigeben und damit einen weiteren Beitrag zur Krisenbewältigung leisten. Der Firmenkunde kann die freigegebenen Sicherheiten bei Dritten zur Kreditaufnahme nutzen. Verzichtet die Bank etwa auf Grundpfandrechte an nicht betriebsnotwendigen Immobilien, kann das Unternehmen durch den Verkauf der Immobilie seine Liquiditätslage deutlich verbessern. 

Darüber hinaus kann sich ein Institut zu einer Umschuldung des Kreditengagements bereit erklären. Hierunter wird die Anpassung der Zins- und Tilgungszahlungen an die Leistungsfähigkeit des Firmenkunden verstanden. Ein Beispiel hierfür ist die Umwandlung von Überziehungskrediten in kurzfristige Darlehen. 

Stundung und Sanierungskredit verhindern Insolvenz

Auch die Vereinbarung einer Stundung, das heißt eines zeitlichen Aufschubs fälliger Zins- und Tilgungszahlungen zwischen der Bank und dem Unternehmen ist zur Krisenbewältigung möglich. Einen direkten Einfluss auf die Liquiditäts- und Verschuldungssituation des Firmenkunden besitzt auch ein Zinserlass seitens der Bank. Damit erklärt sich diese mit dem Erlöschen einer Zinsforderung an den Firmenkunden einverstanden. 

Die weitreichendste Form der finanziellen Unterstützung einer Bank in der Unternehmenskrise ist die Gewährung eines Sanierungskredites und damit die Ausweitung des Kreditengagements. Das Institut trägt damit direkt zur Finanzierung der notwendigen leistungswirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen des Firmenkunden bei. 

Bankenpool als finanzielles Auffangnetz

Die Rolle der Banken bei der Krisenbewältigung kann sich aber auch auf konzeptionelle Hilfe beziehen. Zum einen kann die Bank die Führerschaft unter sämtlichen Gläubigern des Firmenkunden übernehmen. Dazu wird in der Regel ein Sicherheitenpool aller kreditgebenden Institute gebildet. Dieser Bankenpool signalisiert den übrigen Gläubigern und Geschäftspartnern des Firmenkunden, dass ein finanzielles Auffangnetz für das notleidende Unternehmen besteht. 

Außerdem kann das Geldhaus dem Firmenkunden oftmals umfassende betriebswirtschaftliche Beratungsleistungen zur Krisenbewältigung anbieten. Der Umgang mit Unternehmenskrisen gehört zum täglichen Firmenkundengeschäft der Banken, so dass dort auch erhebliche Erfahrungen und Sachverstand in Bezug auf die Bewältigung von Krisensituationen vorliegen. Auf diese Kenntnisse können die Firmenkundenbetreuer im Einzelfall zurückgreifen. Ferner besitzen die Banken aus der Vielzahl ihrer Firmenkundenengagements spezifische Branchenkenntnisse, die sie in die betriebswirtschaftliche Beratung des Firmenkunden einfließen lassen können. 

Banken unterstützen Firmenkunden mit Know-how

Darüber hinaus kann die Bank dem Firmenkunden wirtschaftliche Kontakte vermitteln. Oftmals bedarf es zur Bewältigung der Unternehmenskrise des Einsatzes von Unternehmensberatern und externen Krisenmanagern, bei deren Auswahl die Bank dem Firmenkunden beratend zur Seite stehen kann. Falls eine Veräußerung des notleidenden Unternehmens oder die Beteiligung von neuen Kapitalgebern zur Krisenbewältigung notwendig erscheint, kann die Bank zudem den Kontakt zu potentiellen Investoren herstellen. Als weitere konzeptionelle Maßnahme seitens der Bank bieten sich personelle Unterstützungen an. Beispielsweise kann die Bank leitende Mitarbeiter in Gremiem, zum Beispiel den Beirat des notleidenden Unternehmens, entsenden, um so aktiv Einfluss auf den Prozess der Krisenbewältigung zu nehmen. 

Insgesamt besitzen Banken also umfangreiche Möglichkeiten, um Firmenkunden bei der Bewältigung der Unternehmenskrise zu unterstützen und dadurch desren Insolvenz zu vermeiden. Im Einzelfall ist zu prüfen, welche der beschriebenen finanziellen und konzeptionellen Maßnahmen in welcher Kombination zur Gesundung des Firmenkunden zum Einsatz kommen sollen.
 

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