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16.05.2018 | Unternehmenskredit | Im Fokus | Onlineartikel

KMU scheuen Finanzierungen wegen hoher Sicherheitsanforderungen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Bankdarlehen sind für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als Finanzierungsquelle immer noch sehr wichtig. Doch wie die KfW herausfand, suchen die Unternehmen nach Alternativen, um notwendige Investitionen finanziell zu stemmen.

Sich wandelnde Märkte, steigende Ansprüche der Kunden und Herausforderungen wie die Digitalisierung verlangen von Unternehmen, Geld in das Know-how ihrer Mitarbeiter, das Equipment, die technische Infrastruktur und die Weiterentwicklung ihrer Produkte sowie Dienstleistungen zu stecken. Das gilt für große Konzerne ebenso wie für KMU. Doch diese zögern scheinbar häufig, wenn solche Investitionen über einen Bankkredit finanziert werden müssen. Denn wie die Zusatzbefragung zum KfW-Mittelstandspanel ergab, denken zwar rund 60 Prozent über Banken als Finanzierungsquelle nach, jedoch schließt jedes dritte Unternehmen mittlerer Größenordnung einen Bankkredit trotz der aktuell niedrigen Zinsen für sich aus.

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Hohe Sicherheitsanforderungen schrecken ab

Als Gründe geben die befragten Entscheider vor allem hohe Sicherheitsanforderungen und die Vermeidung von Schulden an, berichtet die KfW. Viele scheuen sich aber auch, ihre Geschäftsdaten gegenüber der Bank offenzulegen. "Der im Zuge der strengeren Bankenregulierung gestiegene Informationsbedarf der Kreditinstitute hat die Anforderungen an die Offenlegung von Geschäftszahlen und -strategien deutlich erhöht", so die KfW. Zugleich steige mit dem Informationsbedarf der Banken der Aufwand und die Kosten für die Unternehmen bei der Antragstellung.

Zwar stemmen laut Befragung rund 20 Prozent der KMU ihren Investitionsbedarf mit eigenen Mitteln, denn die Eigenmittel der Unternehmen haben laut KfW seit 2000 stetig zugelegt. Sie beträgt derzeit rund 30 Prozent. Dennoch können nicht alle auf genügend Kapital zurückgreifen, wie die Springer-Autoren Wolfgang Becker, Patrick Ulrich und Meike Stradtmann erklären: "Innerhalb der finanziellen Ressourcen ist hervorzuheben, dass mittelständische Unternehmen eine vergleichsweise geringe Eigenkapitalquote aufweisen, sodass Fremdkapital und die damit einhergehende Kapitalbeschaffung am Kreditmarkt eine essentielle Rolle im Rahmen der Finanzierung einnehmen", heißt es im Kapitel "Geschäftsmodelle im Mittelstand" aus dem Buch "Geschäftsmodellinnovationen als Wettbewerbsvorteil mittelständischer Unternehmen" (Seite 53). Neben dem Bankkredit kommen daher auch alternative Finanzierungsmodelle zum Einsatz:

Als adäquates Mittel zur Sicherung der eigenen Wettbewerbsposition dient die Bildung von Kooperationsstrategien mit anderen Wertschöpfungspartnern, wodurch die im Gegensatz zu Großunternehmen vergleichsweise geringere Größe mittelständischer Unternehmen kompensiert werden kann." 

Wolfgang Becker, Patrick Ulrich und Meike Stradtmann auf Seite 58

Der Fördermix ist für viele KMU wichtig

Viele KMU setzen laut KfW lieber auf einen Fördermix aus unterschiedlichen Quellen zur Finanzierung ihrer Investitionen und den Ausbau ihres Unternehmens:

  • Eigenmittel: 50 Prozent 
  • Bankkredite: 30 Prozent
  • Fördermittel (etwa durch die EU im Bereich Forschung und Entwicklung): 13 Prozent 
  • sonstige Mittel (wie Mezzanine-Kapital oder Beteiligungen): 7 Prozent

Allerdings hat die KfW ermittelt, dass es bei der Entscheidung für oder gegen eine Bankfinanzierung durchaus auf die Größe des Unternehmens ankommt. Sehr kleinen Firmen fehlten oft adäquate Kreditsicherheiten wie Vermögenswerte oder Bürgschaften. Sie schrecke deshalb die Gefahr ab, dass die Bank ihre Kreditanfrage aufgrund der Finanzierungsrisiken ablehnen könnte.

Entscheiden sich die Unternehmen dann aus den genannten Gründen gegen eine Finanzierung über die Bank und schieben notwendige Investitionen, zum Beispiel im Bereich Digitalisierung, mangels ausreichendem Eigenkapital auf, können ihnen Wettbewerbsnachteile drohen und gewinnträchtige Konzepte bleiben einfach in der Schublade: "Der Blick auf die Finanzierungsquellen offenbart dann auch das Problem vieler mittelständischer Unternehmen, denn zu 77 % werden die notwendigen Investitionen für Digitalisierungsprojekte aus dem Cashflow bestritten – bei anderen Sachinvestitionen beträgt dieser Anteil nur 58 %", beschreiben es die Springer-Autoren Autoren Anabel Ternès und Sebastian Schieke in "Megatrend Digitalisierung: Wo steht der deutsche Mittelstand aktuell?" im Buch "Mittelstand 4.0". 17 Prozent griffen daher auf alternative Leasing-Modelle und Pay-per-Use-Varianten zurück, heißt es weiter. "Digitalisierungsprojekte werden nur zu vier Prozent kreditfinanziert", so die Autoren (Seite 15).

Digitalisierungsprojekte nur schwer einzuschätzen

Warum sich die Banken gerade mit der Finanzierung der wichtigen Digitalisierungsprojekte im Mittelstand schwertun, versuchen Ternès und Schieke zu erklären: "Aus Sicht der externen Kapitalgeber lässt sich die Erfolgschance nur schwer einschätzen, da beispielsweise in Bezug auf die Digitalisierung noch keine Klarheit zu künftigen Standards und rechtlichen Rahmenbedingungen herrscht. Darüber hinaus lassen sich die Effekte nur schwer bewerten, zumal für die Projekte in der Regel zunächst Personalkosten und andere Vorleistungen anfallen." Im Gegenzug würden vergleichsweise wenig materielle Güter angeschafft, was die Möglichkeiten der Sicherheiten im Projekt selbst insgesamt reduziere. Daraus resultierten wiederum ungünstigere Konditionen, wenn überhaupt ein Kapitalgeber oder Geldinstitut zur Finanzierung bereit sei, so die Autoren.  

Das Vertrauen in die Innovationsfähigkeit und das Management bei KMU muss aufseiten der Banken wachsen. Umgekehrt, so urteilt die KfW, fehle noch etlichen Mittelständlern das Vertrauen in die Kreditinstitute, das vor allem während der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten habe.  

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