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Kredithürde für Dienstleister und Einzelhandel steigt

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Bankkrediten in die Höhe geschossen. Doch nach Monaten der Krise wird es für Unternehmen schwerer, sich mit Kapital zu versorgen. Laut einer Umfrage sind der Einzelhandel und Dienstleister besonders betroffen.

Die dünnere Eigenkapitalausstattung verschlechtert die Bonität vieler Unternehmen und erschwert ihnen damit den Zugang zu Bankkrediten. 


Die Finanzierungssituation für deutsche Unternehmen verschärft sich, wie eine aktuelle Umfrage Förderbank KfW belegt. Ihr zufolge hat jedes vierte der insgesamt fast 1.600 Unternehmen aus 18 Spitzen-, Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft aktuell Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten. Verglichen mit Frühjahr 2020 hat sich ihr Anteil damit verdoppelt. Zugleich wollen immer mehr Unternehmer einen Bankkredit. 62,2 Prozent der Unternehmen und Betriebe haben der Erhebung zufolge Kreditverhandlungen geführt. Das ist ein Anstieg von 7,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Im Fokus standen dabei vor allem langfristige Kredite, die für den Aufbau von Liquiditätspolstern genutzt wurden.

"Die Corona-Krise hat die Unternehmen in Deutschland viele finanzielle Reserven gekostet. Gepaart mit einer hohen konjunkturellen Unsicherheit hat dies das Finanzierungsklima in den vergangenen Monaten merklich belastet", erläutert KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib die Umfragergebnisse. Die Studie erhob die Bank in diesem Jahr bereits zum 20. Mal. Dabei sind Betriebe aus dem Dienstleistungssektor und dem Einzelhandel besonders betroffen.

Bonitätsbewertung leidert unter schwindender Liquidität

In den Nullerjahren hatte bei deutschen Unternehmen ein Trend zu einer höheren Eigenkapitalausstattung eingesetzt. Dem habe die Pandemie ein Ende gesetzt, heißt es in der Analyse. So berichteten fast 40 Prozent der Betriebe von einer Verschlechterung ihrer Eigenkapitalquote. Lediglich 29,7 Prozent meldeten eine Verbesserung. Das verschlechtere die Bonitätsbewertung von mehr als einem Drittel (34,5 Prozent) der befragten Unternehmen. Nur 16 Prozent verzeichneten eine Verbesserung ihres Ratings.

Die Befragungsergebnisse lassen vermuten, dass sich die aktuelle Krise auf die Finanzierungsinstrumente auswirkt, die für die Unternehmen zukünftig interessant beziehungsweise zugänglich sind. Demnach könnten Unternehmen stärker Finanzierungsformen nutzen, die deren Eigenkapitalquoten schonen beziehungsweise stärken. Dazu zählen insbesondere die Innenfinanzierung, Einlagen von Familie oder Gesellschafter sowie das Leasing", so die KfW-Experten. 

Aber auch Fremdkapitalinstrumente wie kurz- und mittelfristige Bankkredite werden der Befragung zufolge an Bedeutung zunehmen. Dagegen könnten bisher weniger genutzte Instrumente, wie etwa Beteiligungskapital, Mezzanine Kapital, Factoring sowie Anleihen wahrscheinlich aufgrund ihrer spezifischen Finanzierungsfunktion vorübergehend an Bedeutung einbüßen.

Umfang der Investitionen ist 2020 geschrumpft

Obwohl viele Unternehmen offenbar mit einer rückläufigen Liquidität kämpfen, haben zwei Drittel der befragten Betriebe 2020 Investitionen umgesetzt. Allerdings fiel der Umfang im Vergleich zum Vorjahr geringer aus. Gleichzeitig meldeten rund 46 Prozent der Unternehmen, dass mindestens eine geplante Investition nicht umgesetzt werden konnte. 30,7 Prozent machen dafür die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. 

Bei ihren Investitionsplänen für das aktuelle Jahr zeigten sich die meisten Unternehmen vorsichtig optimistisch. Etwa 70 Prozent planen Investitionen und rund 40 Prozent der Unternehmen wollen dafür sogar mehr Geld zur Verfügung stellen als im Vorjahr. "Mit Blick auf die notwendige Transformation hin zu einer digitalen und klimaneutralen Wirtschaft ist ein Investitionsschub auch dringend notwendig", kommentiert Köhler-Geib die Zahlen. 

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