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10.09.2020 | Unternehmenskredit | Infografik | Onlineartikel

KMU bauen verstärkt auf langlaufende Kredite

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Nach dem mittelständische Unternehmen während des Lockdowns vor allem Darlehen mit kurzen Laufzeiten nachfragten, hat sich die Lage nun deutlich in Richtung von Krediten mit langer Laufzeit verschoben. Das zeigt eine Sonderbefragung von KfW Research. 

Vor allem der Mai hat bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) tiefe Spuren bei den Liquiditätsreserven hinterlassen und Betriebe bis an den Rand der Existenz oder sogar in die Insolvenz geführt. Wie KfW Research in einer Sonderbefragung ermittelte, ist die Wirtschaftsleistung von April bis Ende Juni um rund zehn Prozent eingebrochen. Die massiven Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben bei zwei von drei Mittelständlern zu Umsatzeinbußen geführt. Um die teilweise existenzbedrohenden Liquiditätslücken zu schließen oder zumindest abzumildern, ist im zweiten Quartal 2020 das von KfW Research berechnete Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen um sechs Prozent gewachsen. 

Zu Krisenbeginn schöpften Unternehmen Kreditlinien aus

Interessant: Lagen im ersten Quartal vor allem kurzfristige Darlehen, etwa durch die Ausschöpfung vorhandener Kreditlinien, im Fokus der KMU, ist es aktuell vorwiegend langfristiges Geld, dass sich die Unternehmen von den Banken leihen. "Mit einem Plus von 17 Prozent legten die langfristigen Finanzierungen ab einer Laufzeit von fünf Jahren außergewöhnlich stark zu", so die Volkswirte. Gründe für diese Entwicklung seien Stundungsvereinbarungen, aber auch die staatlichen Kreditgarantien, zu denen auch die Programme der KfW gehören. 

"Für die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung ist das eine gute Nachricht. Die längeren Fristen erhöhen die Finanzierungssicherheit für die Unternehmen und strecken die Belastung aus den Krisenverlusten über die Zeit. Das verbessert die Aussichten für eine nachhaltige Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs", fassen die KfW-Experten in ihrem Ausblick zusammen. 

Kreditzugang hat sich nur moderat verschärft

"Trotz des kräftigen Wachstums ist die Dynamik des Kreditneugeschäfts etwas hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben", betonen die Ökonomen. Dass die Banken im Hinblick auf die Liquiditätslücken sowie die steigenden Ausfallrisiken zu zögerlich sind und das Kreditangebot übermäßig einschränken, glauben sie indessen nicht. "Zwar haben die Schwierigkeiten beim Kreditzugang etwas zugenommen, die Verschärfungen sind bislang aber nur moderat."

Bei der Befragung zur KfW-ifo Kredithürde Ende Juni habe lediglich ein Fünftel der Mittelständler über restriktive Banken geklagt. Während der globalen Finanzkrise sei ihr Anteil mehr als doppelt so hoch gewesen. Ein ähnliches Bild zeichnen die Ergebnisse der Bank Lending Survey. Die Finanzinstitute haben laut KfW Research in der Juli-Ausgabe mehrheitlich angegeben, die Kreditrichtlinien für Unternehmen gestrafft zu haben. Der Nettosaldo lag jedoch mit 9,4 Prozentpunkten weit unterhalb des Niveaus von 2009, als er 37 Prozentpunkte betrug.

Skeptischer zeigt sich dagegen unter anderem Beat Thoma, CIO des Schweizer Vermögensverwalters Fisch Asset Management, in einer Analyse seines Hauses zu den aktuellen Marktentwicklungen. "Die Notenbanken versorgen die Märkte zwar weiterhin mit viel Liquidität. Aber dieses Geld kommt vorwiegend bei großen börsennotierten Unternehmen und Schuldnern an. Bei kleinen und mittleren Unternehmen trüben sich die Refinanzierungsmöglichkeiten deutlich ein. Die Banken fürchten sich vor Zahlungsausfällen und werden restriktiver bei der Kreditvergabe." Laut seiner Analyse sei die Lage ähnlich schwierig wie in der Krise von 2008 und 2009. 

Kreditalternativen rücken in den Fokus des Mittelstands

Allerdings setzen die deutschen Unternehmen laut KfW Research nicht nur auf Bankkredite. Vielmehr hätte sich die Wirtschaft auch auf andere Formen der Finanzierung konzentriert wie etwa die Nutzung staatlicher Zuschussprogramme sowie "eine markante Ausweitung der Anleiheemissionen". 

Daher rechnen die Frankfurter Volkswirte zur Jahreswende hin mit einem deutlichen Abflauen des Kreditneugeschäfts. Aufgrund der Lockerung der Maßnahmen habe bereits im Verlauf des zweiten Quartals die wirtschaftliche Erholung eingesetzt und Liquiditätslücken verringert. Allerdings sei nicht mit einer wieder steigenden Investitionstätigkeit der Unternehmen zu rechnen, und damit entfalle auch der damit verbundene Finanzierungsbedarf. In jedem Fall bleibe die Prognoseunsicherheit aber außergewöhnlich hoch.

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