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14.08.2019 | Unternehmenskredit | Im Fokus | Onlineartikel

Fehlende Finanzierung lähmt Industrie 4.0

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Basis der Industrie 4.0 sind neue intelligente und digital vernetzte Systeme. Doch für die nötigen Investitionen fehlen häufig die passenden Finanzierungen, zeigt eine aktuelle Analyse.

Wollen Unternehmen ihre Prozesse, Maschinen und Produktionsanlagen fit für die digitale Zukunft machen, brauchen sie ausreichend finanzielle Mittel. Allerdings fällt es vielen Firmen schwer, für effizientere und nachhaltigere Technologien die passenden Investoren zu finden. "Dieses Mismatch ist einzelwirtschaftlich und volkswirtschaftlich kostenträchtig und kann zudem die weitere Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 deutlich hemmen beziehungsweise Unternehmen im Wettbewerb stark benachteiligen", lautet das zentrale Ergebnis des aktuellen Ibi Research-Reports "Finanzierungsmodelle im Kontext der Thematik Industrie 4.0".

Wie das Analysehaus an der Universität Regensburg in seiner Befragung von insgesamt 90 Finance-Experten aus dem Mittelstand, von Finanzdienstleistern und Beratungsunternehmen sowie aus der Forschung herausfand, spielen die Themen Industrie 4.0, die Integration neuer Geschäftsmodelle sowie fehlende Lösungen seitens der Finanzdienstleistung in den Organisationen eine große Rolle.

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Neue Player erobern den Finanzierungsmarkt

Aktuell gebe es kaum innovative Finanzierungslösungen für Firmenkunden, lautet die Kritik der Befragten. Die Umfrage zeigt zudem, dass sich das Angebot der Banken und anderer Finanzdienstleister in den vergangenen fünf Jahren nicht wesentlich verändert hat und Unternehmen derzeit kaum Unterstützung erhielten, wenn sie Kapital für ihre Industrie-4.0-Strategie brauchen. Sie benötigen laut der Befragungsteilnehmer künftig verstärkt Banking-as-a-Service-Lösungen.  

In Bezug auf die Nicht-Banken-Konkurrenz zeigt die Analyse zudem, dass künftig vor allem Fintechs und GAFAs (Google, Apple, Facebook und Amazon) "eine nicht zu unterschätzende Rolle im Bereich der Unternehmensfinanzierung einnehmen werden". Die Befragten gehen zwar nicht davon aus, dass die neuen Dienstleister traditionelle Kreditinstitute künftig komplett ersetzen, aber dennoch sehr präsent sein werden.

So decken laut der Springer-Autoren Nick Dimler, Boris Karcher und Joachim Peter die Angebote von Fintechs für Firmenkunden heute bereits die gesamte Unternehmensbilanz ab. "Zur Optimierung der Aktivseite gibt es zum Beispiel Fintech-Lösungen im Bereich Working Capital, Liquiditätssteuerung, Factoring und Investment. Für die Passivseite gibt es zahlreiche Angebote zur Vermittlung und Beschaffung von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital", schreiben sie im Buchkapitel "Trends in der Mittelstandsfinanzierung" auf Seite 9. Der Einsatz innovativer Finanzdienstleistungen von Fintechs könne gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zum Teil wichtige Vorteile generieren, so die Autoren. Denn viele Fintechs konzentrierten sich auf Dienstleistungen, die besonders auf KMU zugeschnitten sind.

Institute müssen sich vor De-Banking schützen

Etablierten Finanzdienstleistern rät Ibi Research daher, sich der wandelnde Konkurrenzsituation im Bereich der Industrie-4.0-Finanzierungen stärker bewusst zu werden. Die Digitalisierung gerade in der mittelständischen Produktion fordere nicht nur die Anpassung des Produktportfolios beziehungsweise des Geschäftsmodells, sondern auch bisherige Vertriebsstrategien auf Seiten der Kreditinstitute zu überdenken, meinen die Analysten. Die Befragungsteilnehmer wünschen sich zum Beispiel den Aufbau eigener Finanzierungsplattformen sowie die Kooperation mit Fintechs und GAFAs als Handlungsoptionen.

"Die Entfremdung der Firmenkunden von traditionellen Kreditinstituten wird als Trend des De-Banking bezeichnet", beschreiben Marcus Waidelich und Doris Schmidt im Buchkapitel "Zukünftige Entwicklungen im Bankenwesen" (Seite 71) die Lage der Banken. Diese Entwicklung scheint nun bei den Entscheidern der Geldhäuser angekommen zu sein. "Alle in Deutschland ansässigen großen Kreditbanken deklarieren den Mittelstand als die vorrangig zu adressierende Zielkundengruppe im gewerblichen Geschäft", sagen die Springer-Autoren. Noch vor Jahren habe sich die Definition von Mittelstand bei den Kreditbanken und den Sparkassen unterschieden. Doch heute finde "eine deutliche Überschneidung mit den sogenannten Großbanken, die zunehmend den interessanten Mittelstand auch für sich entdecken" statt, meint das Autoren-Duo.

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