Kreditvergabe stockt trotz besseren Zinsumfelds
- 27.10.2025
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Das Kreditneugeschäft bleibt mau. Strenge Vergabekriterien und Konjunktursorgen bremsen den Kapitalbedarf. Hoffnungen ruhen auf dem Fiskalpaket.
Die durchschnittlichen Kreditkosten beziehen sich auf die effektive Verzinsung unterschiedlicher Laufzeiten in Prozent für nicht-finanzielle Unternehmen.
KfW Reserach / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Die Banken zeigen sich bei der Kreditvergabe an Unternehmen zurückhaltend. Laut dem aktuellen "KfW-Kreditmarktausblick Oktober 2025" ist das Neugeschäft im zweiten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich um 0,8 Prozent gewachsen. Im ersten Jahresviertel lag das Plus noch bei 2,9 Prozent. Inflationsbereinigt ermittelten die Volkswirte sogar einen Rückgang.
US-Zollpolitik und Konjunktur bremsen Investitionen
Die schwache Konjunktur und die Belastungen durch Trumps Importzölle hemmen die Investitionsausgaben der Wirtschaft, die nur marginal um 0,3 Prozent zulegten. Hinzu kommen strenge Kreditvorgaben der Banken, heißt es zur Begründung. "Dass das Kreditgeschäft nicht stärker zurückging, ist den niedrigen Kreditzinsen zu verdanken", so die Ökonomen.
Zinssenkungen und Fiskalpaket als Stimulanzen
Allerdings gibt es auch Faktoren, die kurz- und mittelfristig die Kreditvergabe stimulieren könnten. Hierzu gehören die Zinsen die seit Jahresbeginn um rund einen Prozentpunkt auf 3,5 Prozent gesunken sind. "In Anbetracht der gesunkenen Refinanzierungskosten der Banken könnten die Kreditzinsen noch geringfügig weiter fallen, auch wenn das Ende der EZB-Leitzinszinssenkungen bereits erreicht sein dürfte", mutmaßen die KfW-Experten.
Noch löse dieser Rückgang keine gesteigerte Kreditnachfrage aus, könne aber in den kommenden Monaten für eine leichte Belebung sorgen. Voraussetzung seien allerdings stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Hierzu können das Zollabkommen zwischen der EU und den USA sowie die seit Juli geltenden Abschreibungsregeln für Unternehmensinvestitionen mit einer zeitlichen Befristung bis Ende 2027 beitragen, die zeitnahe Investitionen fördern.
Konjunkturelle Aufhellung im vierten Quartal möglich
Wir rechnen außerdem mit einer konjunkturellen Aufhellung im vierten Quartal durch das Fiskalpaket. Die Umsetzung der geplanten Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben könnte die Zuversicht der Unternehmen in ein nachhaltig höheres Wachstum stärken und damit eine positive Wirkung auf das Investitionsklima haben", prognostizieren die KfW-Volkswirte.
Dennoch lassen die Institute bei ihrer Vergabepolitik Vorsicht walten und belassen die Kredithürde hoch. Das belastet vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Für das dritte Quartal rechnet KfW Research daher nur mit einem moderaten Zuwachs im Neugeschäft.
Aufschwungshoffnung noch zu schwach
Auch das Vertrauen der Unternehmen in einen Konjunkturaufschwung scheint bislang nicht tragfähig genug, um einen nachhaltigen Aufschwung des Kreditinteresses herbeizuführen. "Auf dem Fiskalpaket der Bundesregierung ruhen berechtigte Hoffnungen auf eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage", heißt es in der "KfW-Ifo-Kredithürde" für das dritte Quartal.
Von Juli bis September hat sich der Anteil der KMU, die Kreditgespräche mit Banken führten, um 1,4 Prozentpunkte auf 19,5 Prozent verringert. Das ist der schwächste Wert seit dem Schlussquartal von 2023. Auch von den Großunternehmen gaben nach dem Zwischenhoch im Vorquartal nur noch weit unterdurchschnittliche 27,2 Prozent an, sich um ein Bankdarlehen bemüht zu haben. Das ist ein Minus von 3,1 Prozent - trotz der geldpolitischen Lockerungen.
KMU von hohen Kredithürden betroffen
Fast ein Drittel (33,9 Prozent) der im Rahmen der monatlichen Ifo-Konjunkturumfragen beleuchteten rund 7.500 Mittelständler klagt über eine zu strikte Vergabepolitik der Banken. Bei den Großbetrieben sind es 20,4 Prozent.
Besonders hart trifft es KMU aus dem Einzelhandel, die im Herbstquartal am stärksten von hohen Kreditstandards betroffen waren. Von ihnen berichteten nahezu 50 Prozent von Schwierigkeiten in den Kreditgesprächen. Die Volkswirte sehen in Risikoüberlegungen den Grund für die strenge Richtlinienausrichtung.
Mehr faule Kredite im Mittelstand
Die Quote notleidender Kredite für KMU sei den Experten zufolge im zweiten Quartal deutlich auf über vier Prozent angestiegen. Zwar sei der Aufwärtstrend bei Unternehmensinsolvenzen abgebremst, halte aber weiter an. "Mehr Entspannung beim Kreditzugang dürfte daher erst eintreten, wenn sich der erwartete Konjunkturaufschwung zu realisieren beginnt", so KfW Research.