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"Analyse-Tools machen Warenlager für Banken attraktiver"

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Interviewt wurde:
Dirk Piethe

ist Gründer und Geschäftsführer von Labest, einem Software-Unternehmen im Bereich Einkaufs- und Bestandfinanzierung. 

Lagerbestände von Unternehmen sind wie bare Münze. Doch sie zu bewerten, ist für Banken eine komplexe Aufgabe. IT-Experte Dirk Piethe erklärt im Interview, wie passende Tools den Instituten helfen können. 

Springer Professional: Vor allem der Mittelstand könnte das im Warenlager eingesetzte Kapital besser nutzen – etwa als Absicherung einer Kreditlinie. Was macht im Detail die Beurteilung von Lagerbeständen für Banken derzeit so schwierig? Haben Sie ein praktisches Beispiel?

Dirk Piethe: Insbesondere der weltweite Online-Handel im B2C- und B2B-Markt wächst Jahr für Jahr sehr dynamisch und das mindestens zweistellig. Marktplätze und Preise werden für den Konsumenten immer transparenter und verändern sich täglich. Zusätzlich variieren die Warensortimente auch noch saisonal. Nehmen Sie ein reales Online-Handelsunternehmen mit bis zu 5.000 Artikeln im Sortiment aus Bereichen von Consumer-Electronics zu Lifestyle, Health, Kitchen und Fitness. Üblicherweise bekommt die Bank die Lagerbestandsinformationen eines solchen Kunden mithilfe von Excel-Tabellen. Dieser analoge Austausch kann bis zu drei Monate Verzögerung bedeuten. In der Regel nimmt die Bank das umfangreiche Warenlager außerdem einmal im Jahr physisch durch stichprobenartige Prüfungen am Lagerort auf. Ob die eventuell vorgefundenen 5.000 unterschiedlichen Artikel überhaupt noch die vorhandene Marktakzeptanz und ein stabiles Preisniveau seit der letzten Prüfung vor einem Jahr haben, bleibt oft unberücksichtigt und gestaltet sich allein aufgrund der großen Mengen schwierig. 

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Digitalisierung – Herausforderungen der Bankenbranche

Digitalisierung kann als inflationär verwendeter Begriff wahrgenommen werden und wird daher differenziert interpretiert. Er wird unter anderem dann verwendet, wenn der technologische Fortschritt dazu führt, dass analoges Prozessverhalten abgelöst wird und dadurch eine Veränderung in mehrdimensionaler Hinsicht entsteht.

Wo gibt es sonst noch Probleme? 

Auch die tatsächliche Umschlagshäufigkeit der einzelnen Artikel ist schwer festzustellen. Ladenhüter werden seitens der Bank nicht erkannt. Eine echte technische Synchronisation zwischen dem Warenwirtschaftssystem des Kunden, den ständig wechselnden Marktpreisen und den Analysemöglichkeiten daraus fehlen in den heutigen Prüfungsprozessen gänzlich. Das ist auch der Grund, weshalb die Lagerbestandsfinanzierung in den letzten Jahren an Attraktivität eingebüßt hat.

Welche technischen Lösungen können Banken nutzen, um sicherer und vor allem schnellere Bewertungen vornehmen zu können?

Für eine schnellere Bewertung sind verschiedene Aspekte relevant: Einerseits sollte die Bank jederzeit in der Lage sein, Echtzeit-Einsicht in das Lager des Kunden zu erhalten. Andererseits hilft eine Synchronisation mit tagesaktuellen Marktwerten bei der Bewertung. So kann die Bank den Lagerbestand ohne Risiko als Sicherheit bei der Kreditvergabe nutzen. Dafür sorgt eine technische Schnittstelle, die eine direkte Verbindung zwischen der Finanzierung und den hierfür zur Sicherheit bereitgestellten Lagerbeständen mit umfangreichen Analyse- und Auswertungsmöglichkeiten herstellt.

Wie sieht dieser Prozess im Alltag der Bankmitarbeiter aus?

Der Bankmitarbeiter erhält in den vereinbarten Zeiträumen rückwirkend sogenannte Warenbestandslisten, die den zurückliegenden Warenbestand zu einem Stichtag ausweisen. In der Regel vergleicht der Bankmitarbeiter manuell die Summe aller Warenwerte auf Basis eines historischen Einkaufspreises mit den Anforderungen zur Besicherung aus dem vereinbarten Kreditvertrag. Eventuell werden ersichtliche Bestandsveränderungen zum letzten Prüfungsstichtag mit den vom Unternehmen bereitgestellten historischen Umsatzzahlen plausibilisiert. Dabei handelt es sich um einen ausschließlich analogen, sehr aufwändigen und auch ungenauen Prozess mit nur bedingt aussagekräftigem Ergebnis. Durch die passende Schnittstelle kann sich die Bank dagegen jederzeit per Knopfdruck einen Report aus dem System ziehen.

Welches sind aktuell die größten technischen Hürden und Bedenken bei den Instituten?

Banken argumentieren sehr schnell mit technischen Bedenken, wenn Dienstleister ihnen einen neuen Service anbieten. Das ist auch verständlich, da es um hochsensible Daten geht und jede Anbindung Risiken birgt. Diese spielen zum Beispiel bei unserem Service keine Rolle, weil unsere cloudbasierte Technik vollkommen autonom läuft und keine Anbindung an die Banksysteme braucht. Die eigentliche Hürde ist also, dass Banken viel zu zögerlich sind, bestehende Geschäftsmodelle und Prozesse zu verändern. Sie verpassen oft die Gelegenheit die Digitalisierung auch als Chance für den Vertrieb zu sehen und damit Ihren Unternehmenskunden echte Mehrwerte anzubieten. Die Bankkunden spüren den Marktdruck der Digitalisierung im täglichen Geschäft und testen alternative Finanzierungsformen, die Banken aufgrund einer gewissen Trägheit nicht anbieten. Das trifft nicht auf alle Häuser zu. Es gibt mehrere kleinere Banken, die den Kulturwandel verstanden haben und auch aus dem europäischen Ausland zukunftsweisende Angebote für den deutschen Unternehmenskunden schaffen.

Haben diese Lösungen für die Unternehmen weitere Vorteile?

Der Einsatz solcher Lösungen schafft nicht nur für Banken Kosten- und Analysevorteile. Der Unternehmenskunde selbst nutzt die komprimierte und stets aktuelle Information aus seinem Warenbestand, die jeweils aktuellen Marktpreisbewertungen und die direkte tägliche Entwicklung seiner hierfür bereitgestellten Finanzierung. Der Unternehmenskunde hat somit ein zusätzliches Kontroll- und Analyseinstrument und wird hinsichtlich seiner Verpflichtungen zur Bereitstellung von regelmäßigen Informationen durch Nutzung des Tools erheblich entlastet. Er kann sein Warenlager als Finanzierungsquelle nutzen und mit dieser zusätzlichen Liquidität Einkaufsvorteile nutzen.

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