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30.09.2020 | Unternehmenskultur | Interview | Onlineartikel

"Unternehmenskultur entsteht durch aktives Handeln"

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer

Führungskräfte unterschätzen, wie wichtig die Unternehmenskultur ist, so Josef Herget. Im Interview spricht der Experte darüber, wie die Corporate Culture als Management-Instrument genutzt und gezielt gestaltet werden kann – gerade jetzt in der Corona-Krise.

Springer Professional: Sie sind überzeugt, Unternehmenskultur ist ein wichtiges Instrument des Unternehmenserfolgs. Warum ist das so?

Josef Herget: Diesen Befund belegen Ergebnisse empirischer Studien. Insofern können wir von gesicherten Erkenntnissen sprechen. Güte und Qualität der Unternehmenskultur sind maßgeblich für den Unternehmenserfolg. Ebenso untermauert die Praxis sowie zahlreiche Fallstudien diese Feststellung. Der Grund ist gut nachvollziehbar. Die herrschende Unternehmenskultur bestimmt den Möglichkeitsraum einer Firma: was wird gefördert oder was behindert. Die Arbeit an der Unternehmenskultur ist daher das wichtigste Instrumente überhaupt, um Organisationen nachhaltig erfolgreich am Markt zu etablieren. Aber eines ist besonders wichtig: Die Vorbildfunktion der Führungskräfte. Der Inhaber, Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzende prägt nachhaltig das Unternehmen – im Positiven wie im Negativen. Unternehmenskultur kann aber gestaltet werden – und das durchaus schnell und effektiv.

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Wie sollten Führungskräfte Unternehmenskultur als Management-Instrument nutzen?

Ein Perspektivenwechsel ist wichtig. Die Unternehmenskultur ist nicht das bloße Resultat von Unternehmenswerten und betrieblichem Verhalten, sondern entsteht durch aktives Handeln. Dieses Handeln bestimmen Führungskräfte. Das ist ein neuer Blick auf Unternehmenskultur: Diese lässt sich gestalten und das sogar strategisch und systematisch. Ich ein Modell entwickelt, das die Betrachtung und Beeinflussung der Unternehmenskultur auf drei Ebenen ausdifferenziert: eine strategische Ebene, eine operative und eine punktuelle. So kommt etwa sogenannten Culture Hacks, Repräsentanten der letztgenannten Ebene, als integraler Bestandteil der Kulturveränderung eine ganz wichtige Bedeutung zu. Sowohl das hier entwickelte Architekturmodell als auch das Konzept der Culture Hacks sind als neue Modelle und Perspektiven für die Arbeit an der Unternehmenskultur zu betrachten. Sie sind pragmatisch konzipiert und können leicht in den betrieblichen Alltag übertragen werden.

Aktuell befinden sich Unternehmen im Umbruch. Durch Corona wurden Mitarbeiter ins Homeoffice katapultiert und virtuelle Teams lösen Face-to-Kommunikation ab. Welche Konsequenzen hat das für die Unternehmenskultur?

Das führt zu gewaltigen Herausforderungen, auch, weil dies ungeplant auf die Unternehmen und ihre Führungskräfte einbrach. Es gilt, generische Kulturfaktoren gezielt virtuell zu fördern. Etwa das Zugehörigkeitsgefühl, die Identifikation oder Identität und das persönliche Wachstum durch neue und digital adäquate Maßnahmen. Denn die Schärfung dieser Kulturfaktoren erfolgt in der Regel im persönlichen, analogen Miteinander. Ebenso müssen für ein Unternehmen wichtige Kulturfaktoren, neu beleuchtet werden. Wenn  Innovation wichtig ist, müssen digitale Tools zur Kollaboration eingesetzt werden. Auch hier empfehle ich ein systematisches und nicht ein anekdotisches Vorgehen.

Viele Unternehmen wollen Kosten sparen und Teams dauerhaft ins Homeoffice schicken. Dadurch ändern sich auch Bürokonzepte. Wie sollten Unternehmen diesen Wandel in Hinblick auf die Unternehmenskultur gestalten?

Homeoffice sollte eine Win-Win-Situation sein. Nicht nur mögliche Kosteneinsparungen, sondern auch Vorteile für die Mitarbeiter, sollten im Vordergrund stehen wie beispielsweise mehr Autonomie oder weniger unproduktiven Wegezeiten. Auch hier empfehle ich eine systematische Bestandsaufnahme und eine gezielte Stärkung der wichtigen Kulturfaktoren. 

Welche Kulturfaktoren meinen Sie?

Eine starke Kundenorientierung wird für viele Unternehmen weiterhin wichtig sein. Hier gilt es, Konzepte zu entwickeln, wie diese auch aus dem Homeoffice erzielt werden kann. Dabei kommt der Backoffice-Kommunikation eine große Bedeutung zu. Insgesamt liegt die Herausforderung darin, die Zusammenarbeit zu stärken. Kulturfaktoren wie Vertrauen, Verbindlichkeit, Offenheit und Transparenz werden wichtiger und neue Tools müssen diese unterstützen. Aber auch das Mindset braucht Anpassung. Auch hier empfehle ich einen strategischen Rahmen, um nicht zufällig oder beliebig zu werden. Wie unsere Studien zeigen, sollte man eines nicht vernachlässigen: Der kritische Faktor sind die Sandwich-Manager. Gerade die Teamleiter benötigen Weiterqualifizierung. Denn Führen über Distanz ist meist neu für sie und die Unsicherheit ist hoch.

Welches sind die künftigen Herausforderungen an die Unternehmenskultur?

Da gibt es natürlich zahlreiche Entwicklungen, auf die entsprechend reagiert werden muss. Ein paar Stichworte: Generation Z und ihre Ansprüche in Kombination mit den anderen gleichzeitigen Generationen, die Rolle von Robotern und Künstlicher Intelligenz als neuen Kollegen, die zunehmende Führung über Distanz und die Kollaboration in virtuellen Teams. Das sind einige wenige Stichworte. Diese Entwicklungen rufen nach einer entsprechenden Unternehmenskultur. Eines ist jedenfalls sicher: Die Bedeutung der Unternehmenskultur wird in der Zukunft noch weiter zunehmen.

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