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18.05.2016 | Unternehmenskultur | Im Fokus | Onlineartikel

Mitbestimmung ist ein Must-have

Autor:
Andrea Amerland

Zuviel Demokratie schadet nie – so sehen die meisten Mitarbeiter das Thema betriebliche Mitbestimmung. Doch Arbeitgeber spielen nur solange mit, bis ihre Verfügungsrechte nicht bedroht sind. Das bietet Konfliktpotenzial. 

Das Wort Mitbestimmung hat bei Mitarbeitern einen sehr guten Klang. Das hat die arbeitgebernahe Hans-Böckler-Stiftung in einer telefonischen Befragung von 1.904 Erwerbstätigen herausgefunden. Die große Mehrheit (65 Prozent) der Befragten findet, dass Arbeitnehmer ebenso viel Einfluss haben sollten wie Arbeitgeber.

In der Studie unter Federführung von Werner Nienhüser von der Universität Duisburg-Essen wurden auch die Assoziationen zu bestimmten Schlüsselbegriffen abgefragt. Beim Stichwort 'Mitbestimmung' lag der Anteil positiver Verknüpfungen bei rund 67 Prozent. Beim Begriff 'Betriebsrat' gab es sogar knapp 69 Prozent positive Nennungen.

Auch auf Arbeitgeberseite sind Äußerungen zur Mitbestimmung und zum Betriebsrat vorwiegend positiv. Doch diese grundsätzlich aufgeschlossene Haltung hat ihre Grenzen, urteilen die Wissenschaftler. Denn Unternehmen arrangieren sich mit der Mitbestimmung zwar durchaus – sofern ihre Handlungsspielräume nicht zu sehr eingeschränkt werden.  

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Was denken junge Menschen über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer? Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage

Die Institution der Arbeitnehmer-Mitbestimmung bildet ein konstitutives Element des deutschen Modells der Arbeitsbeziehungen (Bosch 2014). Institutionen können erodieren, sie können an Unterstützung verlieren. Daher sind die Einstellungen zur Mitbestimmung von Bedeutung, denn von ihnen hängt die Stärke des Engagements für diese Institution ab.


Mitbestimmung hat viele Vorteile

Die Mitbestimmung in Unternehmen und Betrieb ist allerdings kein rechtsfreier Raum. So richtet sich die Intensität der Partizipation in Deutschand nach der Organisationsform. Am intensivsten ist die Arbeitgeberbeteiligung in Montanunternehmen (Bergbau), am schwächsten in kleineren Kapitalgesellschaften. Diese Unterschiede sind historisch gewachsen. 

Doch von einem Standortnachteil durch die Mitbestimmung kann nicht die Rede sein, schreibt Ulrich Goldschmidt im Buchkapitel "Mitbestimmung als Teil der Unternehmenskultur und des unternehmerischen Erfolgs" auf Seite 259. Im Gegenteil: "Bei einem partnerschaftlichen Umgang miteinander und einer Mitbestimmung als selbstverständlichem Teil der Unternehmenskultur wird diese Arbeit zu einem Standortvorteil", betont der Springer-Autor. Diese Vorteile sind:

  • Betriebsrat und Sprecherausschuss fungieren als Co-Management des Arbeitgebers
  • Verbesserung von Entscheidungsprozessen
  • Verbesserte Kommunikation, mehr Akzeptanz bei Veränderungsprozessen
  • Arbeitserleichterung
  • Vermittlung in Konfliktfällen
  • Harmonisierung von Abstimmungsprozessen bei Mandatsbesetzungen im Aufsichtsrat
  • Durch Verantwortung und Zusammenarbeit der Gremien entstehen Arbeitsbeziehungen, die auf Fairness und Vertrauen basieren und auf die gesamte Unternehmenskultur einzahlen

Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Goldschmidts Fazit: Eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretungen unterstützt das strategische wie operative Management des Unternehmens, stärkt die Mitwirkung der Arbeitnehmer und ihrer Vertretungen in Veränderungsprozessen und im betrieblichen Tagesgeschäft, erhöht die Verantwortung und Bedeutung von Betriebsrat und Sprecherausschuss und schafft damit Vorteile für alle Beteiligten.

Auch die Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen ziehen in der Zusammenfassung ihrer Studie eine positive Bilanz. Dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer Partizipation als gut bewerten, "bietet Chancen für eine Stabilisierung und für ein stärkeres Engagement für Initiativen einer Ausweitung der Mitbestimmung." 

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