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27.04.2020 | Unternehmensorganisation | Im Fokus | Onlineartikel

Homeoffice besteht Bewährungsprobe

Autor:
Annette Speck
4:30 Min. Lesedauer

Obwohl viele deutsche Arbeitnehmer vor der Corona-Krise keine Erfahrung mit dem Arbeitsmodell Homeoffice hatten, läuft der Adhoc-Feldversuch gut. Das ermutigt zu mehr Remote Work in Zukunft und erfordert gleichzeitig neue Führungskompetenzen.
 

Nachdem im März landauf landab die Devise Homeoffice ausgegeben wurde, um das Ansteckungsrisiko mit dem Covid-19-Virus zu minimieren, ist nicht nur die Nutzung, sondern auch die Akzeptanz der Arbeit im Homeoffice deutlich gestiegen. Aktuelle Erhebungen aus den ersten Corona-Wochen belegen dies. Darüber hinaus beleuchten sie, wie Beschäftigte ihre häusliche Arbeitssituation einschätzen und welche Chancen dies für Unternehmen bietet.

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Nur jeder Fünfte unzufrieden im Homeoffice

So ergab eine repräsentative Befragung von 1.595 berufstätigen Internetnutzenden vom 27. bis 29. März durch das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt), dass derzeit 43 Prozent der Befragten in Deutschland mindestens ab und zu im Homeoffice arbeiten. Vor der Krise waren es nur 35 Prozent. Zudem ist die Nutzungsintensität erheblich gestiegen. Während vor der Corona-Pandemie knapp ein Viertel der Befragten mindestens einmal wöchentlich von zuhause arbeitete, sind derzeit rund 39 Prozent mindestens mehrmals pro Woche im Homeoffice tätig. Die große Mehrheit der daheim Arbeitenden ist mit ihrer aktuellen Situation im Homeoffice offenbar zufrieden, nämlich 83 Prozent der Homeoffice-Erfahrenen und 75 Prozent der Homeoffice-Neulinge. Unzufrieden sind im Schnitt nur rund 19 Prozent der Homeoffice-Nutzenden.

Arbeitgeber waren gut auf Remote vorbereitet

Desweiteren zeigen die Ergebnisse, dass die Akzeptanz von Homeoffice mit dessen Nutzung gestiegen ist: Rund ein Drittel der Befragten, die während der Corona-Krise das Homeoffice nutzen, beurteilen diese Arbeitsoption jetzt besser als früher. Lediglich sechs Prozent sagten, ihre Einschätzung habe sich verschlechtert. Darüber hinaus bescheinigt eine klare Mehrheit von 71 Prozent der Befragten ihren Arbeitgebern, dass sie gut auf die Einführung beziehungsweise Ausweitung von Homeoffice vorbereitet waren.

Für Unternehmen dürfte außerdem dies von Interesse sein: 68 Prozent der Beschäftigten wünschen sich laut der bidt-Umfrage auch nach der Corona-Krise mehr Homeoffice. "Wirtschaft und öffentliche Arbeitgeber sollten sich darauf einstellen, diese Bereitschaft positiv aufzugreifen. Zur früher wohl intensiv gepflegten Präsenzkultur sollten wir nicht wieder zurückkehren“, rät Dietmar Harhoff vom bidt-Direktorium/Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, der auch Mitautor der Studie ist.

Arbeitnehmer auch im Homeoffice produktiv

In die gleiche Richtung weisen die ersten Ergebnisse einer 14-tägigen Befragungsreihe der Universität Konstanz zum Arbeitsverhalten im Homeoffice, die am 30. März startete. In der Eingangsbefragung gaben zwei Drittel der 699 befragten, in dieser Zeit von zuhause aus arbeitenden Erwerbstätigen an, mit ihrer heimischen Arbeitssituation und den dort vorhandenen Ressourcen zufrieden zu sein. Knapp die Hälfte hält sich im Homeoffice für sehr produktiv und für gut Dreiviertel erleichtert die Telearbeit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein Drittel der Befragten fühlt sich allerdings im Heimbüro sozial isoliert.

Umso wichtiger sind die Kanäle, über die mit Kollegen und Vorgesetzten kommuniziert werden kann. Der Befragung zufolge liegen hier die bewährten Wege E-Mail (90 Prozent) und Telefon (71 Prozent) klar vorn. Chats werden nur von der Hälfte der Befragten regelmäßig genutzt und Video-Tools sogar nur von gut einem Viertel. Insbesondere letzteres hat die Forscher erstaunt und wirft die Frage nach den Gründen für die Zurückhaltung auf. Dies könnten etwa technische Hindernisse, kein Bedarf an Video-Meetings oder auch der Schutz der Privatsphäre sowie der Datenschutz sein.

Führungskräfte brauchen für Remote-Teams Soft Skills

Führungskräfte sollten sich in jedem Fall für diese Beweggründe und die Befindlichkeiten ihrer Untergebenen interessieren. Denn gerade bei der dezentralen Arbeit im Homeoffice kommt es auf Kommunikation und Austausch an. Nur so lassen sich emotionale Gesundheit und Engagement der Mitarbeiter sicherstellen und fördern. "Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass für das Engagement der Beschäftigten das Verhalten der Vorgesetzten besonders wichtig ist“, sagt auch Sophia Zimmermann vom Forschungsteam der Uni Konstanz.

Grundsätzlich seien die Anforderungen an Führungskräfte für Remote-Teams höher als bei der Führung von Mitarbeitenden vor Ort, betonen Peter Hügelmeyer und Anne Glöggler in ihrem Beitrag über "integre Techniken der Mitarbeiter- und Unternehmensführung". Aber "der Nutzen von virtueller Führung für ein Unternehmen kann enorm sein", schreiben die Springer-Autoren auf Seite 133. Wer remote führen könne, sei auch fit in der Führung von Teams vor Ort. Hinzu kämen Vorteile wie geringere Reisezeiten und -kosten, eine höhere Kommunikationsgeschwindigkeit sowie die Möglichkeit der Rekrutierung selbständig im Homeoffice arbeitender Mitarbeiter.

Anforderungen an Führungskräfte von Remote-Teams

Sicherheit in der Anwendung von Standard-Führungstechniken

Fähigkeit, klar zu unterscheiden, welche Techniken in der Remote Situation angemessen und zielführend sind

Hohe Teamfähigkeit sowie führen können (und wollen) in einer Matrixsituation

Fähigkeit zum Führen mit eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten

Vertrauen schaffen und geben können

Sehr gute Moderationsfähigkeiten mit häufigen Feedbackrunden

Sehr gutes und sensibles Zuhören

Akzeptanz der Trennung von Arbeit und Freizeit bei den Mitarbeitenden

Ggf. interkulturelle Fähigkeiten

Sicherer Umgang mit den technischen Hilfsmitteln (z.B. Videokonferenzen etc.)

Intensive Einarbeitung von Mitarbeitenden und klares Erwartungsmanagement

Quelle: Integre Techniken der Mitarbeiter- und Unternehmensführung, Peter Hügelmeyer, Anne Glöggler, Seite 133

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