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06.07.2016 | Unternehmensprozesse | Schwerpunkt | Online-Artikel

Wie Sie aus dem Scheitern das Beste machen

verfasst von: Prof. Dr. Sebastian Kunert

3:30 Min. Lesedauer

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Scheitern lässt sich nicht vermeiden. Aber Unternehmen können aus Fehlern lernen. Erfolgreiches Failure Management in Organisationen hängt vor allem von dieser Erkenntnis ab, so Springer-Autor Sebastian Kunert in einem Gastbeitrag.

In Organisationen ist scheitern normal. Einschlägige Studien zeigen, wie sehr das Verfehlen gesteckter Ziele zum Alltag gehört. So bringen etwa Firmenzusammenschlüsse in weniger als der Hälfte aller Fälle die gewünschten Ergebnisse. Knapp 85 Prozent aller technischen Neuentwicklungen erlangen nie die Marktreife. Laut des CHAOS Reports der Beratungsgesellschaft Standish Group erreichen nur 40 Prozent aller IT-Entwicklungsprojekte die gesteckten Ziele. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Wiederkehrend tauchen in meta-analytischen Studien die vier Faktoren ungenaue Ziele, Schlechte Kommunikation, mangelndes Commitment sowie ausufernde Komplexität auf. 

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Scheitern als Standpunkt

Seit jeher ist es der Begriff 'Scheitern' stigmatisiert. Dabei ist Scheitern – wie auch Erfolg – stets eine nachträgliche Beurteilung. Ändert man die Bewertungsmaßstäbe, ergibt sich mitunter ein ganz anderes Bild. Bei Ausschreibungen ist das Scheitern der Bewerber ein wiederkehrendes, unumgängliches Ereignis, das wie im Leistungssport sehenden Auges für die geringe Chance auf einen Sieg in Kauf genommen wird. In der Personal- und Organisationsentwicklung ist absolutes Scheitern dagegen gar nicht vorstellbar.

Da es sich hier um einen sogenannten ko-kreativen Prozess handelt, dessen Ergebnis durch die Zusammenarbeit von Berater, Coach, Trainer und Klient zustande kommt, geht der Prozess niemals spurlos an den Beteiligten vorbei. Zu einer Veränderung wird es in jedem Fall kommen. Deren langfristiger Erfolg hängt von vielen weiteren Faktoren ab und lässt sich zum Ende einer Entwicklungsmaßnahme noch gar nicht abschätzen.

Fehlschläge als Lerngelegenheit

Um das Scheitern in Organisationen zu im Rahmen zu halten beziehungsweise dessen Folgen kontrollieren zu können, haben sich verschiedenste Formen des Umgangs damit etabliert. Hierzu gehören unter anderem:

  • das Qualitätsmanagement zur Sicherung von Kundenanforderungen,
  • das Change Management zum Gestalten organisationaler Veränderungen,
  • das Wissensmanagement,
  • das Innovationsmanagement, 
  • das Projektmanagements als eine der ältesten Versuche, eine Firma vor dem Versagen zu bewahren.

Wenn Organisationen etwas Neues, Innovatives entwickeln wollen, verfügen sie zumeist weder über das Wissen noch die Kompetenz, dies im Rahmen ihres Regelgeschäft zu realisieren. Zudem droht im Falle eines Fehlschlags, das gesamte System in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Projektarbeit als Mittel der Wahl

Um dem zu begegnen, wird zeitlich befristet eine kleine Schwester-Organisation ins Leben gerufen, ausgestattet mit einem eigenen Budget, eigenen Mitarbeitern, eigenen Strukturen und eigenen Prozessen, um ein spezifisches Ziel zu erreichen. Durch das Gründen eines Projekts lassen sich Neuentwicklungen kontrolliert durchführen, ohne das Scheitern fürchten zu müssen. Dadurch lässt sich deutlich freier agieren, gewagtere Ansätze ausprobieren und weiter in unbekannte Gefilde vorzudringen.

Mit einfachen Maßnahmen aus dem Feld des Wissensmanagements lässt sich ebenfalls viel erreichen. Werden missglückte Vorhaben systematisch evaluiert, Fehlschläge in Teamsitzungen angesprochen oder Erfahrungen aus erfolglosen Ansätzen zu Empfehlungen umgewandelt, ist schon einiges gewonnen.

Gerade kleinere Fehler in Bereichen, in denen bereits Erfahrungen im Umgang mit dem Scheitern bestehen, eignen sich bestens, um die Mechanismen hinter dem Versagen zu analysieren und ein Risikobewusstsein in der Belegschaft zu erzeugen. Auf diese Weise verliert das Scheitern seine existenzbedrohende Bedeutung und wird zu einem wichtigen Baustein in der erfolgreichen Entwicklung eines Unternehmens.

Schiffbruch erleiden als Strategie

Aber mitunter kann Scheitern sogar gewollt sein. In der Entwicklung neuer, innovativer Verfahrenstechniken werden deren Grenzen solange ausgereizt, bis das Produkt nicht mehr funktionstüchtig ist. In der Bedienung von Maschinen lassen Sicherheitsbarrieren in technischen Anlagen gefährliche Handlungen und deren unmittelbare Folgen fehlschlagen, bevor sie ihre Schadwirkung entfalten.

Zur Führungskräfteentwicklung vertraut man potentiellen Kandidaten kleinere Projekte an, um ihre Managementeigenschaften unter realen Bedingungen zu testen und für sich selbst als auch für das Unternehmen Erkenntnisse für die weiteren Karriereschritte zu gewinnen. In all diesen Fällen ist durch das kontrollierte Scheitern in kleinerem Rahmen ein größeres Scheitern der Organisation abgewendet.

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