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20.01.2023 | Unternehmensprozesse | Gastbeitrag | Online-Artikel

Das richtige Betriebsmodell mit Archetypen finden

verfasst von: Julia Rietmann, Darian Manuchehr

4:30 Min. Lesedauer
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Die Diskussion um das richtige Betriebsmodell ist nicht neu. Doch die Rahmenbedingungen haben sich für Unternehmen geändert. Manager müssen ihre Organisation daher neu ausrichten. Vier Betriebsmodell-Archetypen bieten dafür Orientierung. 

Viele Jahre war die Diskussion über Betriebsmodelle einfach. Wettbewerbsfähigkeit erforderte Standardisierung, effiziente Prozesse und starke Führung. Doch diese Eigenschaften reichen nicht mehr aus, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Das spiegelt sich in einer aktuellen Accenture-Untersuchung wider: 74 Prozent der Führungskräfte sehen die Notwendigkeit, eigene Prozesse und Abläufe völlig neu zu denken, und 93 Prozent geben sogar an, dass ihr Unternehmen durch Betriebsmodelle, die nicht mit den aktuellen Marktentwicklungen Schritt halten können, gefährdet sind.

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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Organisationsformen

In diesem Kapitel werden folgenden Organisationsformen vorgestellt, die in der Praxis zur Anwendung kommen: funktionale Organisation, Spartenorganisation, Managementholding, Matrixorganisation, Netzwerkorganisation und virtuelle Organisation, Projektorganisation und Teamorganisation.

Manager stehen also unter dem Druck, neue Antworten auf alte Fragen zu finden: Wie gestalten wir unsere Organisation und die Arbeitsprozesse? Gleichzeitig lässt sich eine zunehmende Vielfalt an Betriebsmodellen beobachten wie etwa die agile Organisation, Holacracy, Teal Organization oder Selbstorganisation. Doch was macht diese Betriebsmodelle aus und wie unterscheiden sie sich? Und was gilt es bei der Ausgestaltung eines passenden Betriebsmodells zu berücksichtigen?

Um diese Frage zu beantworten hat Accenture die wichtigsten Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte zu Betriebsmodellen und Fallstudien ausgewertet, kombiniert mit der Erfahrung aus Projekten mit führenden Organisationen. Dabei wurden vier Archetypen von Betriebsmodellen identifiziert, die Unternehmen branchenübergreifend als Orientierung zur Ausrichtung ihrer Organisation dienen.

Machine Organization

Dieses Modell zeichnet sich durch einen hohen Grad an Standardisierung aus und eignet sich für eine Preisführerschaft in einem stabilen Wettbewerbsumfeld. Einzelne Mitarbeiter haben klar definierte, spezialisierte Rollen, die in einem klarem Prozessregelwerk arbeiten und kaum Kommunikation untereinander erfordern. 

Performance Organization

Bei diesem Archetyp wird durch hohe individuelle Leistung dazu beigetragen, die Wettbewerbsposition zu halten. Dafür erhalten vor allem kundennahe Mitarbeiter die Freiheit, in einem klar definierten Rahmen selbstständig und schnell zu agieren. Dies spiegelt sich in der gelebten Kultur wider, die von individueller Höchstleistung und internem Wettbewerb geprägt ist.

Innovation Organization

Der Fokus liegt auf Kreativität und Schnelligkeit, mit der Teams neue Produkte und Lösungen entwickeln. Ein hoher Grad an Dezentralisierung erlaubt es den einzelnen Einheiten schnell und unkompliziert Entscheidungen entlang strategischer Leitlinien zu treffen, während die Mitarbeiter dazu ermutigt werden, neue Lösungsansätze für bestehende und zukünftige Herausforderungen auszuprobieren. Dabei orientieren sie sich sowohl an Prozessen als auch an Werten und Prinzipien. Dieses Organisationsmodell bewährt sich vor allem in einem stark umkämpften Markt mit kurzen Produktlebenszyklen.

Organic Organization

Hier stehen die Mitarbeiter mit ihren individuellen Stärken und Qualifikationen im Mittelpunkt. Sie übernehmen flexible Rollen und organisieren sich bisweilen selbst, um die Unternehmensvision ohne strikte Strategievorgabe umzusetzen. Auf diese Weise können autonome Teams schnell auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren, wobei eine hohe Transparenz innerhalb des Unternehmens den gegenseitigen Vergleich der Teams zulässt und zur Verbesserung motiviert. 

Diese vier grob dargelegten Archetypen simplifizieren die Orientierung auf dem Spektrum möglicher Betriebsmodelle, verhalten sich in ihrer Anwendung jedoch komplexer. Die aktuelle Ist-Situation ebenso wie die empfehlenswerte, zukünftige Konfiguration des Betriebsmodells lässt sich anhand von 15 Dimensionen bestimmen, die je nach Archetyp unterschiedlich ausgestaltet sind, etwa in Hinblick auf Verteilung der Entscheidungsmacht, Prozessharmonisierung oder Rollenstabilität. Dabei werden diese Dimensionen vor dem Hintergrund der Unternehmensstrategie und externen Rahmenbedingungen diskutiert.

Das passende Betriebsmodell konfigurieren

Nachdem sowohl Ausgangsposition als auch Zielvorstellung definiert sind, wird das passende Modell konfiguriert. Hier kann abhängig von Größe, Portfolio und Managementmodell des Unternehmens auch eine hybride Strategie verfolgt werden; beispielsweise können weitestgehend unabhängige Geschäftseinheiten unterschiedlichen Modellen folgen. Dabei sollten die angewandten Modelle möglichst aneinander angrenzen. So lassen sich eine standardisierte Machine Organization und die individualisierte Organic Organization kaum miteinander vereinbaren, wogegen sich die effiziente Performance Organization und die kreative Innovation Organization erheblich besser für eine Co-Existenz eignen.

Heute zeigt ein Blick auf Unternehmen oft, dass in einzelnen Bereichen stark divergierende Betriebsmodelle eingesetzt werden, die keinen einheitlichen Kern und häufig auch keine Konsistenz im Einzelfall erkennen lassen. Es ist das Ergebnis einzelner Initiativen in den Verantwortungsbereichen, die in einem Mikrokosmos auch einen Nutzen haben. Unternehmensweit betrachtet untergraben sie aber die einheitliche, holistische Ausrichtung und mindern die Wettbewerbsfähigkeit, etwa durch kostenintensive, komplexe Systemlandschaften. CEOs sollten diese Abweichungen also im Auge behalten und auf konsistente sowie kompatible Betriebsmodelle unter Berücksichtigung der vier Archetypen setzen.

Betriebsmodell-Archetypen unterstützen bei Feinjustierung

Zukünftig wird eine verstärkte Diskussion rund um die Ausrichtung der Unternehmen entlang dieser Archetypen erwartet, die sich anhand der Anforderungen des einzelnen Unternehmens individuell und passgenau zuschneiden lassen. 

Die vier Betriebsmodell-Archetypen bieten also Orientierung, helfen den richtigen Archetyp für ein Unternehmen zu identifizieren und unterstützen die individuelle Feinjustierung. Denn nur wenn ein für das Unternehmen und das Umfeld passendes, konsistentes Betriebsmodell umgesetzt wird, kann das volle Potential der Organisation freigesetzt werden. Der erste Schritt ist bereits in vielen Unternehmen getan: die Erkenntnis, dass etwas geändert werden muss. Jetzt muss es um die Umsetzung dieses Veränderungsprozesses gehen.

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