Skip to main content
main-content

11.08.2015 | Unternehmensstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Wie der Handel zum CSR-Dienstleister wird

Die Discounter bekommen es zu spüren: Der Preis reicht nicht mehr als Kaufargument. Der Handel muss sein Geschäftsmodell mit gesellschaftlicher Verantwortung sichern, so Springer-Autor René Schmidpeter in einem Gastbeitrag.

Nach wie vor wird die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen oft auf Sponsoring, Sozialprojekte und Compliance reduziert. Jedoch hat sich, sozusagen im Windschatten der öffentlichen CSR-Diskussion, eine neue spannendere Perspektive entwickelt. Die Managementperspektive auf Corporate Social Responsibilty (CSR), die von Wertschöpfung, Innovation und Strategie getrieben ist. Hier geht es nicht ausschließlich um ethische Fragen, sondern darum, wie wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit positiv miteinander verknüpft werden können. Der rein defensive CSR-Ansatz wird so in den letzten Jahren von immer mehr Unternehmen in einen modernen chancenorientierten CSR-Ansatz überführt. Dabei geht es nicht mehr darum, was man mit dem Geld macht, das man verdient, sondern darum, wie man sein Geld verdient.

Handelsunternehmen müssen ökologisches Bewusstsein nutzen

Weitere Artikel zum Thema

Moderne Handelsunternehmen haben zum Ziel, Gewinne nicht auf Kosten der Gesellschaft, sondern zum Nutzen der Gesellschaft zu generieren. Sie verstehen CSR als „Managementansatz zum wechselseitigen Vorteil“. Dies eröffnet insbesondere im Handelsbereich ganz neue Innovationen, Marktchancen und steigert die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen. Selbstverständlich liegen in jeder neuen Entwicklung auch offene Spannungsverhältnisse, unterschiedliche Perspektiven und Meinungen.

Genau diese, oftmals vom Konsumenten als Ungereimtheiten wahrgenommenen Sachverhalte, stellen das Potenzial für zukünftige Entwicklungen im Handel dar. Wer hätte noch in den 90er Jahren geglaubt, dass biologische Produkte aus der Nische in den Mainstream kommen? Wer hätte geglaubt, dass das Internet die gesamte Handelsbranche vor immense Herausforderungen stellt? Es gilt: Gesellschaftlichen Entwicklungen (mehr Transparenz, höhere Flexibilität und neues ökologischen und soziales Bewusstsein) positiv für das eigene Unternehmen zu nutzen.

Retail Management lebt von Unternehmen-Kunde-Beziehung

Es hilft nicht, alte Strukturen zu zementieren, sondern Unternehmen müssen mit dabei sein, bei der Suche nach Lösungen und dem Aufbau neuer nachhaltiger Wertschöpfungsketten. Dabei spielt der Kunde sicherlich eine gewichtige Rolle und die Unternehmen-Kunde-Beziehung wird sich weiter dynamisch entwickeln. In Zukunft werden nicht einzelne Unternehmen gegeneinander konkurrieren, sondern ganze Wertschöpfungsketten. Dann hilft es auch nichts, wenn man ein gutes Unternehmen führt, wenn man sich in der falschen Wertschöpfungskette verortet. Zulieferer und Kunden gehören unweigerlich zum eigenen Wertschöpfungssystem, das es gezielt zu managen und weiterzuentwickeln gilt.

Der Kunde erwartet zu Recht unbedenkliche und einwandfreie Produkte und Dienstleistungen. Er möchte bei Unternehmen kaufen, denen er vertrauen kann und deren Geschäftsmodelle danach ausgerichtet sind, für alle Stakeholder einen Mehrwert zu generieren. Von der reinen defensiven CSR-Ausrichtung niemanden zu schaden, wird es immer mehr in die Richtung gehen, den Nutzen für die Gesellschaft und den Kunden kontinuierlich zu erhöhen. "Handel als Dienstleister für eine nachhaltige Gesellschaft" wird zur Maxime.

Dies kann nur durch Innovation gelingen, zum Beispiel mit gesünderem Essen, neuen Dienstleistungsmodelle für Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder durch einen effizienterer Umgang mit unseren begrenzten Ressourcen. Insbesondere Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und Schweiz haben hier gute Startvoraussetzungen, indem sie die hohe Kompetenz der eigenen Landwirtschaft und Industrie sowie die bewährten regionalen Wertschöpfungsketten nutzen, um innovative Antworten auf aktuell drängende gesellschaftliche Fragen (Gesundheit, Nachhaltigkeit, Mobilität) zu geben. Nicht aus reinem Altruismus heraus, sondern durchaus im eigenen wirtschaftlichem Interesse.

Zur Person
Prof. Dr. René Schmidpeter ist international anerkannter CSR-Stratege, Vordenker und Autor. Er hat den Dr. Jürgen Meyer Stiftungslehrstuhl für internationale Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility der Cologne Business School (CBS) inne. Er ist ständiger Gastprofessor an der Nanjing University of Finance and Economics (NUFE) in China und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für humane Marktwirtschaft in Salzburg. Er hat bereits mehrere Publikationen zum Thema „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ verfasst und ist Reihenherausgeber der CSR-Managementreihe sowie der internationalen Flaggschiffreihe „CSR, Sustainability, Ethics and Governance“ beim Springer Gabler Verlag.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Premium Partner

    Bildnachweise