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09.10.2015 | Unternehmensstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Mach’s bitte wieder gut, VW

Autor:
Frank H. Baumann-Habersack

VW hat durch die Software-Manipulation betrogen und dadurch offenbar eine Straftat begangen. Um das wieder gutzumachen, müssen die Wolfsburger einiges tun – mehr als bislang. Ein Kommentar von Frank H. Baumann-Habersack.

Der Autokonzern hat sich durch die Abgas-Affäre auf einer psychologischen Ebene in eine Täterposition begeben und Stakeholdern sozialen Schaden zugefügt. Vom monetären Schaden ganz zu schweigen. Das Unternehmen hat dadurch das Vertrauen verspielt. Autos der Marke VW sind im Handel derzeit nicht gerade gefragt. Dessen sind sich die Wolfsburger bewusst. Die Anzeige in vielen Tageszeitungen rund um den Tag der Deutschen Einheit dokumentiert das durch den letzten Satz: "Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen." Aber eine klare, wahrhaftige Entschuldigung in Deutschland ist bislang ausgeblieben. Wieso?

VW, das haben etliche Insider berichtet, ist aus Sicht der Unternehmenskultur ein patriarchales System mit Anleihen aus der Feudalzeit. Herrschen und Teilen. Das steht für eine in diesem Jahrhundert überholte, autoritäre Haltung zu Autorität. Selbstreflexion und Selbstkritik kommen nicht vor. Wenn dann auch noch der Unternehmenszweck einen eher technisch, kognitiven Umgang mit Menschen fördert, ist kaum Raum für Emotionen. Außer im Marketingbereich, um bei Kunden kaufförderliche Gefühle auszulösen. 

Emotionen werden vom Management oft unterschätzt

Wie sich Betrug für die unterschiedlichen Stakeholder anfühlt, kommt in der Welt des Managements demnach eher nicht vor. Einzig das Gefühl des Ärgers werden die Top-Entscheider bei ihren Stakeholdern nachempfinden können. Denn sicher ist: Ärgern werden sich die VW-Manager derzeit selbst.

Doch dass bei Stakeholdern auch andere Gefühle wie Enttäuschung (Grundgefühl: Trauer) oder Unsicherheit (Grundgefühl: Angst) entstehen, ist in solch einer technokratischen Kultur außerplanetar. Das ist der kulturbedingte Blinde Fleck des Autokonzerns. Doch was bleibt VW, um das verlorene Vertrauen wieder zurückzugewinnen?

Wenn man sich in eine Täter Position gebracht hat, geht es erstens darum nachzuempfinden, dass bei den Geschädigten die Grundgefühle von Angst, Trauer, Ärger oder auch das Gefühl von Beschämung dominieren. Diese Gefühle gilt es zweitens anzuerkennen. Drittens braucht es eine Geste der Wiedergutmachung auf sozialer Ebene, damit der Weg frei ist, um offiziell um Verzeihung zu bitten.

Wiedergutmachung auf der sozialen Ebene

Wiedergutmachung bedeutet im psychologischen Sinn, Reue zu zeigen und Scham zu empfinden. Starke Gefühle bei Tätern, die es Geschädigten ermöglichen, verzeihen zu können. Das ist zwar keine Garantie, aber der einzige Weg für einen Neuanfang auf sozialer Ebene. Und die Basis, um eine neue Haltung zu Autorität im Unternehmen aufzubauen, die in dieses Jahrhundert passt. Unterbleibt das, ist das psychologische Konto der Geschädigten unausgeglichen.

Geld betäubt das Gefühl der Unausgeglichenheit nur kurz. Nette Worte in Videos oder Anzeigen greifen noch kürzer. Das Top-Management ist gut beraten, den unterschiedlichen Stakeholdern Wiedergutmachung auf sozial-emotionalem Gebiet anzubieten und um Verzeihung zu bitten. Wenn das gelingt, wird VW möglicherweise gestärkter aus der Krise herauskommen und im Sinne einer neuen Autorität präsenter wahrgenommen. Das ist die Basis von Führung im 21. Jahrhundert. Also VW: Mach’s bitte wieder gut. 

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