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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Das weltweite Zusammenwachsen der Güter- und Kapitalmärkte ist seit spätestens Anfang der neunziger Jahre Ausgangspunkt der in Fachkreisen geführten Diskussion um die Zukunft der Rechnungslegung in Deutschland.1 Die zuvor in deutsches Recht transformierten EU-Richtlinien waren Ergebnis eines auf den europäischen Raum beschränkt bleibenden Harmonisierungsbestrebens in Bezug auf die kapitalmarkt- und gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen als Vorläufer zur Schaffung eines europäischen Binnenmarktes. An diesem geographisch begrenzten Fokus einer bisher für notwendig erachteten Harmonisierung auf dem Gebiet der externen Rechnungslegung konnte seitdem durch die zunehmende Bedeutung der außereuropäischen Kapitalmärkte und Anlegergruppen nicht mehr festgehalten werden.2
Marco Meyer

Shareholder Value und IAS/IFRS — Veränderte Rahmenbedingungen für Bilanztheorie und Bilanzpolitik

I. Perspektiven der externen Rechnungslegung in Deutschland

Zusammenfassung
Die mittlerweile kurz bevor stehende Übernahme der IAS/IFRS als Basis der Konzernrechnungslegung vermag im Hinblick auf die lange Tradition des bisher geltenden, eigenständigen deutschen Bilanzrechts als ein revolutionäres Vorhaben erscheinen. Stellt man diesen Schritt jedoch in den zeitlichen Zusammenhang vorhergehender Reformen, so fügt er sich als eine weitere bedeutende Station in einen dann eher langwierig wirkenden Prozess ein. Die Geschwindigkeit, mit der diese Reformen auf den Weg gebracht werden, hat zuletzt jedoch erheblich zugenommen. Um dies grundsätzlich zu verdeutlichen, erfolgt in diesen ersten beiden Abschnitten der Untersuchung eine eher grobe Skizzierung der zeitlichen Entwicklung der (jährlichen und unterjährigen) periodischen Berichtspflichten für Unternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Andererseits ist die Kenntnis der Wurzeln des betrachteten Rechnungslegungssystems für die anvisierte bilanztheoretische und bilanzpolitische Diskussion unterlässlich, da die im weiteren Verlauf dieser Arbeit diskutierten Forschungsbeiträge im Kontext des jeweils gültigem Bilanzrechts gesehen werden müssen.
Marco Meyer

II. Der Shareholder Value Ansatz als Ausgangspunkt der bilanztheoretischen und bilanzpolitischen Diskussion

Zusammenfassung
Der in Abschnitt I. skizzierten Neuausrichtung des externen Rechnungswesens wird im Rahmen der vorliegenden Untersuchung die sich seit Anfang der neunziger Jahre in Deutschland bei Publikumsgesellschaften durchsetzende Shareholder Value Orientierung als Blickwinkel vorangestellt. Ursprünglich in der ersten Hälfte der achtziger Jahre in den USA als Instrument zur Abwehr feindlicher Übernahmen entwickelt,190 wurde die Shareholder Value Analyse bis heute zu einer umfassenden Managementkonzeption ausgebaut191 und z.T. auf speziell deutsche Verhältnisse übertragen.192
Marco Meyer

III. Zwischenfazit

Zusammenfassung
In dem ersten Hauptteil der vorliegenden Untersuchung wurden mit dem Übergang auf die IAS/IFRS und die Shareholder Value Analyse die neuen Rahmenbedingungen in der externen Rechnungslegung und strategischen Untemehmensruhrung skizziert, vor deren Hintergrund in den nachfolgenden beiden Hauptteilen die sich hieraus ergebenden Rückwirkungen für die in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts geführte bilanztheoretische und bilanzpolitische Diskussion analysiert werden sollen.
Marco Meyer

Die IAS/IFRS als Gegenstand einer bilanztheoretischen Betrachtung

I. Gegenstand und Bezug zur aktuellen Diskussion

Zusammenfassung
Die bilanztheoretische Diskussion kann in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken. Aufgrund der Vielzahl und unterschiedlichen Ausrichtung der bisher entwickelten Ansätze fällt es aus heutiger Sicht schwer, diese Forschungsrichtung definitorisch einzugrenzen. Unter einer Bilanz im engen betriebswirtschaftlichen Sinne ist eine stichtagsbezogene, ausgeglichene Gegenüberstellung des Vermögens und des Kapitals zu verstehen, mit deren Hilfe ökonomische Abläufe zahlenmäßig dargestellt werden.632 Gegenstand der bilanztheoretischen Diskussion waren in der Vergangenheit nicht nur Bilanzen im eigentlichen Sinne, sondern auch ergänzende oder diese ersetzende Rechnungslegungsinstrumente.633 Das Erkenntnisobjekt der Bilanztheorie geht daher über den Jahresabschluss hinaus und schließt auch Rechnungslegungsinstrumente wie z.B. den Lagebericht, Cash-Flow-Rechnungen, Segmentberichterstattungen, Kapitalflussrechnungen, Sozialbilanzen, Umweltberichte, Zwischenberichte oder auch wertorientierte Kennzahlen mit ein. Eine so verstandene Bilanztheorie drückt zwar durch ihre Bezeichnung noch eine in der Vergangenheit vorherrschende Schwerpunktsetzung der wissenschaftlichen Forschung aus.634 Zutreffender erscheint es hingegen von einer „Theorie der Rechnungslegung“635 oder auch „Theorie der finanziellen Rechnungslegung“636 zu sprechen. Diese umfassenderen Bezeichnungen verdeutlichen, dass auf die Einbeziehung von Lagebericht und anderen ergänzenden Rechnungslegungsinstrumenten aufgrund des Problemzusammenhangs nicht mehr im Rahmen der Bilanztheorie verzichtet werden kann.
Marco Meyer

II. Die internationalen Rechnungslegungsstandards als Analysegegenstand der betriebswirtschaftlichen Bilanztheorie

Zusammenfassung
Die Anfange der betriebswirtschaftlichen Bilanztheorie als ehemals zentrales Themengebiet der Betriebswirtschaftslehre gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück.653 Heinen definiert eine betriebswirtschaftliche Bilanztheorie als ein widerspruchsfreies Aussagesystem zum Inhalt und zur Ausgestaltung von Bilanzen. „Theorie ist hier das vom praktischen Handeln abstrahierte Überlegen, das — ausgehend von bestimmten Prämissen — zu einem logisch geschlossenen Modellentwurf für einen Ausschnitt der Realität fuhren soll.“654 Gerade die frühen bilanztheoretischen Arbeiten folgen diesem Theorieverständnis. Ein Großteil der in seiner Vielfalt und Zahl kaum zu überschauenden Gesamtheit der vorliegenden Ansätze beschäftigt sich indes nur mit Einzelfragen, so dass als Ergebnis auch keine vollständig geschlossenen Aussagesysteme entwickelt wurden. Zudem weisen selbst die Beiträge der wohl bedeutendsten Vertreter nicht die logische Stringenz auf, die die von Heinen verwandte Definition verlangt. Um zu vermeiden, dass an sich wertvolle Ansätze durch eine defmitorische Eingrenzung dieses Forschungsbereichs aus der Diskussion ausgeklammert werden, umschreibt Seicht die betriebswirtschaftliche Bilanztheorie als „die Ergebnisse, die zahlreiche Autoren durch wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen der kaufmännischen ‚Bilanz’ (und Aufwands- und Ertragsrechnung) erzielt und veröffentlicht haben“655. Ähnlich will Coenenberg „alle nicht auf bloße Gesetzesauslegung gerichteten Diskussionen über Inhalt und Ausgestaltung des Jahresabschlusses als Instrument der finanziellen Rechnungslegung“656 in die Diskussion einbeziehen. Dem kann sich im Folgendem grundsätzlich angeschlossen werden.657
Marco Meyer

III. Konzernbilanzpolitik auf der Grundlage der IAS/IFRS

Zusammenfassung
Die Bilanzpolitik oder auch Bilanzgestaltungslehre wird im Allgemeinen charakterisiert als „die bewußte und zweckorientierte Beeinflussung des Jahresabschlusses mit der Absicht (…), im Rahmen des rechtlich zulässigen bestimmte, von der Unternehmenspolitik vorgegebene Ziele zu erreichen“1110. Diese von Ludewig vorgeschlagene Definition liegt in ähnlicher Form nahezu allen bisher zu diesem Forschungsbereich erschienenen Beiträgen zugrunde. Die Bilanzpolitik wird in diesem Zusammenhang als eine echte Führungsentscheidung im Sinne Gutenbergs aufgefasst, da sie die Erreichung übergeordneter Unternehmensziele maßgeblich unterstützt.1111 Insofern verfolgt sie keine originären Ziele, sondern es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass sie einen „derivativen Charakter trägt und vorrangigen Zielen anderer Teilpolitiken dient“1112. Diesem Verständnis nach gliedert sich die Unternehmenspolitik in ein System interdependenter Partialpolitiken (wie z.B. der Beschaffungs-, Produktions-, Absatz-, Investitions- und Finanzierungspolitik), deren Abstimmung im Hinblick auf die Verfolgung eines gemeinsamen Oberziels durch den Aufbau einer zweckentsprechenden Zielhierarchie zu verwirklichen ist.1113 Die Bilanzpolitik wird in diesem Rahmen vorrangig finanz- und publizitätspolitischen Zielsetzungen untergeordnet.1114
Marco Meyer

Rechnungslegungspolitische Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nach IAS/IFRS

I. Aufbau der Untersuchung

Zusammenfassung
Nachdem bereits im zweiten Hauptteil sowohl mögliche Zielsetzungen als auch die einzelnormenübergreifenden Rahmenbedingungen für bilanzpolitische Gestaltungen auf der Grundlage der IAS/IFRS Rechnungslegung diskutiert worden sind,1294 soll nun im Rahmen des dritten Hauptteils der vorliegenden Untersuchung eine Analyse der innerhalb des IAS/IFRS Systems verbleibenden materiellen bilanzpolitischen Handlungsspielräume anhand zentraler Bilanzierungsfragen vorgenommen werden. Aufgrund des Umfangs und der Komplexität, die das Regelwerk zwischenzeitlich angenommen hat, ist eine vollständige Einbeziehung sämtlicher Standards nicht mehr möglich. Es bedarf daher einer Auswahl der nachfolgend zu diskutierenden Abbildungsvorschriften.
Marco Meyer

II. Abgrenzung latenter Steuern

Zusammenfassung
Die Grundkonzeption zur Abgrenzung latenter Steuern erfuhr durch den im November 1994 vorgelegten ED 49 einen weitreichenden Systemwechsel.1334 Nach Inkrafttreten des überarbeiteten Standards IAS 12 (revised 1996) zum 1. Januar 1998 entsprach dieser inhaltlich bereits weitestgehend der heute gültigen Version des Standards IAS 12 (revised 2000).1335 Entscheidende Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Übergang von der Abgrenzung nach dem GuV-orientierten Timing-Differences-Konzept zum dem bilanzorientierten Temporary-Differences-Konzept zu,1336 da hiermit eine Erweiterung der vorzunehmenden Abgrenzungen einherging. Für die Bildung einer Steuerabgrenzung ist nunmehr nicht die erfolgswirksame Entstehung einer Differenz zwischen dem Ergebnis der Steuer- und Handelsbilanz maßgeblich, sondern ihre erfolgswirksame Umkehrung in einer nachfolgenden Periode wird für die Einbeziehung in die Abgrenzung bereits als hinreichend betrachtet.1337 Für die Steuerabgrenzung bleibt es damit ohne jede Bedeutung, ob die jeweiligen Differenzen aus einer erfolgswirksamen oder erfolgsneutralen Bewertung resultieren.1338 Lediglich permanente Differenzen, wie sie insbesondere aus der Qualifikation von Erträgen und Aufwendungen als steuerfreie Betriebseinnahmen bzw. nicht abzugsfähige Betriebsausgaben zwischen beiden Rechenwerken entstehen, werden auch weiterhin nicht berücksichtigt.1339
Marco Meyer

III. Abbildung des Sachanlage- und immateriellen Anlagevermögens

Zusammenfassung
Die materiellen bilanzpolitischen Aktionsparameter im Rahmen des Sachanlagevermögens sind dem Bereich der Zugangs- und Folgebewertung zuzuordnen, hingegen ergeben sich in Bezug auf den Bilanzansatz kaum originäre Handlungsspielräume.1394 Ursächlich hierfür ist der Rückgriff auf die in dem Rahmenkonzept niedergelegten Grundsätze für die Berücksichtigung von Vermögenswerten in einem Abschluss.1395 Ein Ansatz hat demnach nur dann zu erfolgen, wenn hiermit ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen verbunden ist und zusätzlich die Kosten für diesen Vermögenswert zuverlässig ermittelt werden können.1396 Beide Kriterien wurden durch den Vorgängerstandard von IAS 16 (revised 2003) konkretisiert, wobei die entsprechenden Absätze mit der letzten Überarbeitung des Standards entfallen sind.1397 Für die Annahme eines künftigen wirtschaftlichen Nutzens wurde darauf abgestellt, dass ein Unternehmen sowohl die Chancen als auch das mit einem Vermögenswert verbundene wirtschaftliche Risiko trägt.1398 Ansatzpunkte für Gestaltungen hinsichtlich der Erfüllung dieses Kriteriums ergeben sich daher vornehmlich bei Leasingverhältnissen, die gesondert in Abschnitt V. des dritten Hauptteils diskutiert werden. An die Stelle dieser allgemeinen Erläuterungen ist demnach auch folgerichtig in dem neu überarbeiteten Standard ein Verweis auf die Regelungen von IAS 17 (revised 2003) getreten.1399 Die verlässliche Bestimmbarkeit der für die Anschaffung oder die Herstellung eines Vermögenswertes entstandenen Kosten wurde in LAS 16 (überarbeitet 1998) noch explizit als für den Regelfall gegeben angesehen.1400 Mit der Überarbeitung ist nun diese Feststellung entfallen, jedoch wird auch weiterhin davon auszugehen sein, dass insbesondere die im Rahmen der Kalkulation verbleibenden Ermessensspielräume einer Aktivierung nicht grundsätzlich entgegen stehen.1401
Marco Meyer

IV. Abbildung von Wertkorrekturen im langfristigen Vermögen

Zusammenfassung
Sowohl die Herbeiführung als auch die gezielte Vermeidung einer außerplanmäßigen Abschreibung kann im Hinblick auf die Primär- und Sekundärwirkung als bilanzpolitisches Instrument eingesetzt werden. Sofern sich nach den nachfolgend erörterten Regelungen ein Wertminderungsbedarf bei einem Vermögenswert als Differenz zwischen dem Buchwert und dem niedrigeren erzielbaren Betrag ergibt, ist dieser in der Periode erfolgswirksam zu erfassen.1575 Bei einem zuvor neubewerteten Vermögenswert erfolgt demgegenüber zunächst eine Verrechnung gegen die Neubewertungsrücklage und erst anschließend ein Ausweis als Aufwand der Periode.1576 In beiden Fällen geht als Primärwirkung hiermit eine Verminderung der Anlageintensität und Erhöhung des Verschuldungsgrades einher. Die Sekundärwirkung beruht in den Folgeperioden auf einer Anpassung der jährlich zu verrechnenden Abschreibungen an den niedrigeren Restbuchwert.1577 Die Umkehrung einer außerplanmäßigen Abschreibung vollzieht sich damit kontinuierlich über den Zeitraum der Restnutzungsdauer eines Vermögenswertes. Allerdings weist das IASB an mehreren Stellen darauf hin, dass sich aus dem Niederstwerttest auch Anpassungen in Bezug auf die Abschreibungsmethode, Nutzungsdauer und der Höhe des Restwertes ergeben können.1578 Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn noch kein Wertminderungsbedarf konstatiert wird.
Marco Meyer

V. Abbildung von Leasingverhältnissen

Zusammenfassung
Die bilanzielle Darstellung von Leasinggeschäften1716 basiert auf der Klassifikation eines Vertragsverhältnisses als Finanzierungs- oder Operating-Leasing.1717 Je nach Einstufung in eine der beiden Kategorien sehen die Regelungen von IAS 17 (revised 2003) Par. 12–48 grundlegend voneinander abweichende Bilanzierungsregeln vor.1718 Die bilanzpolitischen Aktionsparameter beziehen sich in diesem Zusammenhang auf die Beeinflussung der Zuordnung und damit in der Folge auf die gezielte Anwendung einer der beiden Rechnungslegungsmethoden.1719 Dieser Entscheidung kommt innerhalb der IAS/IFRS Rechnungslegung eine um so größere Bedeutung zu, als dass Gestaltungen auf der Grundlage von sale-and-lease-back-Geschäften sowie die Möglichkeiten zur Verlagerung von Leasingtransaktionen in nicht konsolidierungspflichtige Tochtergesellschaften durch Sondervorschriften erheblich eingeschränkt werden.1720 Die Beurteilung der Primär- und Sekundärwirkungen kann daher bezogen auf die in Abschnitt V. A. des dritten Hauptteils diskutierten Aktionsparameter zur Beeinflussung der Zuordnungsentscheidung übergreifend erfolgen.
Marco Meyer

VI. Abbildung des Vorratsvermögens

Zusammenfassung
Innerhalb des IAS/IFRS Rechnungslegungssystems werden keine konkreten Aussagen hinsichtlich der Ermittlung des Mengengerüsts der Vermögenswerte und Schulden getroffen. Auch IAS 2 (revised 2003), als die für das Vorratsvermögen maßgebliche Regelung, beschränkt sich vornehmlich auf Bewertungs- und Ausweisfragen und bezieht keine Position im Hinblick auf die anzuwendenden Inventurverfahren und -methoden, die jedoch gerade für die Bestimmung des Mengengerüsts der Vorräte eine besondere Bedeutung erlangen. Für den Bilanzierenden besteht hier insofern ein Methodenwahlrecht bei der mengenmäßigen Erfassung. Inwieweit ein Abweichen von der Stichtagsinventur mittels körperlicher Bestandsaufnahme als zulässig erachtet werden kann, bleibt in den Grenzen des Wesentlichkeitsgrundsatzes und des Vollständigkeitsgebots im Einzelfall abzuwägen.1848 Eine Orientierung an der bisherigen Vorgehensweise nach dem HGB bzw. den ergänzenden Vorschriften der Finanzverwaltung würde den allgemeinen Anforderungen der IAS/IFRS an die Behandlung von Regelungslücken entsprechen.1849 Es bleibt aber anzumerken, dass gerade die Zulässigkeit von Vereinfachungsverfahren, wie etwa der Festwertermittlung oder auch die Festlegung des Anwendungsbereichs der permanenten Inventur einen Anspruch an Genauigkeit impliziert und insofern eine Wertentscheidung voraussetzt. Dem Bilanzierenden verbleiben hierdurch Spielräume im Hinblick auf die zeitliche Erfassung von unkontrollierten Abgängen, wie sie durch Beschädigungen oder Schwund auftreten.
Marco Meyer

VII. Abbildung von langfristigen Fertigungsaufträgen

Zusammenfassung
Hinsichtlich der Umsatzrealisation sieht die IAS/IFRS Rechnungslegung für den Regelfall eine Orientierung an dem Übergang aller wesentlichen Risiken und Verwertungschancen eines Vermögenswertes von dem Verkäufer auf den Käufer vor.1967 Diese Vorgehensweise fuhrt im Ergebnis häufig zu einer Übereinstimmung mit dem deutschen HGB,1968 wo vornehmlich auf den schuldrechtlichen Indikator des Übergangs der Preisgefahr abgestellt wird.1969 Während die handelsrechtliche Stellung und Interpretation des Realisationsprinzips auch im Falle sog. langfristiger Fertigungsaufträge kaum ein Abweichen von diesem Kriterium ermöglicht,1970 lassen die IAS/IFRS bei entsprechender Einstufung eines Vertragsverhältnisses auch alternative Verfahrensweisen zu der Completed-Contract-Methode zu, die auf einen vorgezogenen Umsatz- und Gewinnausweis abzielen.1971 Nach der im November 1993 verabschiedeten Neufassung des Standards LAS 11 (revised 1993), die eine Streichung der Completed-Contract-Methode als Wahlrechtsalternative zur Anwendung der Percentage-of-Completion-Methode mit sich brachte,1972 entscheidet sich nunmehr aus bilanzpolitischer Sicht die Anwendung einer der Methoden an der Beurteilung der Qualifikationskriterien für das Vorliegen eines langfristigen Fertigungsauftrags und damit an der Abgrenzung des Anwendungsbereichs dieses Standards.
Marco Meyer

VIII. Abbildung der Rückstellungen

Zusammenfassung
Sowohl das deutsche Bilanzrecht als auch die IAS/IFRS sehen als Kennzeichen für eine Rückstellung in Abgrenzung zu den Verbindlichkeiten den Verbleib von Unsicherheiten in Bezug auf den Ansatz dem Grunde und/oder der Höhe nach an.2052 Weitere Unsicherheiten können hinsichtlich des Zeitpunktes der Inanspruchnahme einer Rückstellung bestehen. Da dieser Bilanzposition Schätzunsicherheiten je nach konzeptioneller Ausgestaltung immanent sind, kam ihr bereits nach den handelsrechtlichen Regelungen eine aus der Sicht der Bilanzpolitik herausragende Bedeutung zu.2053 Entsprechend gestaltet sich auch die Rechtsprechung des BFH zu diesem Themenbereich relativ umfassend, da § 249 HGB keine eindeutige Abgrenzung der berücksichtigungspflichtigen Sachverhalte vornimmt. Auch das IAS/IFRS Regelwerk verfügte bis zur Überarbeitung der Core-Standards mit IAS 10 (1978) nur über eine zumindest lückenhafte Regelung, so dass regelmäßig zur Lösung konkreter Sachverhalte der Rückgriff auf die noch allgemeiner gehaltenen Vorschriften des Rahmenkonzeptes erfolgen musste.2054 Mit dem im September 1998 verabschiedeten Standard IAS 37 (1998) liegt derzeitig eine Regelung vor, die sich im erheblich größeren Umfang mit den immanenten Unsicherheiten der Rückstellungsbilanzierung beschäftigt als der Vorgängerstandard oder das deutsche HGB.2055 Explizite Wahlrechte enthält dieser Standard nicht mehr.2056 Die bilanzpolitischen Aktionsparameter bei der Festlegung des Umfangs der rückstellungspflichtigen Sachverhalte ergeben sich daher aus der Interpretation der in LAS 37 (1998) Par. 14 genannten Tatbestandsmerkmale, die aus diesem Grund in den nachfolgenden Abschnitten einer genaueren Untersuchung unterzogen werden.
Marco Meyer

IX. Zwischenfazit

Zusammenfassung
Ausgangspunkt der im Rahmen des dritten Hauptteils geführten Untersuchung war die Frage nach den innerhalb der IAS/IFRS Rechnungslegung verbleibenden Handlungsspielräumen für die Vorstände börsennotierter deutscher Unternehmen zur Verfolgung ihrer eigenen bilanzpolitischen Zielsetzungen. Ein Gesamturteil scheint aufgrund der Vielschichtigkeit der Ergebnisse allenfalls tendenziell möglich. Daher werden zunächst in Tabelle 4 die Ergebnisse der Detailanalyse des dritten Hauptteils überblicksartig zusammengefasst. Eine solche Darstellung bedingt die Konzentration auf wesentliche Aspekte und z.T. auch die Inkaufnahme von Vereinfachungen. Ergänzend sei daher jeweils auf die Beurteilung der dieser Untersuchung zugrunde gelegten Kriterien in den einzelnen Abschnitten verwiesen. Die tabellarische Darstellung orientiert sich, soweit dies zweckmäßig erschien, an dem Fortgang der Untersuchung innerhalb des dritten Hauptteils.
Marco Meyer

Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung war es, den anstehenden Systemwechsel in der Konzernrechnungslegung aus der Perspektive der Anteilseigner und der Vorstände deutscher börsennotierter Publikumsgesellschaften vor dem Hintergrund einer zunehmenden Shareholder Value Orientierung auf den weltweiten Kapitalmärkten zu analysieren. Beide Perspektiven konnten im Hinblick auf die Bedeutung des externen Rechnungswesens für das Verhältnis Anteilseigner und Vorstand anhand der Agency Theorie skizziert werden. Aus der Sicht der Anteilseigner tritt in diesem Zusammenhang die Fähigkeit der IAS/IFRS in den Vordergrund, ihren Bedarf an entscheidungsrelevanten Informationen zu decken und damit einen Beitrag zu dem Abbau von asymmetrischen Informationsverteilungen zwischen den Kapitalmarktteilnehmern zu leisten. Demgegenüber stellt sich aus der Sicht der Vorstände die Frage nach den innerhalb des neu adaptierten Rechnungslegungssystems verbleibenden Gestaltungsmöglichkeiten. Über diese Beschreibung der Entscheidungssituationen der Anteilseigner als Agent und der Vorstände in ihrer Rolle als Prinzipal hinaus bietet die Agency Theorie jedoch keine Ansatzpunkte, um auf ihrer Grundlage eine Beurteilung der Informationsbereitstellung durch die IAS/IFRS Rechnungslegung aus beiden Perspektiven vorzunehmen. Hierzu wurde als Erweiterung der bisher in Fachkreisen geführten Diskussion auf das Instrumentarium der deutschen bilanztheoretischen Forschung zurückgegriffen.
Marco Meyer

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