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Unternehmertum und Sozialer Wandel

Eine relationale Analyse des Startup-Sektors in Tunesien

  • 2025
  • Buch

Über dieses Buch

Dieses Buch untersucht die Rolle von Startup-Gründer*innen als Akteure sozialen Wandels im postrevolutionären Tunesien. Sie verbindet politikwissenschaftliche und soziologische Perspektiven auf Transformationsprozesse im Globalen Süden und entwickelt ein innovatives Analysemodell im relationalen Theorieparadigma. Anhand qualitativer Fallstudien beleuchtet die Arbeit, wie unternehmerisches Handeln neue institutionelle Dynamiken anstößt – zwischen Anpassung und Subversion, zwischen Reformanspruch und struktureller Persistenz. Ein Beitrag zur Debatte über die gesellschaftliche Bedeutung von Entrepreneurship in Zeiten globaler Umbrüche.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Kapitel 1. Einleitung

    Katrin Sold
    Das Kapitel untersucht die Rolle von Startup-Unternehmern in gesellschaftlichen Transformationsprozessen, mit einem besonderen Fokus auf Tunesien. Es analysiert, wie ökonomische und politische Veränderungen durch Startups beeinflusst werden und ob diese als Triebkräfte des Wandels wirken. Der Text beginnt mit einer Einführung in das Selbstverständnis von Startup-Gründern als „Weltveränderer“ und den hohen Erwartungen, die an sie gestellt werden. Es wird untersucht, ob Startup-Unternehmer tatsächlich als Triebkräfte des Wandels in Transformationsgesellschaften wie Tunesien wirken. Der Text analysiert die politischen und ökonomischen Transformationsprozesse in Nordafrika, insbesondere in Tunesien, und untersucht die Rolle von Startups in diesen Prozessen. Es wird ein relationaler Ansatz verwendet, der sowohl strukturelle als auch akteurszentrierte Perspektiven integriert, um die Wechselwirkungen zwischen ökonomischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen zu verstehen. Die Arbeit entwickelt ein innovatives Analysemodell, das institutionelle Wandlungsprozesse aus dem Zusammenspiel struktureller Bedingungen und akteursspezifischer Agency erklärt. Das Kapitel bietet eine detaillierte Untersuchung der Rolle von Startup-Unternehmern in Tunesien und zeigt, wie diese Akteure in gesellschaftliche Transformationsprozesse eingebunden sind und diese beeinflussen können. Es wird auch diskutiert, welche Hindernisse und Herausforderungen für das Wachstum des Startup-Sektors bestehen und wie diese überwunden werden können. Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der Relevanz der Ergebnisse für künftige Forschung und Praxis.
  3. Kapitel 2. Im Spannungsfeld von Struktur und Akteur: Ontologische Perspektiven auf Unternehmertum und Sozialen Wandel

    Katrin Sold
    Das Kapitel untersucht die Rolle von Unternehmertum im sozialen Wandel und analysiert verschiedene ontologische Perspektiven. Es beginnt mit einer historischen Betrachtung des Unternehmertums, von den frühen Zivilisationen bis hin zu den neoliberalen Wirtschaftsmodellen des 20. Jahrhunderts. Anschließend werden drei zentrale Perspektiven vorgestellt: die akteurstheoretische, die strukturalistische und die relationale Perspektive. Die akteurstheoretische Perspektive betont die individuelle Persönlichkeit und Handlungsfähigkeit des Unternehmers als Treiber von Innovation und sozialem Wandel. Die strukturalistische Perspektive hingegen sieht den sozialen Wandel als Ergebnis von Veränderungen in den strukturellen Rahmenbedingungen, auf die Individuen lediglich reagieren. Die relationale Perspektive schließlich überwindet die Dichotomie zwischen Struktur und Akteur und rückt die Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen beiden in den Fokus. Das Kapitel zeigt, wie diese verschiedenen Perspektiven die Rolle des Unternehmertums im sozialen Wandel unterschiedlich bewerten und interpretieren. Abschließend wird die Bedeutung dieser Perspektiven für die heutige Forschung und Praxis diskutiert, insbesondere im Kontext von Startup-Unternehmertum und sozialen Innovationen.
  4. Kapitel 3. Eine relationale Analyse von Unternehmertum und Sozialem Wandel: Forschungsperspektive und theoretische Zugänge

    Katrin Sold
    In diesem Kapitel wird eine relationale Analyse von Unternehmertum und Sozialem Wandel durchgeführt. Die Studie beginnt mit einer Diskussion verschiedener sozialwissenschaftlicher Perspektiven, die unterschiedliche ontologische Positionen einnehmen. Anschließend wird das relationale Paradigma als übergeordnete Forschungsperspektive gewählt und eingeführt. Zwei Kernkonzepte relationaler Theorien, Relation und Prozess, werden vorgestellt und ihre Bedeutung für die Arbeit erläutert. Im nächsten Schritt werden zwei relationale Theorien, die Sozialtheorie Pierre Bourdieus und verschiedene Ansätze des Neoinstitutionalismus, insbesondere der Historische Neoinstitutionalismus, vorgestellt und auf ihre Stärken und Schwächen in der Analyse sozialen Wandels hin beleuchtet. Die These, dass eine Kombination der beiden Theorien aufgrund ihrer Komplementarität neue Möglichkeiten in der Analyse gesellschaftlicher Wandlungsprozesse eröffnet, liegt der Ausgestaltung des relationalen Forschungsdesigns dieser Arbeit zugrunde. Die Studie zeigt, dass relationale Ansätze eine dynamische und prozesshafte Perspektive auf soziale Phänomene und Entwicklungen bieten und die Gefahr von Statik und Eindimensionalität mindern. Die Analyse der Beziehung zwischen Unternehmertum und Sozialem Wandel wird durch die Integration der relationalen Perspektive und der beiden Theorien Bourdieus und des Neoinstitutionalismus vertieft und erweitert.
  5. Kapitel 4. Feld, Akteur und institutioneller Wandel: Entwurf eines relationalen Forschungsdesigns

    Katrin Sold
    Das Kapitel untersucht die Rolle von Startup-Unternehmern als Triebkräfte gesellschaftlichen Wandels, insbesondere im Kontext der tunesischen Transformationsprozesse zwischen 2011 und 2019. Es entwickelt ein relationales Forschungsdesign, das Akteure, Felder und institutionelle Wandlungsprozesse in den Fokus rückt. Dabei werden theoretische Konzepte aus der Sozialtheorie Pierre Bourdieus und des Historischen Institutionalismus integriert, um eine differenzierte Analyse der Akteure und ihrer Agency zu ermöglichen. Das Kapitel folgt einem analytischen Dreischritt, der zunächst das unternehmerische Feld als relationalen Raum untersucht, dann die Startup-Unternehmer als relationale Akteure analysiert und schließlich institutionelle Arrangements und deren Wandlungsprozesse beleuchtet. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Startup-Unternehmer im tunesischen Kontext als Triebkräfte eines transformativen institutionellen Wandels wirken können, insbesondere wenn sie institutionelle Widersprüche und Bruchlinien nutzen, um Wandlungsprozesse anzustoßen oder zu beschleunigen. Die Ergebnisse zeigen, dass der transformative Charakter des Wandels von der Interaktion zwischen Akteuren und strukturellen Gegebenheiten abhängt und dass Machtasymmetrien eine entscheidende Rolle spielen. Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse der komplexen Wechselwirkungen zwischen Akteuren, Feldern und institutionellen Wandlungsprozessen und liefert wertvolle Einblicke in die Dynamik gesellschaftlichen Wandels.
  6. Kapitel 5. Fallbeispiel: Tunesiens polit-ökonomische Entwicklung seit der Unabhängigkeit

    Katrin Sold
    Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der polit-ökonomischen Entwicklung Tunesiens seit der Unabhängigkeit 1956. Es skizziert Meilensteine, Trends und Entwicklungsmodelle, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle des unternehmerischen Privatsektors und der Phase der ökonomischen Liberalisierung seit den 1980er Jahren liegt. Zudem werden die Auswirkungen der Digitalisierung und Technologisierung auf Tunesien und seine wirtschaftlichen Strukturen beleuchtet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der politischen Transformation nach den Umbrüchen 2010/2011 und den daraus resultierenden Herausforderungen für die tunesische Wirtschaft. Das Kapitel dient der Grundlagensicherung für die weitere Analyse und bietet einen umfassenden Überblick über die historischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Tunesiens. Es zeigt auf, wie die Digitalisierung und Technologisierung die wirtschaftliche Landschaft Tunesiens verändern und welche Rolle innovative Technologie-Startups dabei spielen. Die Analyse der politischen und wirtschaftlichen Transformationen bietet wertvolle Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Chancen für Tunesien.
  7. Kapitel 6. Analyseschritt I: Tunesiens unternehmerisches Feld als Raum sozialer Beziehungen

    Katrin Sold
    Das Kapitel analysiert Tunesiens unternehmerisches Feld als Raum sozialer Beziehungen und untersucht die traditionellen Ordnungsmuster und Funktionslogiken, die die tunesische Gesellschaft und das unternehmerische Feld prägen. Es wird die Entwicklung des Startup-Sektors im Kontext des erweiterten unternehmerischen Feldes betrachtet, das von neopatrimonialen Strukturen, klientelistischen Logiken und einer Rentenökonomie geprägt ist. Der Text beleuchtet die Spannungsfelder und Bruchlinien, die durch den Transformationsprozess seit 2011 verstärkt wurden, und untersucht die Rolle des unternehmerischen Handelns bei der Transformation gesellschaftlicher Ordnungs- und Interaktionsmuster. Abschließend werden die Sollbruchstellen des bestehenden Ordnungsgefüges identifiziert, die als Ausgangspunkte für Prozesse sozialen Wandels dienen können.
  8. Kapitel 7. Analyseschritt II: Startup-Unternehmer*innen in Tunesien als relationale Akteure

    Katrin Sold
    Das Kapitel analysiert die Rolle von Startup-Unternehmer in Tunesien als relationale Akteure, die institutionellen Wandel beeinflussen. Es untersucht die Kapitalausstattung der Akteure, einschließlich ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital, sowie deren Wirkung auf das Handeln der Akteure. Der Habitus der Akteure wird als zentrales Analysekonzept herangezogen, um deren Handlungsentscheidungen und Dispositionen zu verstehen. Die Studie basiert auf Interviews mit tunesischen Startup-Unternehmern und zeigt, dass diese Akteure durch ihre Kapitalausstattung und sozialen Netzwerke institutionellen Wandel beeinflussen können. Das Kapitel hebt die Bedeutung des symbolischen Kapitals hervor, das den Akteuren Prestige und Ansehen verleiht und ihnen ermöglicht, Macht und Einfluss zu erlangen. Zudem wird der Habitus der Akteure als Brückenelement zwischen Akteur und Feld analysiert, das deren Handlungsfähigkeit und Agency in institutionellen Wandlungsprozessen erklärt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Startup-Unternehmer in Tunesien als potenzielle Triebkräfte gesellschaftlichen Wandels betrachtet werden können, da sie durch ihre Kapitalausstattung und sozialen Netzwerke institutionellen Wandel beeinflussen und ihre Handlungsfähigkeit durch ihren Habitus gestärkt wird.
  9. Kapitel 8. Analyseschritt III: Unternehmerisches Handeln und institutioneller Wandel

    Katrin Sold
    Das Kapitel untersucht den institutionellen Wandel im unternehmerischen Feld Tunesiens, mit Fokus auf die Rolle von Startup-Unternehmer*innen. Es analysiert, wie strukturelle Spannungen und unternehmerische Agency zu Wandlungsdynamiken führen. Drei Bereiche werden identifiziert, in denen sich akute Spannungsverhältnisse und eine wachsende Brüchigkeit institutioneller Arrangements abzeichnen. Der Text beleuchtet die Verheißung neuer wirtschaftlicher Dynamik und die Aufwertung von Innovation, die soziale Position zwischen etablierter und neuer Elite sowie die neoliberale Gouvernementalität und das unternehmerische Selbst. Zudem werden Prozesse institutionellen Wandels im unternehmerischen Feld analysiert, einschließlich der Rolle von Startup-Unternehmer*innen als Wandlungsakteure. Abschließend wird diskutiert, ob diese Prozesse transformativen Charakter haben und soziale Ordnungsmuster und Funktionsweisen des unternehmerischen Feldes und der tunesischen Gesellschaft grundlegend verändern.
  10. Kapitel 9. Fall und Modell – Relevanz der Untersuchung und künftige Forschung

    Katrin Sold
    Die Arbeit analysiert die Rolle von Startup-Unternehmer*innen in Tunesien als Triebkräfte gesellschaftlichen Wandels. Sie kombiniert theoretische Ansätze von Pierre Bourdieu und dem Historischen Institutionalismus, um ein neues dreistufiges Analysemodell zu entwickeln. Dieses Modell ermöglicht eine differenzierte Untersuchung der Rolle von Akteuren in Transformationsprozessen. Die empirische Analyse konzentriert sich auf den tunesischen Startup-Sektor und zeigt, wie unternehmerisches Handeln institutionelle Arrangements verändert. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Transformationsforschung und bietet praktische Erkenntnisse für die Gestaltung von Policy-Projekten. Zudem wird die Relevanz der Forschung für die Praxis diskutiert, insbesondere im Bereich der entwicklungspolitischen Privatsektorförderung. Die Arbeit zeigt, dass unternehmerisches Handeln in Tunesien tatsächlich Prozesse eines transformativen institutionellen Wandels einleitet, der bestehende gesellschaftliche Ordnungsmuster verändert. Sie betont die Bedeutung der relationalen Analyse von strukturellen und individuellen Einflussfaktoren für das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen.
  11. Backmatter

Titel
Unternehmertum und Sozialer Wandel
Verfasst von
Katrin Sold
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-49878-8
Print ISBN
978-3-658-49877-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-49878-8

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