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Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften aus professionstheoretischer Perspektive

  • 2026
  • Buch

Über dieses Buch

In den letzten Jahren hat der Begriff der Praktik sowohl in der Lehrer*innenprofessionsforschung als auch in der mathematikdidaktischen Forschung erheblich an Bedeutung gewonnen. Dabei zeigt sich, dass Unterrichtspraktiken von Lehrkräften häufig unterschiedlich definiert und theoretisch gerahmt werden, was die Vergleichbarkeit und Synthese der Forschungsergebnisse erschwerten. Vor diesem Hintergrund zielt dieses Buch darauf ab, die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften aus Perspektive der Lehrer*innenprofessionsforschung theoretisch zu konzeptualisieren sowie diese Konzeptualisierung im Rahmen einer empirischen Rekonstruktion zu validieren. In einer ersten explorativen Teilstudie werden dabei zunächst selbstberichtete Praktiken von Mathematiklehrkräften und deren Zusammenhang mit ihren inklusionsbezogenen Einstellungen untersucht. In einer zweiten Teilstudie werden Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften basierend auf einem integrativen Review konzeptuell-theoretisch gefasst und im Rahmen eines professionstheoretischen Modells beschrieben. Dieses Modell wird anschließend in einer dritten Teilstudie empirisch validiert, in der Praktiken von zwei Mathematiklehrkräften im Unterricht zum Problemlösen rekonstruiert werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. 1. Einleitung

    Christine Luise Brungs
    Unterrichtspraktiken von Lehrkräften sind ein zentrales Element der internationalen Lehrer*innenprofessionsforschung. Sie verbinden professionelle Expertise mit unterrichtlichem Handeln und werden in verschiedenen Forschungsansätzen unterschiedlich definiert. In den USA spielt die praxisorientierte Lehramtsausbildung eine zentrale Rolle, während in Deutschland die gegenstandsbezogene Expertiseforschung im Vordergrund steht. Der Begriff der Unterrichtspraktiken umfasst allgemeine sowie fachspezifische Routinen und Handlungsmuster, die Lehrkräfte zur Unterstützung der Lernprozesse ihrer Schüler*innen einsetzen. Die Kompetenzforschung untersucht die Zusammenhänge zwischen affektiven und kognitiven Dispositionen und den unterrichtlichen Praktiken von Lehrkräften. Praxistheoretische Ansätze betonen die soziale Interaktion zwischen Lehrkräften und Schüler*innen. Die Bedeutungsvielfalt des Praktikbegriffs reflektiert verschiedene theoretische Ansätze in der Lehrer*innenprofessionsforschung. Eine professionstheoretische Konzeptualisierung von Unterrichtspraktiken ist notwendig, um das komplexe Phänomen umfassend zu untersuchen. Die Dissertation beleuchtet Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften aus verschiedenen Perspektiven und entwickelt ein theoretisches Modell, das empirisch validiert wird. Die Erkenntnisse werden auf einer übergeordneten Ebene diskutiert und Implikationen für die Lehramtsaus- und -fortbildung abgeleitet.
  3. 2. Theoretischer Hintergrund

    Christine Luise Brungs
    Das Kapitel untersucht die verschiedenen Forschungsparadigmen zur Untersuchung von Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften. Es beginnt mit einer Einführung in die theoretischen Grundlagen und die Entwicklung der Lehrerprofessionsforschung. Anschließend werden die vier zentralen Paradigmen der Persönlichkeits-, Prozess-Produkt-, Expertise- und Kompetenzforschung detailliert analysiert. Dabei wird besonders auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Paradigmen sowie deren methodische Zugänge und inhaltliche Schwerpunkte eingegangen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Expertiseforschung und deren Bedeutung für die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften. Hier werden die Konzepte des Expertiseparadigmas und des Modells der gegenstandsbezogenen professionellen Expertise von Lehrkräften vorgestellt und diskutiert. Zudem wird die Entwicklung der US-amerikanischen Lehramtsausbildung und deren Einfluss auf die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften beleuchtet. Abschließend wird die Bedeutung der Kompetenzforschung für die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften analysiert. Dabei werden die Ergebnisse der COACTIV- und TEDS-Forschungsprogramme sowie das PID-Modell vorgestellt und diskutiert. Das Kapitel schließt mit einem Exkurs zur praxistheoretischen Perspektive auf Unterrichtspraktiken, der die sozialen und kulturellen Aspekte der Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften beleuchtet.
  4. 3. Ansatz und Aufbau dieser Arbeit

    Christine Luise Brungs
    Das Kapitel präsentiert drei Studien, die darauf abzielen, eine professionstheoretische Perspektive auf die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften zu entwickeln. Die erste Studie untersucht die inklusionsbezogenen Einstellungen und selbstberichteten Praktiken von Mathematiklehrkräften in inklusiven Settings. Die zweite Studie widmet sich der theoretischen Konzeptualisierung des Praktikbegriffs und entwickelt ein theoretisches Modell für die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften. Die dritte Studie rekonstruiert die Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften im Unterricht zum Problemlösen und validiert das theoretische Modell empirisch. Die Studien kombinieren verschiedene methodische Ansätze, darunter qualitative Interviews, integrative Reviews und videobasierte Unterrichtsbeobachtungen, um ein umfassendes Verständnis der Unterrichtspraktiken zu ermöglichen. Die Ergebnisse der Studien tragen dazu bei, die Bedeutung der drei Studien im Zusammenhang mit der Dissertation zu klären und bieten wertvolle Einblicke in die professionstheoretische Forschung zu den Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften.
  5. 4. Zum Zusammenhang von Einstellungen zum inklusiven Mathematikunterricht mit selbstberichteten Praktiken von Lehrkräften

    Christine Luise Brungs
    In diesem Fachbeitrag wird der Zusammenhang zwischen den Einstellungen von Lehrkräften zum inklusiven Mathematikunterricht und ihren selbstberichteten Praktiken untersucht. Die Studie basiert auf Interviews mit fünf Mathematiklehrkräften der Sekundarstufe I, die in inklusiven Settings unterrichten. Die Analyse zeigt, dass die Einstellungen der Lehrkräfte sowohl im Sinne von beliefs (Überzeugungen) als auch im Sinne von attitudes (Haltungen) eine wichtige Rolle spielen. Die Einstellungen im Sinne von beliefs werden dabei in ein weites und ein enges Inklusionsverständnis unterteilt, während die Einstellungen im Sinne von attitudes durch verschiedene Einflussfaktoren wie Erfahrung, Selbstwirksamkeit und Art der Behinderung geprägt sind. Die Studie identifiziert 15 verschiedene Praktiken, die die Lehrkräfte zur Bewältigung von vier Anforderungssituationen im inklusiven Mathematikunterricht einsetzen. Besonders häufig werden Praktiken zur Unterstützung und Förderung der Schüler:innen berichtet. Die Ergebnisse zeigen, dass es strukturelle Zusammenhänge zwischen den Einstellungen und Praktiken der Lehrkräfte gibt. Diese Zusammenhänge werden anhand von Fallanalysen verdeutlicht, die unterschiedliche Einstellungen und Praktiken in Bezug auf die Anforderungssituationen Differenzierte Schwerpunkte setzen, Unterstützen und Fördern sowie Gemeinsames Lernen orchestrieren darstellen. Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die professionelle Kompetenz von Lehrkräften und bietet praktische Ansätze für die Gestaltung inklusiven Unterrichts. Die Ergebnisse können als Grundlage für die Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen dienen, die darauf abzielen, die Einstellungen und Praktiken von Lehrkräften im inklusiven Mathematikunterricht zu verbessern.
  6. 5. Grundlagen eines professionstheoretischen Verständnisses von Unterrichtspraktiken am Beispiel inklusiver Praktiken von Mathematiklehrkräften

    Christine Luise Brungs
    Das Kapitel untersucht die Bedeutung von Unterrichtspraktiken im inklusiven Mathematikunterricht. Es zeigt, wie Lehrkräfte routinierte Handlungsmuster nutzen, um unter Zeitdruck effektiv zu unterrichten. Durch ein integratives Review werden theoretische Beschreibungen und konstitutive Elemente von Praktiken ermittelt. Das entwickelte Modell beschreibt Praktiken als routinierte, wiederkehrende Muster von Äußerungen und Handlungen zur Bewältigung bestimmter Anforderungssituationen. Dabei spielen affektive und kognitive Dispositionen sowie situationsspezifische Fähigkeiten eine tragende Rolle. Das Modell wird am Beispiel inklusiver Praktiken von Mathematiklehrkräften konkretisiert. Die Ausübung von Praktiken hat Auswirkungen auf die wahrgenommene Situation, die von Lehrkräften reflektiert und angepasst werden kann. Langfristig können Praktiken durch bewusste Wiederholung und Adaption erlernt werden. Das Kapitel schließt mit der Entwicklung eines theoretischen Modells, das die Komplexität der Praktiken in verschiedenen Unterrichtssituationen abbildet.
  7. 6. Empirical Reconstruction of Mathematics Teaching Practices in Problem-Solving Lessons: A Multi-Method Case Study

    Christine Luise Brungs
    In dieser Studie wird die Unterrichtspraxis von zwei erfahrenen Mathematiklehrern in Problemlösungsstunden untersucht. Durch eine mehrmethodische Analyse, die video-basierte Unterrichtsbeobachtungen, semi-strukturierte Interviews und video-stimulierte Rekalls umfasst, werden die selbstberichteten, beobachtbaren und artikulierbaren Elemente der Lehrpraktiken rekonstruiert. Die Studie identifiziert sechs wiederkehrende Anforderungssituationen, auf die die Lehrer mit routinierten Handlungsmustern reagieren, darunter die Motivation der Schüler, die Führung des Problemlösungsprozesses und die individuelle Unterstützung der Schüler. Die Analyse zeigt, dass die Lehrer verschiedene pädagogische Werkzeuge wie digitale und analoge Artefakte, Körpersprache und verbale Impulse einsetzen, um ihre Handlungsmuster umzusetzen. Die Studie validiert das theoretische Modell der Lehrpraktiken und bietet differenzierte Einblicke in die pädagogischen Entscheidungen, kognitiven und affektiven Dispositionen sowie situationsspezifischen Fähigkeiten der Lehrer. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der reflektierten Praxis und der situativen Expertise im Mathematikunterricht und haben Implikationen für die Lehrerausbildung und -fortbildung.
  8. 7. Zusammenfassung und Diskussion

    Christine Luise Brungs
    In diesem Kapitel werden die zentralen Ergebnisse von drei Teilstudien zur Konzeptualisierung und empirischen Validierung der Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften aus einer professionstheoretischen Perspektive zusammengefasst. Die erste Teilstudie untersucht den Zusammenhang zwischen inklusionsbezogenen Einstellungen und Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften in inklusiven Settings. Die zweite Teilstudie entwickelt ein theoretisches Modell, das verschiedene konstitutive Elemente von Unterrichtspraktiken berücksichtigt, wie affektive und kognitive Dispositionen, situationsspezifische Fähigkeiten und professionelles Wissen. Die dritte Teilstudie validiert dieses Modell empirisch durch die Rekonstruktion von Unterrichtspraktiken im Mathematikunterricht zum Problemlösen. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterrichtspraktiken als wiederkehrende, funktionale Handlungsmuster konzeptualisiert werden können, die durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Die Diskussion der Ergebnisse betont die Bedeutung dieser Erkenntnisse für die Lehrerprofessionsforschung und die Lehramtsaus- und -fortbildung. Das Kapitel schließt mit Implikationen für die Forschung und Praxis, die auf den Limitationen der Studien basieren.
  9. Backmatter

Titel
Unterrichtspraktiken von Mathematiklehrkräften aus professionstheoretischer Perspektive
Verfasst von
Christine Luise Brungs
Copyright-Jahr
2026
Electronic ISBN
978-3-658-51000-8
Print ISBN
978-3-658-50999-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-51000-8

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