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02.01.2019 | Wissenschaftliche Beiträge

Unterschiedliche psychosoziale Effekte unterschiedlicher Schichtsysteme

Zeitschrift:
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Autoren:
Prof. Dr. Friedhelm Nachreiner, Dr. Anna Arlinghaus, Dipl.-Psych. Daniela Horn

Zusammenfassung

In der Diskussion um beeinträchtigungsminimierende Schichtsysteme werden in der Forschung wie in der betrieblichen Praxis häufig langrotierte Systeme favorisiert, obwohl die vorliegenden Befunde eher für kurzrotierte Systeme sprechen. Aus diesem Grunde wurde in dieser Studie Art und Umfang psychosozialer Beeinträchtigungen, wie z. B. der sozialen Teilhabe und der Work-Life-Balance, in Abhängigkeit von Rotationsgeschwindigkeit und Rotationsrichtung der Schichten nachgegangen. Dazu wurden vorliegende Daten einer schriftlichen Befragung bei 249 Schichtarbeitern in vier Chemiebetrieben aus zwei Unternehmen mit kurz vorwärts, lang vorwärts und lang rückwärts rotierten Systemen (unter sonst vergleichbaren Bedingungen) analysiert. Die Ergebnisse der durchgeführten Varianzanalysen faktorenanalytisch gewonnener Kennwerte der Beeinträchtigung sowie Analysen der Häufigkeitsverteilungen zwischen den Schichtsystemen weisen ein klares und konsistentes Muster der sozialen Beeinträchtigungen auf: Schichtarbeiter in kurz vorwärts rotierten Schichtsystemen berichten systematisch über geringere erlebte soziale Beeinträchtigungen als Schichtarbeiter in den langrotierten Systemen. Die stärksten Beeinträchtigungen zeigen sich bei Beschäftigten in lang rückwärts rotierten Systemen, wobei sich die Signifikanz der Unterschiede zwischen lang vorwärts und lang rückwärts rotierten Systemen nicht in allen Fällen absichern ließ. Die Ergebnisse unterstützen damit die Hypothese, dass eine häufigere, wenn auch kürzere, Synchronisation von Arbeitszeit und arbeitsfreier Zeit mit dem sozialen Rhythmus der Gesellschaft unter kurz rotierten Systemen deutlich geringere aversive soziale Effekte produziert als die blockweise Desynchronisation durch lang rotierte Systeme. Die Befunde stimmen mit Ergebnissen anderer, weniger gut kontrollierter Untersuchungsanlagen überein. Mögliche Konfundierungen der Ergebnisse mit anderen Faktoren, wie z. B. Arbeitszeitdauer oder unterschiedliche Tätigkeiten, können durch die Anlage der Untersuchung weitestgehend ausgeschlossen werden.
Praktische Relevanz: Die praktische Relevanz der Ergebnisse liegt im Nachweis der deutlich geringer erlebten psychosozialen Beeinträchtigungen bei kurz vorwärts rotierter Schichtfolge, was dazu führen sollte, bei der Gestaltung von Schichtplänen zukünftig von lang rotierten und insbesondere von lang rückwärts rotierten Systemen Abstand zu nehmen. Lang rotierte Systeme widersprechen damit aus theoretischen Überlegungen wie aus empirischen Ergebnissen nicht den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und sollten daher vermieden werden.

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