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Über dieses Buch

Dieses Buch bietet eine außergewöhnliche Perspektive auf die nachhaltige, lebenswerte und humane Gestaltung urbaner Zukünfte, indem es sich dieser Herausforderung mit Blick auf das Science-Fiction-Kino sowie mit Bezügen zu Literatur, Architektur und Design nähert.Schon im Jahr 2050 sollen mehr als zwei Drittel aller Menschen in Ballungsräumen leben. Doch Großstädte laufen bereits heute Gefahr, an ihre Leistungsgrenzen zu stoßen: In den Megacities drohen Überbevölkerung, Verkehrschaos, Luftverschmutzung und Vereinsamung. Auf welche Weise werden solche zukünftig immer drängenderen Probleme in den fiktionalen Welten von Genreklassikern und aktuellen Blockbustern gelöst? Was lässt sich aus den fantastischen Zukunftsentwürfen zur Bewältigung urbaner Herausforderungen lernen?mediale und nachhaltige Großstadt-Architekturen New-Work-Designs und -KonzepteStrategien gegen gesellschaftliche SpaltungZu diesen und anderen Themen zeigen die Autoren eine Vielzahl von Ideen für die Stadtplanung der Zukunft auf und plädieren für das Nutzbarmachen kreativer Potenziale bei der Gestaltung lebenswerter Umgebungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. ‚Wahr‘scheinliche Zukünfte: Urbanes Leben mit Science-Fiction neu gedacht

Zusammenfassung
In 30 Jahren sollen zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Das Ausmaß und Tempo der globalen Urbanisierung sind schwer vorstellbar – und zugleich eine enorme Herausforderung: Schon jetzt zeigen sich die Probleme in den Metropolen, deren Verkehrs- und Entsorgungssysteme kurz vor dem Kollaps stehen, in denen sinnstiftende Arbeit, öffentliche Plätze und bezahlbare Wohnungen knapper werden und durch zunehmende Individualisierung, Anonymisierung und Gentrifizierung die Stadtgemeinschaft zu scheitern droht. Zugleich handelt es sich bei Städten um komplexe Gebilde, deren zukünftige Entwicklung kaum verlässlich vorauszuberechnen ist. In einer Zeit, in der sich statische Sicherheiten und Verbindlichkeiten immer mehr im Fluiden, im Un(be)greifbaren verlieren, müssen neue Wege gefunden werden, der permanenten Unsicherheit zu begegnen. Ein großes Potenzial, sich diesen Unsicherheiten im Zeitalter der Virtualität zu stellen und sie visuell (be-)greifbar zu machen, sehen wir in der Betrachtung und Analyse von Science-Fiction-Filmen: Die konkreten anschaulichen Bilder des Kinos und die darin enthaltenen Konzepte können dabei helfen, eine lebenswerte Stadt der Zukunft zu entwickeln.
Anke Steinborn, Denis Newiak

Kapitel 2. Von Science-Fiction-Städten lernen: Rückblick auf eine interdisziplinäre Studie

Zusammenfassung
„Sci-Fi-Cities – Stadtzukünfte in Kunst, Literatur und Video“ war der Name eines Forschungsprojekts, das wir 2014/15 in einem interdisziplinären Forschungsteam im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bearbeitet haben. Der Beitrag präsentiert wesentliche Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt und reflektiert die Studie inhaltlich und methodisch an der Schnittstelle von Stadtplanung und Medienwissenschaft. Nach einer kurzen Schilderung des Hintergrunds der Studie legen wir dar, welchen Logiken Stadt(-entwicklungs-)planung folgt, welche Instrumente sie nutzt und wo eine wechselseitige Bezugnahme zu Science-Fiction aus unserer Sicht möglich ist. Anschließend skizzieren wir überblickshaft Erkenntnisse und reflektieren die Methodik sowie die interdisziplinäre Forschungsarbeit.
Steffen Krämer, Moritz Maikämper

Kapitel 3. Downtown: Die unterirdische Stadt im Science-Fiction-Film

Zusammenfassung
Stadtplanung mit Mitteln der Science Fiction? Betrachtet man unterirdische Städte in Science-Fiction-Filmen, erkennt man Räume, in denen sich das Medium Film beobachtet und erkennt. Dies lässt auch Rückschlüsse darauf zu, inwieweit Stadtplanung von den Instrumenten affiziert ist, mit denen sie betrieben wird. Die Inszenierung der unterirdischen SciFi-Städte offenbart Möglichkeiten und Bedingungen des Filmischen, der Film operationalisiert seine Grenzen. Die subterrane Situierung nimmt die wesentliche urbane Entwicklung der letzten zweihundert Jahre – die unterirdische Moderne – und deren selbstreflexive Projektionen auf.
Ingo Landwehr

Kapitel 4. Domed Cities: Kuppeldispositive in der Science-Fiction des 20. Jahrhunderts

Zusammenfassung
Kuppelstädte gehören seit jeher zum Motivrepertoire der Science-Fiction. Von den Nachkriegsjahren bis in die späten 1980er-Jahre erleben sie in Literatur, visueller Kultur und Film eine außerordentliche Konjunktur. In den Science Fiction Studies erhielten sie bislang jedoch überraschend wenig Aufmerksamkeit. Der vorliegende Aufsatz unternimmt einen ersten Schritt, diese Lücke zu füllen. Er fragt nach der komplexen Genealogie und den ideologischen Implikationen dieses urbanen Bildes, das auch in unkonventionellen Projekten der Stadtplanung auftaucht. Obwohl gläserne Kuppeln vielfach als griffige Lösungen für schwerwiegende zivilisatorische und ökologische Probleme präsentiert werden, ist ihre Ausgestaltung, Metaphorik und Wertung von starken Ambivalenzen geprägt. Nachdem sie mit dem Ende des Kalten Krieges und des Weltraumzeitalters fast vollständig von der Bildfläche verschwunden sind, erleben Kuppelvisionen und -architekturen seit der Jahrtausendwende ein erstaunliches Comeback. Angesichts dieser Tendenz erscheint es umso wichtiger, den Topos zu überdenken, denn bereits die historischen Vorläufer zeigen vielfältige Mechanismen sozialer Ein- und Ausschlüsse.
Szilvia Gellai

Kapitel 5. Hypertrophe Megastrukturen: Utopische Architekturkonzepte der Nachkriegszeit in den Stadtvisionen der Blade-Runner-Filme

Zusammenfassung
Im Beitrag werden zunächst Rolle und Funktion der Megastruktur als utopischer Bautyp und Denkform der Nachkriegszeit dargelegt. Darauf aufbauend bildet ein Überblick zu Städten und Megacities in der Science-Fiction die Überleitung zu den beiden Fallstudien. Im Fokus stehen einzelne Bauwerke sowie ganze Stadtlandschaften in Blade Runner (1982) und Blade Runner 2049 (2017). Die Architektur-Utopien der Nachkriegszeit werden in den Filmen zu Stadtdystopien der Postmoderne. Von besonderem Interesse in der Umdeutung der Wertigkeiten und Formensprachen der Megastrukturen ist für die vorliegende Studie der ökokritische Aspekt. Derart werden nicht nur die Utopien der Nachkriegszeit kritisch hinterfragt und aktuelle Tendenzen im Architekturdiskurs aufgezeigt. In Zeiten des Klimawandels werden insbesondere die Potentiale der megalomanen Zukunftsstädte des Blade-Runner-Universums als Kapitalismus und Anthropozän kritisierende Bildwelt erläutert.
Marc Bonner

Kapitel 6. Der Klang der Zukunftsstädte: Zur musikalischen und akustischen Gestaltung filmischer SciFi-Cities

Zusammenfassung
Seit einigen Jahren rückt in städtebaulicher Hinsicht neben der Berücksichtigung ökologischer, sozialer und rechtlicher Aspekte auch eine akustische Stadtplanung als Teil der übergreifenden Disziplin Sound Studies zunehmend ins Blickfeld. Dies geht einher mit den analytischen und künstlerischen Ergebnissen neuerer Klangforschung und -komposition. Der Ausgangspunkt dieser Studie über den Klang der Zukunftsstädte war die Frage, inwieweit (jenseits allgemeiner elektronischer Soundkulissen) spezifische raumklangliche Konzepte in Science-Fiction-Filme mit urbanen Schauplätzen Eingang gefunden haben. Das Ergebnis der Analysen von einschlägigen Spielfilmen seit den 1970er Jahren hinsichtlich ihrer akustischen Gestaltung von Scifi-Cities lässt sich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) als eine Revue der verpassten tondramaturgischen und klangkompositorischen Chancen charakterisieren.
Wolfgang Thiel

Kapitel 7. Audiovisuelle Architekturen: Medienfassaden in der filmischen Stadt der Zukunft

Zusammenfassung
Medienfassaden, also Gebäudeoberflächen, die als (audio-)visuelle Informationsträger dienen, prägen zunehmend urbane Räumlichkeiten. Wie mit ihrer inhaltlichen Gestaltung, ihrer Verortung und ihren möglichen Einsatzzwecken umgegangen werden kann, wird aus architektonischer und städteplanerischer Perspektive derzeit intensiv diskutiert. Der Beitrag zeigt, inwiefern auch der Science-Fiction-Film, der sich in vielen Werken von Blade Runner über Equilibrium bis zu The Zero Theorem mit Medienfassaden beschäftigt, zu diesem Diskurs beitragen kann: Wie können kinematographische Medienfassaden als Dispositive von Konsum, Information oder Politik verstanden werden? Welche Konsequenzen werden ihrem Attraktions- und ihr Aufklärungscharakter, welche ihrem Propaganda- und ihrem Partizipationspotential zugeschrieben? Und inwiefern kann dadurch die Science-Fiction als Vor- oder Warnbild für Städteplanung und Architektur dienen?
Peter Podrez

Kapitel 8. Das Ende der Stadtgemeinschaft? Urbane Einsamkeiten und städtebauliche Antworten am Beispiel von Her

Zusammenfassung
Mit fortschreitender Urbanisierung geraten Gemeinschaften in den spätmodernen Gesellschaften immer stärker unter Druck. Künstliche Intelligenzen versprechen, die Einsamkeiten der Stadtmenschen besser ertragbar zu machen. Science-Fiction-Filme hingegen warnen seit Langem vor den möglichen Auswirkungen von virtuellen Sprachassistenten und Robotern auf die Städte, deren Bewohner nur noch weiter vereinzeln könnten. Wie können die Metropolen sich rüsten, um dem Trend urbaner Einsamkeit im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz entgegenzuwirken? Der Beitrag trägt implizite und explizite Vorschläge ausgewählter Beispiele des Genres zusammen, die in der Stadtplanung zur Entwicklung konkreter Konzepte genutzt werden können, um eine lebenswerte Stadt der Zukunft im Zeitalter der Einsamkeit zu entwickeln.
Denis Newiak

Kapitel 9. Alles schon geträumt? Science-Fiction und das kollektive Unbewusste bei Hannah Arendt und Susan Sontag

Zusammenfassung
Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre trifft in der amerikanischen Gesellschaft naiver Zukunftsoptimismus auf Angstphantasien von atomarer Bedrohung und Kaltem Krieg. Nach Hannah Arendt („Vita Activa“, 1959) und Susan Sontag („Die Katastrophenphantasie“, 1965) artikulieren sich in der Science Fiction kollektive Sehnsüchte und Alpträume. Welche Visionen vom zukünftigen gesellschaftlichen Miteinander werden hier entworfen und wie können diese für Gegenwartsdiskurse nutzbar gemacht werden? Technologisches Wunschdenken, die Rolle der Naturwissenschaftler in einer neuen Gesellschaftsordnung und die Chance des Neuanfanges, die in Zerstörung und Destruktion liegt, werden im utopischen Film beispielhaft durchgespielt. Die Zukunft erscheint nicht mehr „wie im Traum“, sondern nur noch „wie im Kino“.
Kristina Jaspers

Kapitel 10. Futures Thinking: Von Zukunftsstädten zu Stadtzukünften

Zusammenfassung
Wie das Kino zieht die ebenso traumhafte wie traumatische Großstadt die Menschen in ihren Bann. Mit ihrem Leben und ihren Lichtern verführt sie, schürt Hoffnungen ebenso wie Ängste, die wiederum in den Utopien und Dystopien filmischer Science-Fiction-Städte verdichtet werden. Bei der Betrachtung jener Städte fällt auf, dass dystopische Großstadtvisionen dominieren und sich selbst zunächst positiv konnotierte Zukunftsstädte im Handlungsverlauf als inhumane Umgebungen entlarven bzw. zu solchen entwickeln. Der Artikel skizziert, wie man aus diesen dystopischen Zukunftsszenarien Potenzial für positive Ansätze bei der Gestaltung des zukünftigen urbanen Zusammenlebens schöpfen und damit nicht nur die Stadtentwicklung nachhaltig beeinflussen kann. Die Methode des Futures Thinking beleuchtend, wird dargelegt, wie wir über iterative Prozesse (er-)lernen, unserer Intuition zu vertrauen und vor allem mit Unsicherheiten umzugehen, ja sogar – wie Elena Esposito fordert – „eine Wissenschaft der Unsicherheit“ als Schlüsselkompetenz der Zukunftsforschung zu entwickeln.
Anke Steinborn

Backmatter

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