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19.04.2021 | Venture Capital | Infografik | Onlineartikel

Deutschland bleibt für internationale Investoren attraktiv

Autor:
Swantje Francke
3:30 Min. Lesedauer

Internationale Investitionsströme sind in der Corona-Pandemie zähflüssiger geworden. Auch wenn manche Industrieländer als sichere Häfen für Auslandsinvestitionen gelten, offenbart der FDI Confidence Index auch dort Hemmnisse.

Internationale Anleger rechnen für das laufende Jahr nur mit einer langsamen Erholung der Investitionsströme. Unsicherheitsfaktoren wie die Pandemie, Handelskonflikte und Datennationalismus sorgen für Verunsicherung, die sich in ausländischen Direktinvestitionen niederschlägt, wie aus dem aktuellen Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index der Unternehmensberatung Kearney hervorgeht. Die Erhebung basiert auf der Befragung von Führungskräften in weltweiten Top-Unternehmen im Januar und Februar.

Martin Eisenhut, Partner und Managing Director Deutschland, Österreich, Schweiz bei Kearney konkretisiert die allgemeine Stimmungslage in Zahlen: "Nur 57 Prozent geben sich optimistisch, was die globale Weltwirtschaft und die Investitionsaussichten in den nächsten drei Jahren betrifft. Vor und zu Beginn der Pandemie 2020 lag dieser Wert noch bei 72 Prozent."

Industrieländer punkten bei Investoren mit Infrastruktur

Ein massiver Rückgang an Auslandsinvestitionen ist laut Kearney in fast allen Ländern zu beobachten. Industrieländern fließt dabei noch der Großteil der getätigten Investitionen zu. Viele Anleger setzen auf sichere Investment-Häfen wie die USA, Kanada und Deutschland.

Trotz Brexit gewinnt Großbritannien an Attraktivität und verbessert sich auf eine Platzierung direkt hinter den Dreien. Als eines der wenigen Länder verzeichnete Spanien, das von der Pandemie besonders betroffen war, sogar einen Anstieg der Mittelzuflüsse. Etablierte Märkte, führt Eisenhut aus, böten den Führungskräften mehr Sicherheit und Stabilität. "Zum anderen bevorzugen Investoren Länder mit guter Infrastruktur, starker Governance, technologischer Innovationsfähigkeit sowie makroökonomischer Stabilität - alles natürliche Stärken der Industriestaaten", ergänzt er.

Nicht nur Schwellenländer stolpern 

Aus diesem Zusammenhang heraus erklärt sich auch das schlechte Abschneiden der Schwellenländer im Index: Nur China, die Vereinigten Arabischen Emirate und Brasilien haben es in das Ranking geschafft. Doch während China in der Vergangenheit stets Spitzenplätze belegte, bremst Auslandsinvestoren nun die Angst vor einer Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China ebenso wie ein grundsätzliches Umdenken bei der Gestaltung internationaler Lieferketten: China rutsch um vier Plätze auf Rang zwölf ab.

Obwohl die Konjunktur in Deutschland im Corona-Jahr weniger nachgab als in vielen anderen Ländern, gingen die Auslandsinvestitionen hierzulande dennoch um mehr als 60 Prozent auf 23 Milliarden US-Dollar zurück. Zukünftige Deals könnten jedoch unter Einfluss verschärfter Investitionskontrollen kniffeliger werden. Als Reaktion auf die Pandemie landeten demnach im vergangenen Jahr Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft auf der Liste der kritischen Wirtschaftssektoren. Zudem verlängerte das Wirtschaftsministerium die Prüffristen und die Beteiligungsschwelle bei kritischer Infrastruktur für Investitionen aus Drittländern wurde von 25 auf zehn Prozent abgesenkt.

Sorge um Datennationalismus

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für ausländische Investitionsentscheidungen besteht im zunehmenden Eingriff von Staaten in die Datenverarbeitung, die für 65 Prozent der befragten Unternehmen bis zur 30 Prozent umsatzrelevant ist.

In diesem Zusammenhang wäre die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu nennen: Zahlreiche Nachahmer wie Thailand oder Brasilien lassen demnächst neue Datenschutzgesetze in Kraft treten, der US-Bundesstaat Kalifornien folgt im Jahr 2023. Neben Datenschutzgesetzen und steigenden Regulierungskosten stellen Cyber-Sicherheitsgesetze, die den sogenannten "freien Datenfluss" einschränken, Unternehmen vor Hürden. Demzufolge befürchten ausländische Investoren einen zunehmenden Datennationalismus.

Pandemie ist größtes Risiko

Das größte Hemmnis für Auslandsinvestitionen jedoch bleibt nach wie vor die globale Corona-Pandemie. Von ihrer Dauer werde das Wirtschaftswachstum in Abhängigkeit von der Wirksamkeit der Konjunkturmaßnahmen und dem Erfolg der Impfkampagnen abhängen, ist sich Daniela Chikova, Partner Financial Services bei Kearney, sicher. 

"Trotz anhaltender makroökonomischer Herausforderungen sehen Investoren ausländische Direktinvestitionen in den nächsten drei Jahren weiterhin als entscheidend für die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen an. Und selbst mit der zunehmenden Vorsicht der Anleger in diesem Jahr wird der Einbruch der ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2020 wahrscheinlich kein fester Bestandteil der Weltwirtschaft werden."

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