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10.09.2018 | Verbindungstechnik | Nachricht | Onlineartikel

Biomimetische Klebstoffe für die Medizintechnik

Autor:
Dr. Hubert Pelc

Forschern am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM ist es gemeinsam mit Partnern aus der Medizin gelungen, einen medizinischen Klebstoff zur Entfernung von Nierensteinresten für die endoskopische Therapie zu entwickeln. Ein Spin-off-Unternehmen des Instituts wird diese Technologie nun weiter vorantreiben.


Der Biologe Ingo Grunwald und der Ingenieur Manfred Peschka sind erfahrene und langjährige Mitarbeiter am IFAM und die Gründer des neuen Unternehmens Purenum. Sie haben früh erkannt, dass der Bedarf für ein breites Spektrum an medizinischen Klebstoffen besteht. Ein besonders hohes Anwendungspotenzial ergibt sich zum Beispiel allein in Deutschland mit über einer Million jährlichen Behandlungsfällen im Bereich der Nierensteinerkrankungen. Bei vielen Tausenden Patienten werden endoskopische Behandlungen durchgeführt, um die Nierensteine zu entfernen.

„Kleinere Steintrümmer, wie sie bei der endoskopischen Laser- oder der Stoßwellentherapie von Nierensteinen entstehen, können bislang nicht zuverlässig entfernt werden, da diese zum Greifen zu klein sind und somit in der Niere verbleiben. Wissenschaftliche Veröffentlichungen weisen darauf hin, dass diese Restfragmente die Ursache erneuter Steinbildungen sein können. Der ausgesprochene Wunsch von Urologen, den Patienten auch von kleinen Steintrümmern befreien zu können, rückt nun mithilfe des neuartigen Nierensteinklebstoffes in ‚greifbare‘ Nähe“, erläutert Ingo Grunwald.

Nierensteinfragmente intelligent verklebt

„Der Vorteil des medizinischen Klebstoffes liegt darin, dass die Klebstoffapplikation ohne neues Instrumentarium oder zusätzliche komplizierte Verfahrensschritte in bisherige endoskopische Operationsverfahren integriert werden kann. Nach dem Entfernen der großen Nierensteine werden die verbleibenden Restfragmente mit dem so genannten ‚mediNiK‘-Klebstoff verklebt, der mit dem Endoskop während der Operation über die Harnwege zugeführt wird. Das Klebstoff-Steinfragment-Konglomerat wird hierdurch so groß, dass es problemlos mit den üblichen Fanginstrumenten entfernt werden kann“, beschreibt Manfred Peschka das neuartige Verfahren. „Aber das eigentliche Know-how steckt in der Entwicklung des Klebstoffes selbst: Der Klebstoff weist eine selektive Adhäsion auf und haftet weder an den verwendeten medizinischen Instrumenten noch an dem Nierengewebe, sondern verklebt nur die Steinfragmente. Das polymerisierte und elastische Klebstoffgel ist über die Endoskop-Kamera sehr gut sichtbar und gibt hierdurch dem behandelnden Urologen Hinweise auf mögliche Klebstoffreste“, erklärt Peschka den Nutzen für die Medizintechnik.

Weitere Neuentwicklungen mit Partnern geplant

„Seit der Gründung von Purenum im Dezember 2017 ist mit der nun abgeschlossenen ersten Finanzierungsrunde ein guter Zeitpunkt gekommen, um an die Öffentlichkeit zu gehen“, resümieren die Gründer. An der Finanzierung beteiligten sich unter anderem der High-Tech-Gründerfond (HTGF) und die BAB Beteiligungs- und Managementgesellschaft Bremen – eine 100%ige Tochter der Bremer Aufbau-Bank (BAB). Neben der Zulassung und Vermarktung des neuen Verfahrens zur Nierensteinentfernung mithilfe eines biokompatiblen Klebstoffes sehen die beiden Unternehmer zahlreiche Potenziale zum Einsatz von weiteren Klebstoffen in der Medizintechnik. „Bei der aufwendigen Entwicklung von Medizinprodukten sind Kontakte zu qualifizierten Forschungspartnern und Anwendern in der Klinik – neben der wissenschaftlichen Expertise von Purenum – die richtigen Bausteine für eine gesunde Zukunft“, beschreiben Ingo Grunwald und Manfred Peschka die wichtigste Basis ihres neuen Unternehmens.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Bausteine des Lebens

Aminosäuren Aminosäure und Proteine
Quelle:
Einführung in die Chemie nachwachsender Rohstoffe

01.12.2017 | Geklebte Medizinprodukte | Ausgabe 12/2017

Elektronenstrahlen verbessern Haftfestigkeit von UV-Klebstoffen

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