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06.09.2018 | Verbindungstechnik | Nachricht | Onlineartikel

Klebstoffindustrie in der Kostenfalle

Autor:
Dr. Hubert Pelc
2:30 Min. Lesedauer

Nach Auskunft des Industrieverbandes Klebstoffe (IVK) führen deutliche Preissteigerungen bei Basischemikalien und Zwischenprodukten sowie eingeschränkte Verfügbarkeiten und eine starke globale Nachfrage zu einer signifikanten Verteuerung von Klebrohstoffen.


Wie der IVK mitteilt, beobachtet die Klebstoffindustrie seit Beginn des Jahres 2016 mit Besorgnis deutliche Preissteigerungen bei Basischemikalien und Zwischenprodukten, die die Ausgangsbasis für eine Vielzahl wichtiger Klebrohstoffe sind.

Der Kontraktpreis für Ethylen in Europa sei in den vergangenen 24 Monaten um etwa 40 Prozent angestiegen, der Preis für Propylen sogar um 70 Prozent. Butadien, dessen Preis sich nahezu verdoppelt habe, und Styrol (+30 Prozent) gehören in die Kategorie der sogenannten „volatilen Rohstoffe“, deren Preisniveau in Europa stark von der globalen Angebots- und Nachfragestruktur abhängen.

Bereits seit Mitte 2016 wirken sich die Mehrkosten für die Basischemikalien in Form spürbar deutlicher Preissteigerungen bei den Zwischenprodukten und den Spezialchemikalien aus. Beim Vinylacetatmonomer (VAM), dem Hauptrohstoff für wässrige Dispersionsklebstoffe, sowie für sogenannte EVA Polymere, verzeichne die Klebstoffindustrie seit Ende 2016 Preissteigerungen von 40 Prozent. Als Ursache wird eine angespannte, von Importen abhängige Versorgungssituation aufgrund eines anhaltenden Nachfragesogs, insbesondere aus den asiatischen und US-amerikanischen Märkten, angegeben.

Die Einstandskosten für die  typischen Rohstoffe zur Herstellung thermoplastischer Schmelzklebstoffe – EVA Polymere, Polyolefine, Harze und Wachse –  seien im gleichen Zeitraum entsprechend der vorgenannten Kostenentwicklung der Rohstoffe ebenfalls deutlich gestiegen.

Darüber hinaus sieht der IVK in den stetig steigende Regulierungskosten und der Verknappung von Frachtkapazitäten Gründe für die spürbaren Mehrbelastungen der Kostenstruktur deutscher Klebstoffhersteller. 

PUR-Klebstoffe besonders betroffen

Die eingeschränkte Verfügbarkeiten bei Polyestern und Isocyanaten wirke sich besonders dramatisch aus. Diese Ausgangschemikalien sind die Hauptbestandteile der Polyurethan-Schmelzklebstoffe. So betrugen die Preissteigerungen für Isocyanate  in den vergangenen zwei Jahren bis zu 70 Prozent. Durch etliche Force Majeur-Meldungen verschiedener Hersteller im Jahr 2017 sei die Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt weiterhin eingeschränkt, sodass sich Klebstoffindustrie sich mit deutlich gestiegenen Rohstoffkosten konfrontiert sieht. Durch den sehr hohen Anteil an Isocyanaten in der Formulierung von PUR-Klebstoffen seien die Herstellkosten dieser Produkte besonders betroffen.

Angespannte Formulierungs- und Herstellkostenstruktur

Die weiterhin eingeschränkte Rohstoffverfügbarkeit, verbunden mit einer andauernd starken globalen Nachfrage bei chemischen Grundstoffen und Spezialchemikalien, aus denen Klebstoffe hergestellt werden, führen nach Angaben des IVK letztlich zu weiteren Mehrbelastungen der Formulierungs- und Herstellkostenstruktur deutscher Klebstoffhersteller.

Darüber hinaus sei die gesamte chemische Industrie, zu der auch die Klebstoffindustrie zählt, mit einer Vielzahl nationaler und europäischer Gesetze und Verordnungen (EEG, BImSchG, REACh, CLP, EU-BiozidVO etc.) konfrontiert, welche in der gesamtem Wertschöpfungskette erhebliche administrative Zusatzkosten verursachen.

Eine gegenwärtig besondere Herausforderung sollen zudem die knappen Frachtkapazitäten in Europa darstellen, die unmittelbar auf den zunehmenden Mangel an qualifiziertem Fahrpersonal zurückzuführen seien –  und in der Folge zu einem deutlichen Anstieg der Transportkosten geführt haben.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.11.2017 | Märkte, Fakten, Zahlen | Ausgabe 11/2017

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