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10.11.2020 | Verbundwerkstoffe | Interview | Onlineartikel

"Ob sich der Composites-Markt erholt, hängt vom Pandemieverlauf ab"

Autor:
Thomas Siebel
2:30 Min. Lesedauer

Die Anwenderbranchen Automobilbau, Luftfahrt und Bau wurden unterschiedlich stark von der Corona-Krise getroffen. Die aktuellen Lagen und die Perspektiven erläutert Elmar Witten im Interview.

lightweight.design: Seit März gibt es branchenübergreifend fast nur noch ein Thema: die Corona-Pandemie. Wie wirkt sich die Krise auf die GFK-Branche aus?

Witten: Die Auswirkungen sind höchst unterschiedlich. Zum einen sind die Anwendungen in der Composites-Industrie äußerst heterogen, zum anderen reagieren die  Industriezweige unterschiedlich schnell auf entsprechende externe Einflüsse. Besonders stark betroffen sind derzeit vor allem die Automobil- und die Luftfahrtindustrie. In diesen Bereichen sind besonders starke Rückgänge zu verzeichnen. Der Baubereich, und hier vor allem Großprojekte wie zum Beispiel der Rohrleitungsbau, reagiert weniger schnell auf die derzeitigen Herausforderungen. Ein Projekt mit einem Planungszeitraum von teils mehreren Jahren wird nicht auf einmal zurück genommen. Dort wird also fast ohne mengenmäßige Einschränkungen produziert.

Laut der 15. Composites-Markterhebung ist die Stimmung in der Branche am Tiefpunkt. Liegen die Gründe ausschließlich in der Corona-Krise?

Diese Stimmung ist vor allem den sinkenden Produktionsmengen geschuldet. Wir rechnen derzeit mit einem Rückgang der europäischen Herstellungsmenge von Composites im Jahr 2020 von knapp über 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Einbruch ist vor allem und in dem Ausmaß der Corona-Krise geschuldet. Die Einschnitte in den ersten Wochen und Monaten seit Beginn der Pandemie waren doch so erheblich, dass auch in der gesamten Jahresbetrachtung mit deutlichen Rückgängen zu rechnen ist. Insgesamt wird die Pandemie einen deutlichen Einfluss auf den Markt und das Marktumfeld haben. Es dürften Einschnitte sein, die vergleichbar sind mit der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007/2008. Ob beziehungsweise wie schnell sich der Gesamtmarkt – und einzelne Marktsegmente – nun wieder erholen kann, hängt auch mit dem weiteren Pandemieverlauf zusammen.

Wann wird sich die Branche wieder erholen?

Diese Frage lässt sich derzeit nicht abschließend beantworten. Aufgrund der unterschiedlichen Stärke der Auswirkungen und der Reaktionsgeschwindigkeiten unterschiedlicher Branchen ist aber zu erwarten, dass die Einschnitte uns noch eine gewisse Zeit begleiten werden. In der Luftfahrt beispielsweise ist derzeit nicht davon auszugehen, dass das Vorkrisenlevel schnell wieder erreicht wird. Die Auswirkungen auf die Bauindustrie waren derzeit im GFK-Bereich eher gering, es kann aber sein, dass sich hier entsprechende Auswirkungen erst auf mittlere Sicht zeigen. In der Automobilindustrie scheint die Talsohle bereits überschritten zu sein und die Produktionszahlen steigen wieder. Aber auch hier ist das Vorkrisenniveau noch lange nicht wieder erreicht. Hier kommen zu den entsprechenden einmaligen negativen Einflüssen der Corona-Pandemie aber auch grundlegende Änderungen beziehungsweise Paradigmenwechsel innerhalb der Industrie mit hinzu.

Herr Dr. Witten, vielen Dank für das Interview.

Das vollständige Interview finden Sie im AVK Composites Navigator 2020.

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