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29.09.2023 | Verbundwerkstoffe | Interview | Online-Artikel

"Die chinesische Wirtschaft treibt bewusst Innovationen voran"

verfasst von: Markus Bereszewski

3 Min. Lesedauer

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Deutsche Hersteller von Faserverbundwerkstoffen sehen sich in China einer Wirtschaft gegenüber, die alte Stärken wahrt und neue aufbaut. Elmar Witten und Volker Mathes von der AVK fordern im Interview eine Reaktion.

lightweight.design: Asien hat in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile gewonnen. Woran liegt das?

Elmar Witten: Galt Asien früher oft als verlängerte Werkbank Europas, so hat sich dies mittlerweile gewandelt. Zwar sehen wir immer noch eine starke Abwanderung der Produktion von Commodities nach Asien, aber vor allem der inländische Markt und somit auch die Nachfrage in der Region sind sehr stark. Es wird verstärkt für den regionalen und inländischen Markt mit hohen Absatzzahlen produziert. Daneben spielt natürlich auch das Preisniveau eine wichtige Rolle. Asiatische und vor allem auch chinesische Hersteller produzieren immer noch sehr günstig, wobei vielfach auch neue Maschinen und Infrastruktur zum Einsatz kommt. Wir sehen hier einen großen Willen zur Investition.

Inwieweit ist das eine Bedrohung für Deutschland und Europa?

Volker Mathes: Ich möchte hier nicht von Bedrohung sprechen. Es birgt aber nicht unerhebliche Risiken für die Industrie und die deutsche Wirtschaft. Im Bereich der Rohstoffversorgung sehen wir einen enormen Preisdruck, der den europäischen Anbietern sehr zu schaffen macht. Daneben birgt eine hohe Abhängigkeit von Asien aber auch Risiken für die Versorgung mit Rohstoffen, Halbzeugen und Endprodukten. Die Corona-Krise und die Störungen der Logistikketten haben uns diese Risiken deutlich vor Augen geführt. Eine zu hohe Abhängigkeit von nur einem oder wenigen Partnern birgt immer nicht zu kalkulierende Risiken. Daneben spielen politische und soziale Aspekte eine wichtige Rolle. Generell ist aber der Gedanke an eine rein regionale Versorgung eher abwegig. Unsere Industrie ist schon lange durch starke internationale Verflechtungen gekennzeichnet. Diese einfach aufzulösen, wird weder mittel- noch langfristig gelingen. Es gilt alles dafür zu tun, die Industrie in Deutschland und Europa konkurrenzfähig zu machen beziehungsweise zu halten. Hier ist aber vielfach auch die Politik gefordert, entsprechend förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Stellt der wachsende asiatische Markt vor allem in China nicht auch eine enorme Chance dar?

Elmar Witten: Wie bereits erwähnt, hat sich die chinesische Wirtschaft gewandelt. Man ist nicht mehr länger „nur“ Produzent für andere, sondern Innovationen werden bewusst getrieben und initiiert. Das Selbstbewusstsein der Hersteller steigt und der einheimische Markt wird kontinuierlich stärker. Die früheren Abhängigkeiten von europäischen OEMs schwinden. Man tritt selbstbewusst mit eigenen Marken auf. Es deutet sich eine starke Änderung der wirtschaftlichen Beziehungen an beziehungsweise diese ist bereits da. Hier muss reagiert werden. Ein Weiter so wird auf Dauer nicht funktionieren. Man darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen, dass viele Unternehmen auch gutes Geld mit asiatischen und vor allem chinesischen Kunden verdienen. Sei es beispielsweise im Automotive-Bereich, im Maschinenbau oder auch mit Konsumgütern.

China ist nicht nur Konkurrenz, sondern auch wichtiger Kunde mit wachsenden Märkten. Die Verfügbarkeit von Kapital, staatlicher Förderung und Investitionsbereitschaft ist sehr hoch. Das bietet große Chancen für die europäische und deutsche Industrie, als Partner daran zu partizipieren. Natürlich ist auch hier die politische Situation schwierig und es gilt entsprechend Druck auszuüben, dass Mindeststandards beachtet werden. Dennoch ist das Ausbildungsniveau bei uns weiterhin sehr hoch und es werden hervorragende Produkte und Dienstleistungen angeboten. Innovationen und Entwicklungen werden auf hohem Niveau vorangetrieben und "Made in Germany" muss sich nicht verstecken. Ein partnerschaftliches Miteinander mit dem Bewusstsein der eigenen Stärke und Fähigkeiten sollte dazu führen, mit beidseitigem Vorteil in der Zukunft zusammenzuarbeiten.

Lesen Sie das komplette Interview mit Elmar Witten und Volker Mathes im AVK Composites Navigator (Seite 7).


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