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10.05.2019 | Vergütung | Im Fokus | Onlineartikel

Was Manager beim Gehalt beachten sollten

Autor:
Andrea Amerland

Wann ist viel zuviel? Rund um die Vergütung von Managern gehen bei dieser Frage die Meinungen weit auseinander. Finden Normalverdiener die Summen schwindelerregend hoch, fühlen sich Manager oft unterbezahlt. Schlecht verhandelt oder gierig?

Geht es um die Bezüge von Top-Managern, die in regelmäßigen Abständen durch die Medien geistern, rollt zumeist eine Empörungswelle durch die Republik. Viele Normalverdiener finden die XXL-Gehälter von Vorständen und Aufsichtsräten ungeheuerlich. So geben etwa zwei von drei Deutschen an, das es unangemessen sei, wenn eine Führungskraft hundertmal mehr verdient als der durchschnittliche Angestellte eines Unternehmens. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Allensbach, die der Soziologe Rainer Zitelmann beauftragt und ausgewertet hat. Demnach unterschreibt nur jeder fünfte Deutsche die Aussage, dass Unternehmen nur dann die besten Manager bekommen können, wenn sie sehr hohe Gehälter zahlen. 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Vergütung

In diesem Kapitel wird zunächst die Bedeutung von Gehalt thematisiert. Ist Gehalt eine Voraussetzung oder eine Konsequenz von Arbeit? Nachdem unterschiedliche entgeltpolitische Strategien thematisiert wurden, wendet sich dieses Kapitel der Grundvergütung und der variablen Vergütung zu. 


Vielen Deutschen ist wichtig, wie jemand sein Geld verdient. Während sechs von zehn Befragten Unternehmern und Selbständigen ihr Vermögen gönnen, gelingt das bei Spitzensportlern nur jedem dritten. Bei Erben und Spitzenmanagern kann noch jeder fünfte mit deren Einkommen leben. Bei Finanzinvestoren und Bankern gilt das sogar nur noch für jeden zehnten. 

Regulierung bei Managementvergütung wird diskutiert

Der Versuch, Managergehälter zu deckeln, ist aber bislang gescheitert. So passierte eine entsprechende Initiative 2013 nicht den Bundesrat und die europäischen Überlegungen schwanken zwischen Selbstregulierung durch den Markt und einer rechtlichen Obergrenze bei der Managementvergütung.

Die Führungskräfte in Deutschland werden nicht traurig sein, dass es hierzulande bislang keine gesetzliche Obergrenze bei Managergehältern gibt. Denn sie empfinden ihre Bezahlung häufig als nicht angemessen. So geben 49 Prozent von insgesamt 1.000 Befragten Führungskräften an, zu wenig zu verdienen, so das Ergebnis einer von der Max Grundig Klinik auf der Bühlerhöhe in Auftrag gegebene Studie, einer Institution, die regelmäßig Studien zur körperlichen und seelischen Gesundheit von Managern macht.

Managergehälter zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Immerhin 44 Prozent denken, dass ihre Entlohnung gerecht ist und vier Prozent glauben, zu viel Geld für ihre Arbeit zu bekommen. Bei den weiblichen Führungskräften sieht es allerdings anders aus. Zwei von drei Frauen (66 Prozent) fühlen sich laut der Umfrage ungerecht bezahlt. Das spiegelt das Gender Pay Gap wieder, demzufolge Frauen unbereinigt – also ohne Berücksichtigung von Beruf, Teilzeit oder ähnlichem – 21 Prozent weniger verdienen als Männer. 

Auskunft darüber, wie hoch die Gehälter von Fach- und Führungskräften sind, gibt der Stepstone Gehaltsreport 2019. Demnach erhalten Personalverantwortliche durchschnittlich 67.868 Euro, am meisten bekommen Ärzte mit einem Bruttodurchschnittsgehalt von mehr als 77.000 Euro. Im Ranking folgen Führungskräfte im Finanzwesen (72.000 Euro) und im Bankenwesen (64.000 Euro). 

Beim Thema Vergütung herrscht Intransparenz

Doch woher kommt das Empfinden, zu wenig zu verdienen? Auch wenn in Deutschland noch immer die Devise gilt "Über das Gehalt spricht man nicht", sorgen Gehaltsstudien für mehr Transparenz. "Insgesamt dürften jedoch die hohen Gehälter – vor allem im Finanz- und Versicherungswesen – so manche Führungskraft überraschen", schreibt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die Vergütung der Führungskraft. Anders als "in Ländern wie den USA, wo das Gehalt der Ausdruck des persönlichen Erfolges ist oder Schweden, wo mangels Steuergeheimnis für jedermann sichtbar ist, wer tatsächlich wie viel Steuern zahlt" (Seite 28), regiert in Deutschland beim Gehalt die Geheimniskrämerei.

Tipps, um Vergütung zu prüfen

Da oft Vergleichswerte fehlen und auch das Entgelttransparenzgesetz als wirkungsloses Bürokratiemonster nicht hilft, sollten Manager bereits in den Gehaltsverhandlungen vor der Einstellung die richtigen Weichen bei der Vergütung stellen. Fachanwalt und Springer-Autor Abeln rät (Seite 30 ff.):

  1. In Managerverträgen weit verbreitete Überstundenklauseln, die nicht exakt regeln, in welchem Umfang Überstunden bereits durch das Fixgehalt abgegolten sind, sind nicht zulässig. In der Rechtssprechung existieren dazu entsprechende Urteile. 
  2. Beim variablen Anteil der Vergütung, die zumeist an eine Zielvereinbarung geknüpft sind, ist wichtig:
    • dass der Bonuszeitraum und alle relevanten Ziele schriftlich fixiert werden
    • dass die die Auswirkungen von Nicht- und Übererfüllung eindeutig benannt sind
    • dass die einzelnen Ziele klar definiert werden, damit kaum Interpretationsspielraum bleibt
    • dass die Ziele realistisch und die 100-prozentige Zielerreichung möglich ist
    • dass die vorhandenen Rahmenbedingungen für Zielerreichbarkeit berücksichtigt werden
    • mögliche Zielkonflikte zu beachten.

Ändern sich die Zielvorgaben durch veränderte Rahmenbedingungen, so dass diese nicht mehr erreichbar sind, sollten Manager auf einer Anpassung der Ziele bestehen, so Abeln weiter. "Angebote zu Vertragsänderungen, insbesondere wenn diese Auswirkungen auf den finanziellen Teil der Vertragsverpflichtungen haben, sollten immer kritisch bewertet und gegebenenfalls rechtlich geprüft werden", rät Abeln (Seite 50). Eine rechtliche Prüfung empfiehlt sich im Zweifelsfall auch bei weiteren möglichen Vergütungsbestandteilen wie vertragliche Bonusregelungen, die Mitarbeiterbeteiligung, etwa in Form von Stock Options, oder Sachbezüge, wie beispielsweise den Dienstwagen.

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