Jedes zweite Unternehmen ignoriert Entgelttransparenzgesetz
- 24.11.2025
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Weltweit legen Unternehmen ihre Gehälter eher ungern offen. 48 Prozent der Firmen wollen laut einer Studie daran auch nichts ändern - und das, obwohl ab Juni 2026 eine EU-Richtlinie zu mehr Entgelttransparenz verpflichtet.
Zwar schließt sich hier und da der Gender Pay Gap, dennoch sind viele Unternehmen nicht sonderlich daran interessiert, die Vergütungen ihrer Beschäftigten für alle Bereiche und Regionen offenzulegen.
Bulat/stock.adobe.com
Bereits 2023 wurde die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz erlassen und ließ den Unternehmen in Europa drei Jahre Zeit zur Umsetzung. Spätestens bis Juni 2026 müssen Firmen für mehr Transparenz hinsichtlich der Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit sorgen. Das Ziel: Diskriminierungen bei der Entlohnung und den Gender Pay Gap beseitigen.
Wirkt die Gesetzeskeule?
Doch auch die Gesetzeskeule tangiert viele Firmen bislang wenig. Trotz der nahenden Pflicht teilen bislang nur drei Prozent der Unternehmen weltweit ihre Gehaltsspannen mit Bewerbenden in allen Regionen, stellt der Pay Transparency Survey 2025 der Unternehmensberatung Willis Tower Watson (WTW) fest. Und knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (48 Prozent) plant noch nicht einmal, dies zu tun.
Der hohe Anteil an Unternehmen, die nicht planen, ihre Gehaltsspannen transparent offen zu legen, zeigt uns, dass viele Firmen die Brisanz noch nicht erkannt haben." Florian Frank, Head of Work and Rewards bei WTW
Furcht vor Vergütungsdiskussionen
Dessen ungeachtet betrachten 79 Prozent der befragten Unternehmen die neuen regulatorischen Anforderungen durchaus als Treiber für Veränderungen in der Vergütungskommunikation. Neun von zehn Befragten rechnen der Umfrage zufolge mit einem signifikanten Anstieg von Nachfragen und Gehaltsverhandlungsgesprächen durch Bewerbende und eigene Mitarbeitende.
Die Umfrage liefert auch Hinweise darauf, warum die Umsetzung der Entgelttransparenz so schleppend verläuft, obwohl der Druck im Kessel steigt: Als größte Hürden werden genannt:
- die potenziellen Mitarbeiterreaktionen (53 Prozent),
- Bedenken hinsichtlich der Fähigkeiten des Managements (50 Prozent),
- unzureichende Gehaltsprogramme (35 Prozent),
- Unentschlossenheit hinsichtlich der globalen Transparenzambitionen (33 Prozent),
- die administrative Komplexität (30 Prozent).
Bewusstsein für Gender Pay Gap steigt
Immerhin scheint sich ein wenig in puncto geschlechtergerechter Bezahlung zu tun. Laut der Auswertung veröffentlicht ein Viertel der Unternehmen freiwillig die unbereinigte Lohnlücke und zwei von fünf haben eigenen Angaben zufolge vor, dies zu tun.
Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Insbesondere deutsche Unternehmen interessieren sich für konkrete Daten über die Auswirkungen der neuen Transparenzanforderungen: Hierzulande wird dies von 84 Prozent der Unternehmen mithilfe von Kennzahlen gemessen. Dies seien deutlich mehr als im globalen Vergleich, so die Autoren des Surveys.
Vergütungstransparenz zur Positionierung nutzen
Florian Frank, Head of Work and Rewards bei WTW, warnt vor einem Aussitzen des Themas. Sein Eindruck: "Viele Unternehmen unterschätzen die operative und kommunikative Komplexität, die mit den Transparenzvorgaben auf sie zukommt." Das Thema Gehaltstransparenz geht ihm zufolge weit über Compliance hinaus.
Daneben weist er jedoch auf die Chancen hin, die Vergütungstransparenz eröffne. So könnten sich Unternehmen zum einen im Wettbewerb um Talente positionieren. Zum anderen biete sich dadurch die Möglichkeit, Vergütung als strategisches Führungsinstrument einzusetzen und eine moderne, attraktive Unternehmenskultur zu fördern.
Über die WTW-Studie |
Die Studie gibt Einblicke in aktuelle Strategien, Herausforderungen und Erwartungen rund um das Thema Gehaltstransparenz. Es nahmen weltweit rund 1.900 Unternehmen teil, die insgesamt etwa 39 Millionen Mitarbeitende repräsentieren. In Deutschland wurden rund 140 Unternehmen befragt, die für etwa 5,7 Millionen Beschäftigte stehen. |