Wie sich Arbeitsmarkt und Gehälter 2025 entwickeln
- 15.01.2025
- Vergütung
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Große Gehaltssprünge sind 2025 nicht zu erwarten, aber wer einen Job hat, wird besser bezahlt. Prognosen rechnen zudem mit einem entspannteren Arbeitsmarkt. Unternehmen müssen sich Equal Pay und dem Generationenmanagement widmen.
Weiterbildung und flexible Arbeitszeiten stehen als Zusatzleistungen bei Fachkräften hoch im Kurs.
Elnur / stock.adobe.com
Die Einkommenssituation von Beschäftigten hat Boden gut gemacht. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) sowie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung zum Jahresende veröffentlichten. Der positive Trend der Reallohnentwicklung setzt sich fort und besonders geringer Verdienende, Beschäftigte im Dienstleistungssektor und Spezialisten sollen sich nach Abzügen aller Kosten auch im kommenden Jahr über mehr Geld auf dem Konto freuen können. Wichtigste Treiber für die Gehaltsentwicklung sind der Dauerbrenner Fachkräftemangel - auch wenn der Druck hier leicht nachlässt - sowie Tarif- und Kollektiverträge.
Arbeitnehmer erhalten wieder mehr Geld
Um 4,9 Prozent gestiegene Nominallöhne und eine abflauende Inflationsentwicklung hatten im dritten Quartal des vergangenen Jahres die Reallöhne um 2,9 Prozent über das Vorjahresniveau steigen lassen. Inflationsausgleichsprämien sowie in Tarifverhandlungen beschlossene Lohnsteigerungen und Einmalzahlungen sorgten laut Destatis-Quartalsbericht für einen überdurchschnittlichen Anstieg der Nominallöhne im Handel und den Kfz-Werkstätten (6,9 Prozent), dem Verkehr und der Lagerei (6,4 Prozent) sowie der Information und Kommunikation (6,2 Prozent).
Das größte Nominallohnwachstum (7,3 Prozent) hatten unter den Vollzeitbeschäftigten die Geringverdiener im unteren Fünftel der Gehaltsskala zu verzeichnen. Am schwächsten entwickelten sich die Nominallöhne im oberen Fünftel der Verdienste (4,3 Prozent) sowie bei Beschäftigten in der Energieversorgung (2,3 Prozent)
Die Anfang Dezember 2024 vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegte Jahresbilanz bestätigte den Trend. Der Anstieg der Verbraucherpreise sei im Jahresverlauf 2024 nach der historisch hohen Inflationsrate der beiden Vorjahre mit voraussichtlich 2,2 Prozent wieder deutlich zurückgegangen.
Tarifbeschäftigte hatten mit durchschnittlich 3,2 Prozent erstmals wieder "kräftigen Reallohnzuwachs" erhalten. Nominal entspreche das der Zuwachsrate des Vorjahres, wird im längerfristigen Vergleich aber als "außerordentlich hoch" gewertet.
Rund 20 Millionen Beschäftigte haben zuletzt von tariflichen Lohnerhöhungen profitiert. Hinzu kamen Inflationsausgleichsprämien. Doch die fallen jetzt weg. Der Tariflohnentwicklung 2025 könnte das einen ordentlichen Dämpfer verpassen. Was also haben Arbeitnehmende und Unternehmen im neuen Jahr zu erwarten?
Der Druck auf die Vergütung hat sich verlagert
Müssen Unternehmen weiterhin bei den Löhnen zulegen, um ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern, neue Fachkräfte anzuziehen und bestehende Teams so zu entlasten? Der Fachkräftemangel ist für jedes zweite deutsche Unternehmen (52 Prozent) der Haupttreiber für bessere Löhne. Aus Unternehmenssicht scheint sich der Arbeitsmarkt aber auch leicht zu entspannen.
Immerhin gaben 32 Prozent der für die Kienbaum Gehaltsprognose 2025 befragten deutschen Fach- und Führungskräfte an, freie Stellen wieder besser besetzen zu können - verglichen mit Aussagen vom Jahresanfang 2024 ist das eine Verbesserung um immerhin sieben Prozentpunkte. Rechneten außerdem im Vorjahr neuen von zehn (92 Prozent) Umfragebeteiligte aller Länder damit, dass der Druck auf die Vergütung bleibt, hat sich auch dieser Wert global auf 80 Prozent entspannt.
Für die jährliche Untersuchung gaben 1.258 Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen aus 38 Ländern Auskunft. Aus deutscher Perspektive werden Gehaltssteigerungen über 3,4 Prozent für das Topmanagement und 3,9 Prozent für Spezialisten und Fachkräfte prognostiziert:
- Mit einer durchschnittlichen Gehaltsentwicklung von 3,8 Prozent (2024: 4,7 Prozent) liegen deutsche Unternehmen weiterhin im europäischen Mittelfeld.
- Die prognostizierte Inflation wird mit 2,2 Prozent beziffert (2024: 3,0).
- Bleibt eine reale Einkommensentwicklung von 1,6 Prozent über alle Hierarchieebenen hinweg (2024:1,7 Prozent).
Länderübergreifend gilt die Unternehmensperformance als Haupttreiber für die Gehaltsentwicklung, dem stimmen 45 Prozent aller Befragten zu. Mit dem Rückgang der Inflation hat die Preisentwicklung - globaler Treiber Nummer eins im Vorjahr - deutlich an Relevanz verloren und ist mit 37 Prozent Zustimmung auf Platz drei gerutscht. Dorthin ist auch der Fachkräftemangel abgerutscht, der Haupttreiber der deutschen Befragten. Dazwischen, auf dem zweiten Platz, rangiert mit 41 Prozent die gesamtwirtschaftliche Situation.
Personalabbau als Sparmaßnahme gefährdet den Fortschritt
"Die Fachkräfteengpässe sind rückläufig", meldet auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Fachkräftereport 2024/25. Entwarnung kann aber trotzdem nicht gegeben werden. Gründe für die leichte Entspannung sind der nachlassende Personalbedarf in der Industrie und eine schwache Wirtschaftsentwicklung. Hinzu kommen Insolvenzen, die Fachkräfte zurück auf den Arbeitsmarkt spülen und Entlassungen als Kompensationsstrategie gegen wachsende Lohnkosten. Laut Kienbaum planen so 26 Prozent aller Unternehmen die Gehälter über Personalabbau zu finanzieren.
Das ist riskant, zumal die Nachfrage nach beruflich qualifiziertem Personal laut DIHK im laufenden Jahr nicht gedeckelt wird. Von den 23.000 Unternehmen, die für den Report Auskunft gaben, können 43 Prozent ihre Stellen zumindest teilweise nicht besetzen. Personalengpässe gefährden besonders den Fortschritt in Branchen wie der Digitalisierung und Dekarbonisierung - also überall dort, wo Zukunft gedacht und gemacht wird - sowie bei den Dienstleistern. Besonders gesucht ist Personal mit einer dualen Berufsausbildung (56 Prozent), gefolgt von Absolventen mit Abschluss Fachwirt oder Meister (40 Prozent. Arbeitskräfte ohne Abschluss werden in der Dienstleistungsbranche dringend gebraucht.
Generalisten als günstige Arbeitskräfte gefragt
Wie Unternehmen die Herausforderungen einschätzen und annehmen, darüber gibt die Gehaltsstudie 2025 von Robert Walters Auskunft. Als Vergütungsstrategie planen 75 Prozent der befragten Arbeitgeber moderate Gehaltserhöhungen, 66 Prozent sehen leistungsabhängige Boni vor. Die Auswertung der Daten von 516 Unternehmen und 766 befragte Fach- und Führungskräfte zeigt aber auch, wo die Vorhaben von Unternehmen mit den Ansprüchen von Beschäftigten kollidieren. So planen 64 Prozent der befragten Unternehmen verstärkt auf Generalisten zu setzen, weil die als vielseitig und kosteneffizient gelten. Berufseinsteiger und erfahrene Spezialisten bleiben bei der Spaßmaßnahme auf der Strecke, wie auch die Chance von den Synergieeffekten beider Beschäftigtenkategorien zu profitieren.
Was Unternehmen verspielen, wenn sie ihr demografisches Controlling und Generationenmanagement vernachlässigen, formulieren Darius Adlung und Lisa Triolo :
Im Zusammenhang mit der Altersstrukturanalyse ist auch die Verteilung der Fähigkeiten über die Generationen wichtig. Ein Monitoring über vorhandene Fähigkeiten, Fachwissen und Expertise gibt es schon häufig in größeren Unternehmen, aber wird in mittleren bis kleineren Unternehmen nicht genauer festgehalten. Dabei ist der summierte Wissensschatz einer Organisation die Basis für den bisherigen und den weiteren Erfolg. Hieraus entwickeln sich auch neue Innovationen.
Beschäftigte wollen KI-Skills lernen und fair bezahlt werden
Zurück zu den Ergebnissen der Robert-Walters-Studie: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen aktuell nicht mit pragmatischen Unternehmenslösungen abgespeist, sondern in einer Unternehmenskultur, die zu den eigenen Überzeugungen passt (81 Prozent), vorangebracht werden. Dazu gehören etwa Programme, die die Karriere boostern: 67 Prozent erhalten keine KI-bezogenen Schulungen, obwohl sich 77 Prozent gezielte Weiterbildungsmaßnahmen, insbesondere in Zukunftsfeldern wie der Künstlichen Intelligenz ausdrücklich wünschen. Weitere 69 Prozent brauchen mehr Rücksicht auf ihre Life-Work-Balance. Dazu gehören die Vier-Tage-Woche und mehr Remote-Arbeit. Dass im Gegenzug der Personalmangel die Arbeitsbelastung erhöht und Mitarbeitende in die Kündigung treibt, haben 47 Prozent der Unternehmenslenker erkannt.
Auch bei den wachsenden Trends Diversity, Inklusion und Equal Pay müssen die Unternehmen hinterherkommen: Antworten darauf bleiben 43 Prozent der Umfrageteilnehmer schuldig. Stellenausschreibungen werden derzeit von 44 Prozent auf unbewusste Vorurteile untersucht, 19 Prozent arbeiten mit spezialisierten Personaldienstleistern und 18 Prozent passen ihre Interviewprozesse an. Noch zwei weitere Jahre, dann sind Unternehmen verpflichtet, ihre Entgeltlücken auf Basis der Daten aus dem Vorjahr zu ermitteln und veröffentlichen. In Deutschland nutzen laut Kienbaum 15 Prozent der Unternehmen in der anstehenden Gehaltsrunde die Gelegenheit, einen Teil des Budgets - durchschnittlich 18 Prozent sind hierfür vorgesehen - zur Korrektur von Gehaltsunterschieden zu verwenden. Deutsche Unternehmen liegen damit deutlich hinter der Schweiz zurück: Dort nutzen 24 Prozent der Unternehmen durchschnittlich 21 Prozent ihrer Budgets für gerechtere Vergütung.
Vorstandsfrauen allein machen keine Gleichberechtigung
Gleichberechtigung bleibt auch 2025 ein Top-Thema. Warum? Weil Frauen aktuellen Meldungen zufolge ihre Position im Top-Management zwar ausweiten und mehr als ein Viertel (25,7 Prozent) der Vorstände in Dax-Konzernen weiblich sind, wie FIDAR - Frauen in die Aufsichtsräte meldete. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber immer noch fair in den Arbeitsmarkt einbezogen. Was im kommenden Jahr auf der Agenda zukunftsfähiger Unternehmen ganz oben stehen sollte, damit Geschlechtergerechtigkeit hergestellt und Perspektivenvielfalt ermöglicht ist, listet Springer-Autorin Heike Leise auf:
Forderungen an Arbeitgeber für gesellschaftlichen Wandel in volatilen Zeiten |
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