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Über dieses Buch

Dieses Buch überträgt psychologische und verhaltensökonomische Erkenntnisse über die menschliche Entscheidungsfindung und ihre Steuerbarkeit (vor allem durch Anreize, Überzeugung und äußere Umstände, also Nudging) in die Rechtswissenschaft und zeigt, wie das Recht mit diesem Wissen optimiert werden kann. Während der Homo oeconomicus als Standardmodell der Wirtschaftswissenschaften bereits durch einen empirisch fundierten Modellpluralismus abgelöst wurde, harrt das zivilrechtliche Selbstbestimmungsdogma noch einer empirischen Erdung.

Außerdem erklärt dieses Buch – insoweit auch für die Sozialwissenschaften interessant – die Funktionsweisen des Rechts und seiner spezifischen Steuerungsinstrumente und zeigt deren Rahmenbedingungen auf. Aus traditioneller zivilrechtlicher Sicht ist hierbei zu rechtfertigen, warum Recht überhaupt das Verhalten von Menschen steuern darf und ausgerechnet die Privatautonomie als Hort des Liberalismus ihre Indienstnahme für politische Zwecke (Materialisierung) ertragen muss.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1: Grundlagen der Verhaltenslenkung

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden die tatsächlichen Möglichkeiten und die moralischen Rahmenbedingungen untersucht, unter denen das Verhalten von Menschen gelenkt werden kann und darf. In den vergangenen Jahrzehnten hat insbesondere die Verhaltenspsychologie große Fortschritte dabei gemacht, menschliche Entscheidungsfindungsprozesse aufzudecken. Dieses Wissen ermöglicht elaborierte Verhaltenslenkungen, die vornehmlich von der Ökonomik entwickelt und optimiert werden (populär vor allem das Nudging). Das Recht kann seine Lenkungsmethoden mithilfe der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse optimieren. Neue Verhaltenslenkungsmethoden geben insbesondere Anlass, das Selbstbestimmungsdogma, auf dem das Privatrecht basiert, weiterzuentwickeln.Zu diesem Zweck werden hier zunächst die von der Psychologie erforschten Mechanismen der menschlichen Entscheidungsfindung und die darauf aufbauenden Möglichkeiten zur Lenkung menschlicher Entscheidungen und menschlichen Verhaltens aufgezeigt.
Clemens Latzel

Kapitel 2: Allgemeine Legitimität der Verhaltenslenkung durch Recht

Zusammenfassung
Die Frage nach der Legitimität der Verhaltenslenkung durch Recht zielt auf rechtstheoretische und rechtsphilosophische sowie rechtssoziologische Grundlagen: Warum darf Recht überhaupt das Verhalten lenken (dazu A.)? Warum gilt Recht und in welchen Wechselwirkungen stehen der Lenkungs- und der Geltungsanspruch von Recht (dazu B.)? Wie verträgt sich lenkendes Recht mit Freiheit, Willen und Verantwortung der Rechtsunterworfenen (dazu C.)? Die Fragen zielen in diesem Kapitel auf die allgemeine Verhaltenslenkung durch Recht. Die besondere Legitimität und und die besonderen Wirkungen rechtlicher wie außerrechtlicher Lenkungen der Privatautonomie werden anschließend (Kapitel 3:​ Besondere Legitimität der Lenkung privatautonomen Verhaltens) erörtert.
Clemens Latzel

Kapitel 3: Besondere Legitimität der Lenkung privatautonomen Verhaltens

Zusammenfassung
Die Möglichkeit zum selbstbestimmten Freiheitsgebrauch wird unter anderem bei der Gestaltung der eigenen Rechtsverhältnisse (Privatautonomie), vor allem beim Einräumen von Rechten und Eingehen von Pflichten gegenüber anderen Personen relevant. Wegen dieses speziellen Zuschnitts ist die Privatautonomie nicht einfach mit Autonomie oder Selbstbestimmung im Allgemeinen gleichzusetzen, sondern erfordert eine gesonderte Betrachtung. Partielle Redundanzen sind hierbei unvermeidlich, sollen aber durch Querverweise gering gehalten werden. In diesem Kapitel wird zunächst der sachliche Gehalt der Privatautonomie (dazu A.) und sodann ihr rechtlicher Rahmen (dazu B.) vorgestellt. Anschließend wird die besondere Legitimität der Lenkung privatautonomen Verhaltens durch den Staat (dazu C.) und durch nichtstaatliche Mächte (dazu D.) untersucht.
Clemens Latzel

Kapitel 4: Instrumente zur Lenkung privatautonomen Verhaltens

Zusammenfassung
Privatautonomes Verhalten kann von staatlichen wie privaten Akteuren zu verschiedenen Zwecken mit verschiedenen Instrumenten gelenkt werden. Die prinzipielle Legitimität der Lenkung privatautonomen Verhaltens durch den Staat sowie die faktische Verhaltenslenkung durch nichtstaatliche Mächte wurden mit ihren jeweiligen Zwecken in Kapitel 3 bereits vorgestellt. In diesem Kapitel wird nun der Blickwinkel gewechselt: von der Legitimität von Verhaltenslenkungen hin zu den Instrumenten der Verhaltenslenkung, es wird also die Regulierungsperspektive eingenommen (wobei sich teilweise spezielle Legitimationsfragen stellen). Zu diesem Zweck werden zunächst Grundsätze der rechtlichen Verhaltensregulierung im Überblick vorgestellt (dazu A.) und anschließend die verschiedenen Wirkungsparameter von Recht im Allgemeinen eingehend untersucht (dazu B.). Sodann werden rechtliche Instrumente, die speziell zur Lenkung der Privatautonomie dienen, vorgestellt und bewertet (dazu C.), bevor schließlich noch außerrechtliche Instrumente zur Lenkung der Privatautonomie untersucht und bewertet werden (dazu D.). Hierbei wird nicht zwischen Instrumenten mit neoklassischem und Instrumenten mit verhaltensökonomischem Hintergrund unterschieden, weil die Differenzierung für praktische Regulierungszwecke keinen Erkenntnisgewinn erwarten lässt und sich die Differenzierung auch nicht durchhalten lässt.
Clemens Latzel

Kapitel 5: Folgen der Lenkung privatautonomen Verhaltens

Zusammenfassung
Nachdem die Legitimität und die Instrumente zur Lenkung privatautonomen Verhaltens untersucht wurden, ist in diesem Kapitel schließlich noch auf die Folgen der Lenkung privatautonomen Verhaltens einzugehen. Dabei sind zwei Komplexe zu behandeln: Einerseits die mit Verhaltenslenkungen verbundenen Risiken von Fehl- und Kollaterallenkungen (dazu A.) und andererseits die Verantwortung von Gelenkten und Lenkern für gelenktes privatautonomes Verhalten (dazu B.).
Clemens Latzel

Kapitel 6: Gesamtbewertung und Gesamtergebnisse

Zusammenfassung
In diesem abschließenden Kapitel werden die Erkenntnisse der vorstehenden Kapitel einer Gesamtbewertung unterzogen (dazu A.) und das Gesamtergebnis der Arbeit nach einem Frage-Antwort-Schema (B.) sowie in Thesen (C.) zusammengefasst.
Clemens Latzel

Backmatter

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