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Klimabilanz von Parksystemen im Vergleich

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Verursachen digitale Parksysteme weniger CO2-Emssionen als das konventionell beschrankte Parken? Eine aktuelle Klimabilanzstudie hat die Klimawirkungen analysiert. Die Ergebnisse sind ziemlich eindeutig. 

Welche Klimabilanz haben Parkplätze ohne Schranken?


Keine Schranke, keine Parktickets und digitale Zahlungsoptionen: Kamerabasierte Free-Flow-Parksysteme sollen effizienter sein, weniger Stau verursachen und das Klima schonen. Doch stimmt das wirklich? Welche Klimawirkungen haben digitale, kamerabasierte Parksysteme im Gegensatz zu herkömmlichen Schrankensystemen? Das hat das Fraunhofer Umsicht jetzt im Rahmen einer Studie im Auftrag des Dienstleisters für Parkraumbewirtschaftung fair parken untersucht. Die Forscher haben dazu die Klimabilanz der beiden Parkraumbewirtschaftungskonzepte anhand eines Berechnungsmodells verglichen.

Digitale Parkraumlösungen – sogenannte Free-Flow-Systeme – sind eine Alternative zu Parkräumen mit Schrankensystem. Sie erfassen das Fahrzeugkennzeichen automatisch bei der Ein- und Ausfahrt aus einem Parkraum. Neben einer Bezahlung vor Ort (ohne Parkticket), kann die Parkgebühr auch bis zu 48 Stunden nach der Parkzeit durch Kennzeicheneingabe online bezahlt werden. Somit fallen Schranken und Parktickets weg. Daher verspricht das System, Warteschlangen bei Ein- und Ausfahrt sowie Wartezeiten am Kassenautomaten zu reduzieren.

Weniger CO2-Emissionen durch Free-Flow-Parksysteme

In der Klimabilanzstudie sind nun die beiden Bewirtschaftungskonzepte – das schrankenlose Free-Flow-System und ein klassisches Schranken-System – verglichen worden. Das Forschungsinstitut bezog sich dabei auf einen fiktiven, kostenpflichtigen Off-Street-Parkraum mit 500 Parkplätzen. Ziel sei es gewesen, die potenzielle Klimawirkung – gemessen in CO2-Äquivalenten – zu ermitteln, die pro Bewirtschaftungs- und Abrechnungsvorgang einer Parkraumnutzung anfällt. Untersucht wurden drei verschiedene Szenarien mit unterschiedlichem Verkehrsaufkommen: Basis-Szenario, Großraumveranstaltungs-Szenario und Dichter-Verkehr-Szenario. Zudem wurde im Digitale-Zahlung-Szenario der Effekt einer Umstellung auf ausschließlich digitale Zahlungsoptionen in beiden Systemen bewertet.

Die Ergebnisse würden zeigen, so die Forscher, dass kamerabasierte Free-Flow-Systeme gegenüber herkömmlichen Schrankenlösungen eine verbesserte Klimabilanz aufweisen. "Bei niedrigem Verkehrsaufkommen ohne Stausituationen im Ein- und Ausfahrtsbereich (Basis-Szenario) lassen sich Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 8 g CO2-Äquivalenten pro Bewirtschaftungs- und Abrechnungsvorgang einer Parkraumnutzung einsparen. Das entspricht einem Einsparpotenzial von rund 31 Prozent", erläutert Janek Röttgen Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation des Fraunhofer Umsicht.

Vorteile durch Wegfall von An- und Abbremsvorgängen sowie Haltephasen

Die Vorteile würden sich vor allem dadurch ergeben, dass Abbrems- und Beschleunigungsvorgänge sowie Haltephasen vor der Schranke wegfallen. Zudem sei keine Energie für das Schrankensystem notwendig; der zusätzliche Energiebedarf für die Kennzeichenerfassung und Datenverarbeitung falle dabei nur wenig ins Gewicht. Bei zunehmendem Verkehr soll sich dieser Effekt verstärken. Unter der Annahme, dass Free-Flow-Systeme eine Staubildung vermeiden können, so die Forscher, ließen sich in Situationen mit höherer Verkehrsauslastung rund 28 g CO2‑Äquivalenten (49 %, Dichter-Verkehr-Szenario) je Bewirtschaftungs- und Abrechnungsvorgang gegenüber dem Schranken-System einsparen. In Extremsituationen – bspw. Großveranstaltungen mit sehr starkem Verkehrsaufkommen – könnten die Einsparungen dann noch höher ausfallen.

Da im Rahmen der Studie keine empirische Untersuchung zur Staubildung auf und vor Parkräumen möglich gewesen sei, so die Forscher, würden die Ergebnisse in den Szenarien mit gesteigertem Verkehrsaufkommen entsprechenden Limitationen unterliegen. Weiterhin habe man zeigen können, dass eine Umstellung auf ausschließlich digitale Zahlungsoptionen in beiden Systemen zu einer Verbesserung der Klimabilanz führe.

Weitere Studien sinnvoll

Die Studie basiere auf einem "realitätsnahen Berechnungsmodell" für den Kraftstoffverbrauch/Energiebedarf der Pkw und beziehe darüber hinaus Primärdaten von fair parken, Herstellerdaten, Literaturwerte und Expertenschätzungen sowie Datensätze aus professionellen Ökobilanzdatenbanken mit ein, heißt es. Die Ergebnisse der Studie würden aber Limitation unterliegen, da die Autoren die Staubildung nicht empirisch analysieren konnten, und nur die Umweltwirkungskategorie Klimawandel ohne mögliche positive oder negative Rebound-Effekte untersuchten. "Zukünftige Studien sollten genau an diesen Stellen ansetzen: Zum einen empirisch belegen, dass Free-Flow-Systeme bei erhöhtem Verkehrsaufkommen eine Staubildung tatsächlich vermeiden bzw. reduzieren können, und zum anderen untersuchen, welche Effekte Free-Flow-Systeme bspw. auf das Nutzungsverhalten haben", so Röttgen.

Insgesamt würden die Untersuchungsergebnisse Klimavorteile für digitale Free-Flow-Parksysteme gegenüber konventionellen Schranken-Systemen aufzeigen. Insbesondere die Ergebnisse aus dem Basis-Szenario ohne Stausituationen sollen einen robusten ersten Bewertungsansatz bieten und eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen sein. "Die Studie verdeutlicht, dass solche Systeme in Kombination mit weiteren Maßnahmen zur Verkehrsflussoptimierung (bspw. Verkehrsleitsysteme und optimierte verkehrstechnische Anbindung der Parkräume) einen positiven Beitrag zur Klimabilanz beim Parken leisten", heißt es.

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