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01.12.2020 | Vermögensaufbau | Fragen + Antworten | Onlineartikel

Das sollten Privatanleger über Aktien wissen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Nicht nur für Börsengurus sind Aktien ein sinnvoller Weg, um Vermögen aufzubauen. Doch noch immer setzen viele Deutsche weiterhin auf klassische Sparformen. Von der richtigen Wertpapierstrategie könnten sie allerdings mehr profitieren.

"Das Coronavirus hält die Börsen der Welt in Atem. Viele Marktbeobachter sind der Überzeugung, dass das Virus in Kombination mit dem Ölpreisverfall eine globale Rezession hervorrufen wird. Für Berater stellt diese Situation eine enorme Herausforderung dar, denn ihnen muss der Spagat zwischen zu viel Optimismus und Pessimismus bezüglich der künftigen Börsenentwicklung gelingen", schreibt Carmen Mausbach im Versicherungsmagazin (Ausgabe 5 | 2020). Warum sich Aktieninvestments trotz der Krise lohnen, zeigen unsere Fragen + Antworten.

Empfehlung der Redaktion

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Langfristige Geldanlage: Aktien, Anleihen und weitere Anlagemöglichkeiten

In diesem Kapitel werden langfristige Kapitalanlagen vorgestellt, bei denen die Ermittlung des Risikos und die Dauer der Investition eine entscheidende Rolle spielen und die in der Verzinsung widergespiegelt werden.

Warum ist der typische Anleger männlich?

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Bankenverbands Ende August zeigte, dass nur 18 Prozent der weiblichen Befragten Aktien, Aktienfonds oder andere Wertpapiere besitzen. Bei den Männern waren es 27 Prozent. Der Verband macht hierfür vor allem eine unterschiedliche Risikopräferenz verantwortlich. So sind immerhin 22 Prozent der Männer für ein höheres Risiko bei Investments offen, wenn dafür eine bessere Rendite winkt. Unter den Frauen sind das nur acht Prozent. 38 Prozent der weiblichen Anleger wünschen sich hingegen eine gute Verfügbarkeit ihres Kapitals (Männer: 31 Prozent).

Welche Vorteile bieten Aktien gegenüber klassischen Sparanlagen?

Die bei den Deutschen bislang beliebten klassischen Anlagen wie Sparbücher oder Tages- und Festgeldanlagen bieten in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld kaum Vorteile. So ist ihre Zahl auch laut der Trading-Plattform Etoro seit der Finanz- und Wirtschaftskrise gesunken. Dirk Schiereck und Dirk Schmitz erläutern das Szenario im Buchkapitel "Reine Investmentlösungen für Einkommen im Ruhestand" (Seite 135):

Das Wachstum des Geldvermögens in Deutschland fiel in den letzten Jahren mit 3,4 Prozent sehr viel schwächer aus als in den europäischen Nachbarstaaten. In Finnland, dem EU-Land mit der höchsten Wertpapierquote, wuchs das Geldvermögen mit 8,0 Prozent. Um das Vermögen in Deutschland ähnlich stark zu steigern und damit den langfristigen Wohlstand der Haushalte auch im Alter zu mehren, ist auch hierzulande eine Erhöhung der Wertpapierquote notwendig."

Das gelte vor allem für die Geldanlage im Ruhestand, bei der das Kontensparen weiterhin dominiere. Als Grund für die suboptimale Vermögensallokation verweisen Schiereck und Schmitz auf internationale Studien, die einen Zusammenhang zwischen Vermögensstruktur und finanzieller Allgemeinbildung (Financial Literacy) in Privathaushalten belegen. "Unwissenheit erzeugt diffuse Angst. So zeigt sich in Deutschland ein weit verbreitetes Unwissen bezüglich der (geringen) Komplexität und (niedrigen) Kosten, die gerade mit einer Anlage in ETFs als Anlageinstrument verbunden sind, das in einer eher zögerlichen Umschichtung in diese Anlagen mündet."

Bestimmt das Einkommen, ob ein Börseninvestment Sinn macht?

56 Prozent der deutschen Sparer haben laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Mai 2020 im Auftrag der Rabodirect Bank seit Beginn der Corona-Krise nicht investiert. Dazu gehören vor allem Frauen, junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren und Personen mit einem geringen Einkommen. Das bestätigt auch die Studie "Aktienkultur in Deutschland" der Initiative "Aktion pro Aktie", die im Juli und August rund 2.000 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren befragte. Danach tendieren Geringverdiener zu kurzfristigen Geldanlageprodukte wie Girokonto oder Sparbuch. Von den Menschen, die mit weniger als 1.000 Euro pro Monat auskommen müssen, sparen nur 23 Prozent Geld in Form von mittel- und langfristige Anlageprodukten. Nur acht Prozent von ihnen investieren in Aktien.

"Das Hauptproblem vieler Menschen auf dem Weg zur finanziellen Selbstbestimmung ist kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem", bringt es Nicolas Edling im Buchkapitel "Nur Sparen und gezielte Investition führen zu finanzieller Selbstbestimmung" auf den Punkt (Seite 58). Dabei bieten laut Philipp Karl Maximilian Lindmayer und Hans-Ulrich Dietz Aktien als langfristige Kapitalanlage "innerhalb eines strukturierten Portfolios grundsätzlich eine solide Basis für einen langfristigen Vermögensaufbau" (Buchkapitel "Langfristige Geldanlage: Aktien, Anleihen und weitere Anlagemöglichkeiten", Seite 152).

Für kleine Anlagesummen eignen sich etwa passiv verwaltete Indexfonds - zum Beispiel in Form eines Sparplans. Und über verschiedene Online-Investitionsplattformen können Kleinsparer auch anteilig in Aktien investieren. "Häufig werben digitale Angebote mit niedrigen Kosten im Vergleich zur traditionellen Vermögensverwaltung und wenden sich insbesondere auch an Kunden mit vergleichsweise geringen finanziellen Möglichkeiten, denen bisher ein solcher Zugang verwehrt war", fassen Maximilian Müller und Marion Pester im Buchkapitel "Passive Anlagestrategien und Digitalisierung in der Vermögensverwaltung" auf Seite 228 zusammen. Vor allem die Angebote sogenannter Robo-Advisoren seien zuletzt spürbar gestiegen und haben Raum für neue Wettbewerber geschaffen. Das mache auch Investitionen in digitale Angebote traditioneller Vermögensverwalter möglich.  

Sollten Anleger kurzfristige Kursbewegungen nutzen?

Diese Strategie sollte Börsenprofis vorbehalten bleiben, meinen die Finanzexperten von Etoro. Ratsamer sei es, Unternehmensaktien nicht zu kaufen, wenn sie sich gerade auf einem 52-Wochen-Tief befinden in der bloßen Annahme, dass sie sich davon bald erholen werden. Der Aktienpreis sei nur ein Teil der Gleichung. Privatanleger sollten sich vielmehr langfristig auf Wachstumsunternehmen oder dividendenzahlende Aktien konzentrieren.

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