Finanz-PISA ist für Deutschland unverzichtbar
- 27.10.2025
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Mehr Finanzbildung braucht das Land, zeigen Studien. Um junge Menschen gezielt zu fördern, sind aber mehr Daten nötig. Deshalb fordert die Finanztip Stiftung die Teilnahme an Finanz-PISA.
Bereits in der Schule sollte der Grundstein für zentrale Finanzthemen gelegt werden, um die finanzielle Chancengleichheit zu erhöhen.
Pixel-Shot / stock.adobe.com
Der Ruf nach mehr finanzieller Bildung ist nicht neu. Geht es um Geld und Finanzfragen, klaffen zum Teil große Wissenslücken in der Bevölkerung, bestätigen Studien immer wieder. Durchschnittlich halten nur 30 Prozent der Deutschen ihr Wissen in zehn zentralen Finanzbereichen wie Bank, Börse oder Baukredit für hoch oder sehr hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Innofact im Auftrag der Zeitschrift "Finanztip" von Oktober 2025. Der Anteil derjenigen mit geringem oder sehr geringem Wissen liegt der Erhebung zufolge mit 32 Prozent sogar leicht höher als noch bei der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2023.
Finanz-PISA soll verlässliche Daten liefern
Laut der Finanztip Stiftung muss die Politik dringend handeln und benötigt hierzu verlässliche Daten, wie gut Jugendliche in Deutschland auf den Umgang mit Geld vorbereitet sind. Sie fordert in Deutschland als Grundlage das Finanz-PISA einzuführen. Eine entsprechende Petition sei innerhalb von 24 Stunden von mehr als 45.000 Menschen unterzeichnet worden.
"Der enorme Zuspruch verdeutlicht, wie sehr das Thema die Menschen bewegt", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip. Finanzbildung dürfe kein Privileg sein. "Wer versteht, wie Geld funktioniert, kann selbstbestimmt leben." Die Teilnahme an Finanz-PISA sei "ein notwendiger erster Schritt, "um endlich zu wissen, wo wir stehen", betont Fabian Dany, Geschäftsführer der Finanztip Stiftung. Und das ist dringend notwendig, wie auch die Trendstudie "Jugend in Deutschland 2025" der Universität Potsdam belegt. Ihr zufolge ist der Anteil verschuldeter Menschen im Alter von unter 30 Jahren mit 20 Prozent so hoch wie nie zuvor.
Wissenslücken in Geldfragen verschärfen soziale Unterschiede
Die Experten von Finanztip wollen deshalb, dass Deutschland verbindlich am optionalen Finanzbildungsmodul der OECD-PISA-Studie teilnimmt. In den kommenden Monaten müssen die Mitgliedstaaten ihr Interesse an einer Teilnahme melden. Bislang deute jedoch alles darauf hin, dass Deutschland erneut verzichten will. "Heute hängt das Finanzwissen junger Menschen stark vom Elternhaus ab. Das ist ungerecht und verschärft soziale Unterschiede", so Dany. Dabei stärke Finanzbildung den Einzelnen wie die gesamte Gesellschaft als Ganzes.
Eine Teilnahme an Finanz-PISA würde zeigen, wie groß die Wissenslücken in der deutschen Jugend tatsächlich sind und wo Unterstützung besonders nötig sei. Andere Länder wie Österreich, Kanada oder die Niederlande nutzten die PISA-Ergebnisse schon heute, um ihre Bildungsprogramme gezielt auszurichten. Deutschland verzichtet bislang auf diese Chance und damit auf eine wichtige Grundlage für wirksame Maßnahmen zur Finanzbildung.
Know-how bei Alltagsfinanzen am besten
Am besten kennen sich die die Befragten mit alltäglichen Finanzthemen aus: 47 Prozent fühlen sich beim Thema Konto gut oder sehr gut informiert, 43 Prozent auch bei Verträgen und 36 Prozent beim Thema Mieten. Allerdings bewertet nur gut ein Viertel (26 Prozent) der Teilnehmenden das persönliche Know-how rund um Kredite als gut oder sehr gut. Bei der Börse sind es sogar nur 21 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt hier ein geringes oder sehr geringes Wissen an (56 Prozent). "Gerade Kenntnisse über Aktien und ETFs wären wichtig, um die private Altersvorsorge anzugehen", betont Tenhagen mit Blick auf eine drohende Armutsgefahr im Alter.
Im Durchschnitt über alle zehn Kategorien hinweg bewerten 36 Prozent der Männer ihr Finanzwissen als gut oder sehr gut. Von den Frauen sagen das nur 23 Prozent. Umgekehrt schätzen 39 Prozent der Frauen, aber nur 25 Prozent der Männer ihr Wissen als gering oder sehr gering ein. "Finanzwissen darf keine Frage des Geschlechts sein, das muss sich ändern. Wenn Finanzbildung früh in Schulen vermittelt wird, holen Mädchen und Jungen gleichermaßen auf. Und das nützt der ganzen Gesellschaft", erläutert Dany.