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14.08.2019 | Vermögensverwaltung | Nachricht | Onlineartikel

Mit dem Aktienanteil steigt die Qualität des Dachfonds

Autor:
Michael Fuchs

Aufgrund strenger Regulierung bergen Dachfonds deutlich weniger Risiken als früher. Doch nicht in allen Fällen profitieren Anleger von diesem Finanzvehikel, fand eine aktuelle Analyse heraus.

Es ist gerade einmal 20 Jahre her, dass Dachfonds in Deutschland wieder zugelassen sind. Bis 1998 durften diese Finanzkonstrukte, die in andere Fonds investieren, hierzulande nicht aufgelegt werden. Der Grund ist heute fast vergessen. Lange vor dem Hedgefonds-Manager Bernard Madoff hatte der US-Unternehmer Bernie Cornfield mit seiner Fondsgesellschaft IOS einen spektakulären Zusammenbruch erlebt. Die Firma hatte unter anderem einen Dachfonds entwickelt und auch in Deutschland mit aggressiven Vertriebsmethoden an den Mann gebracht. Als Folge waren derartige "Superfonds" hierzulande lange verboten.

Anleger müssen dank der Regulierung der Investmentbranche heute nicht mehr fürchten, dass sich derartige Vorgänge wiederholen. Makellos ist der Ruf von Dachfonds trotzdem nicht. "Zu teuer", lautet ein häufiger Vorwurf. Tatsächlich zahlen Anleger doppelt. Einerseits müssen sie die Verwalter der Einzelfonds entlohnen, andererseits hält der Verwalter der Dachfonds die Hand auf. Bei jährlich Managementgebühren von bis zu zwei Prozent (und mehr) allein auf Ebene der Einzelfonds kommen hier erkleckliche Beträge zusammen.

Analysten untersuchten 800 Fonds

Sind Dachfonds also überflüssiger Luxus? Die Ratingagentur Scope hat die Anlagevehikel mit Mischfonds verschiedener Risikoklassen verglichen. Dazu nahmen die Analysten mehr als 800 Fonds aus vier verschiedenen Risikoklassen über einen Zeitraum von zehn Jahren unter die Lupe.

Ein Argument für Dachfonds ist die breitere Streuung des Investments. Während ein einzelner Fonds nur in eine begrenzte Zahl von Aktien und Anleihen anlegt, investieren Dachfonds in mehrere Fonds, woraus eine entsprechend größere Bandbreite an Investments resultiert. Das sollten eigentlich die Schwankungen verringern. Doch die Analysten von Scope erkennen keine Vorteile. "Die Volatilitätsunterschiede zwischen Dach- und Einzeltitelfonds sind vergleichsweise gering. In zwei der vier betrachteten Peergroups liegen die Einzeltitelfonds sogar leicht vorn", stellen sie fest.

Dachfonds punkten nicht bei der Wertentwicklung

Ein häufiges Argument gegen aktiv verwaltete Einzelfonds lautet, dass deren Manager über längere Zeiträume selten konstant gute Ergebnisse einfahren. Somit müssten Dachfonds besser abschneiden, da zumindest in der Theorie die Stärke eines Fonds Durchhänger bei einem anderen ausgleichen kann. Aber auch das gelingt nicht. "Während die fast 100 Einzeltitelfonds auf eine jährliche Rendite von durchschnittlich 5,5 Prozent kommen, schaffen die 71 Dachfonds dieser Vergleichsgruppe im Durchschnitt nur 4,6 Prozent", heißt es in der Studie zur Risikoklasse mit ausgewogenem Verhältnis bei Aktien und Anleihen.

Die Analysten führen dies auf die stärkere Kostenbelastung, die entsprechend auf die Rendite schlägt, zurück. Immerhin schrumpft der Abstand mit wachsendem Risiko: Bei aktienlastigen Konstruktion bieten Mischfonds der Kategorie "Global dynamisch" nur noch minimale Renditevorteile.

Bei hohem Aktienanteil hat der Dachfonds Vorteile

Ganz abschreiben wollen die Scope-Analysten Dachfonds aber nicht. Gerade bei hohem Aktienanteil schneiden sie im Qualitätsranking besser ab als ihre Konkurrenz der dynamischen Mischfonds. Immerhin 37 Prozent der Dachfonds kommen auf ein Top-Rating von Scope, bei den dynamischen Mischfonds sind es nur 26 Prozent. Die Chance, ein gutes Produkt zu finden, ist damit höher. Für Anleger, die nicht kontinuierlich die Entwicklung ihrer Fonds überwachen wollen, und keine Scheu vor einem hohen Aktienanteil haben, kann daher ein Dachfonds eine Alternative sein - auch wenn die ihren Preis hat.

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