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Verschwörung, Ablehnung, Gewalt

Transdisziplinäre Perspektiven auf gruppenbezogene Aggression und Intoleranz

  • 2020
  • Buch

Über dieses Buch

Die Autoren des vorliegenden Sammelbandes präsentieren Beiträge zum Themenfeld der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit aus transdisziplinärer Perspektive. Vorgestellt werden aktuelle theoretische und empirische Befunde aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und praktischen Disziplinen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Neurobiologische und soziale Ursachen von Gewalt: Ein integrativer Ansatz

    Bernhard Bogerts
    Zusammenfassung
    Gewalt hat sowohl hirnbiologische wie auch psychosoziale Ursachen. Letztere sind Gegenstand zahlreicher sozialwissenschaftlicher Analysen. Dagegen sind die neurobiologischen Korrelate von Aggression und Gewalt kaum bekannt. Das Kapitel gibt einen Überblick über die phylogenetischen und erbbiologischen Grundlagen, über hirnstrukturelle, hirnfunktionelle und neurochemische Korrelate, über Gewalt aufgrund von Hirnfunktionsstörungen und psychischen Erkrankungen, um dann eine Synthese mit neueren psychologischen und sozialwissenschaftlichen Theorien zur Gewalt anzubieten. Dabei wird auch hedonistische Gewalt, das heißt Gewalt um ihrer selbst willen, berücksichtigt. Es wird erläutert, wie das psychosoziale Umfeld über den Neokortex und das limbische System die phylogenetisch sehr alten Nervenzellgruppen im Hirnstamm, die sowohl bei Aggression wie auch prosozialen Verhalten aktiv werden, an die aktuelle Umweltsituation anpasst. Zur Erklärung des Phänomens Gewalt haben Hirnbiologie und Sozialwissenschaften gemeinsame Schnittstellen: Eine liegt auf der Ebene der Genexpression, da die Aktivität eines Gens in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen an- oder ausgeschaltet werden kann. Die andere liegt auf der Ebene der Hirnplastizität, d. h. der Formbarkeit von Hirnstruktur und -funktion durch das psychosoziale Umfeld. Beides ist jedoch nur innerhalb der genetisch und hirnbiologisch vorgegebenen Rahmenbedingungen möglich. Abschließend wird kurz auf sich hieraus ergebende Aspekte für die Gewaltprävention eingegangen.
  3. Gesunde Religiosität, religiöser Wahn und Fanatismus

    Joachim Heinrich Demling
    Zusammenfassung
    Die fortschreitende, auch religiöse Globalisierung mit einem Zusammenrücken und nicht immer friedlichen Aufeinandertreffen von Glaubenssystemen macht es notwendig, sich mit den verschiedenen Spielarten religiösen Erlebens verstärkt zu befassen und auseinanderzusetzen. Im vorliegenden Aufsatz wird versucht, ausgehend von Merkmalen einer „gesunden“ Religiosität, verschiedene „abweichende“ Formen unter psychopathologisch-psychiatrischen Gesichtspunkten zu kategorisieren und gegeneinander abzugrenzen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem sogenannten religiösen Wahn und, nicht zuletzt im Hinblick auf die aktuelle Diskussion um islamistisch motivierte Gewalttaten, dem religiösen Fanatismus. Mit dem Beitrag soll zudem das Forschungsgebiet der Religionspsychopathologie, das auch in Deutschland von der – zumeist älteren – Psychiatrie immer wieder aufgegriffen wurde, neu belebt werden.
  4. Religiöse Legitimierung von Menschenfeindlichkeit

    Martin Hagenmaier
    Zusammenfassung
    Der Beitrag beschreibt religiöse Denkfiguren zur Legitimierung von Menschenfeindlichkeit. Dazu beschäftigt er sich mit der „Imitatio Dei“ und der Frage, ob Religion per se menschenfeindlich sein könnte. Interpretationsformen von Religion werden ebenso bedacht wie eine theologische Grundlegung islamistischen Denkens. Dass „Religion“ nicht von ihren „legitimen Vertretern“ vorgeschrieben werden kann, erläutert der Text an zwei konkreten Beispielen aus dem Alltag. Die Gewalt gegen Ungläubige und das Selbstmordattentat wurden nicht erst im Islam erfunden, sondern sind bereits im Alten Testament beschrieben. Das Alte Testament beschreibt ebenso im Detail den (politischen) Terrorismus als Befreiungsvorbereitung. Bei deren Rezeption spielt dann aber die Interpretation die entscheidende Rolle. Das Alte Testament und der Koran können terroristisch interpretiert werden, das Neue Testament mit etwas Mühe bei der Auslegung der „Offenbarung“ wohl auch. Allerdings widersprechen das Tötungsverbot, die Ausrichtung auf Barmherzigkeit, Nächsten- und sogar Feindesliebe dieser Auslegung vehement. Der Vortragsstil wurde beibehalten und hat eine aphoristisch-assoziative Herangehensweise zur Folge.
  5. Verschwörungsmentalität und Antisemitismus

    Roland Imhoff
    Zusammenfassung
    Ausgehend von einer Begriffserläuterung unterschiedlicher Formen des Antisemitismus wird der Antisemitismus als ein zentrales Moment verschwörungstheoretischer Weltbilder herausgestellt. Antisemitismus ist – wie viele Ressentiments gegenüber als mächtig wahrgenommenen Gruppen und im Gegensatz zu Vorurteilen gegenüber vermeintlich machtlosen Gruppen – eng mit einer Weltsicht verknüpft, die sich als Verschwörungsmentalität begreifen lässt. Negativ konnotierte Ereignisse werden dadurch erklärt, dass eine kleine Gruppe diese durch geheime Absprachen und Aktionen gewollt hervorgerufen haben soll. Ein Überblick über die psychologische Forschung zu Antezedenzien und Konsequenzen von Verschwörungsmentalität leitet über zu der Frage, ob eine solche Weltsicht non-normatives und gewalttätiges politisches Handeln motivieren kann.
  6. Pauschalablehnungen – Verständnisse, Erscheinungsweisen, Begünstigungsfaktoren und Gegenstrategien

    Kurt Möller
    Zusammenfassung
    Der Beitrag umreißt und erörtert wissenschaftliche Konzepte, mit denen demokratiewidrige Positionen pauschaler Ablehnungen von Menschengruppierungen, Weltanschauungen, Religionen und Lebensstilen erfasst und empirisch untersucht werden. Er stellt zentrale Befunde dieser Forschungen vor und benennt die wichtigsten Begünstigungsfaktoren für die Entstehung und Entwicklung entsprechender Orientierungen und Aktivitäten. Als Schlussfolgerung werden aus den Darlegungen Strategien zur Bearbeitung der mit Pauschablehnungen verbundenen Problematiken abgeleitet.
  7. Determinanten urbaner (In-)Toleranz

    Joachim Häfele
    Zusammenfassung
    Der vorliegende Beitrag widmet sich der Untersuchung urbaner (In-)Toleranz. Einerseits gesellschaftlich immer wichtiger, andererseits (so die These) für immer mehr Menschen immer schwieriger zu realisieren, stellt urbane Toleranz eine wichtige urbane Kompetenz für die aktuelle und zukünftige Stadt dar. Zur Untersuchung der Determinanten urbaner (In-)Toleranz werden im Folgenden statistische Mehrebenenanalysen (n = 3600 Befragte in N = 49 Hamburger Stadtteilen) durchgeführt.
  8. Der Umgang der Strafjustiz im Schwurgerichtsverfahren mit Terrordelikten und ausländerfeindlicher Schwerkriminalität

    Uwe Tonndorf
    Zusammenfassung
    Dieser Aufsatz erläutert die Grundzüge der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den in der Regel bei derartigen Straftaten einschlägigen Mordmerkmalen der niedrigen Beweggründe, der Heimtücke und der Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln. Anhand ausgewählter höchstrichterlicher Entscheidungen wird sodann dargelegt, wie die Strafjustiz in Deutschland terroristische Straftaten und ausländerfeindliche Schwerkriminalität ahndet. In diesem Zusammenhang wird auch darauf eingegangen, ob und in welchem Umfang die Strafjustiz fremde kulturelle Wertvorstellungen derartiger Täter berücksichtigt.
  9. Backmatter

Titel
Verschwörung, Ablehnung, Gewalt
Herausgegeben von
Bernhard Bogerts
Joachim Häfele
Benny Schmidt
Copyright-Jahr
2020
Electronic ISBN
978-3-658-31701-0
Print ISBN
978-3-658-31700-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-31701-0

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    Bildnachweise
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