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08.04.2020 | Versicherer | Kommentar | Onlineartikel

Infiziert Corona auch die Kapitalanlagen deutscher Versicherer?

Autor:
Matthias Schober
3 Min. Lesedauer

Die Versicherungsgesellschaften sind die größten Kapitalanleger Deutschlands. Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Rückgänge der Aktienmärkte betreffen sie allerdings nicht so stark wie andere Branchen – zwei weitere Faktoren wiegen für die Kapitalanlagen der Versicherer schwerer. 

Ein historisch schwarzer Tag, der deutsche Aktienindex DAX verliert bis Handelsende 12,2 Prozent - der zweithöchste Kurssturz der Geschichte. In den USA spielt sich im Dow Jones der größte Ausverkauf seit über 30 Jahren ab. Ausgelöst durch die Ausbreitung des Coronavirus wird fast alles verkauft, was zu liquidieren ist. Selbst als sicher geltende Anlagen wie Gold sinken im Wert. Da drängt sich die Frage auf: Wie verhalten sich eigentlich die größten Kapitalanleger Deutschlands, die Versicherungsgesellschaften?

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Rentenpapiere dominieren die Asset Allocation

Um das Verhalten dieser institutionellen Anleger untersuchen und nachvollziehen zu können, dient ein Blick auf die Kapitalanlagen deutscher Versicherer:

Zwar sind die Zahlen von 2018, aufgrund der Langfristigkeit der Kapitalanlage sind die Änderungen der Asset Allocation von Jahr zu Jahr minimal. In jedem Fall ist die hohe Bedeutung von Renten ersichtlich, die sich aufgrund der Garantieanforderungen gegenüber den Versicherungsnehmern ergibt. Aktien sind nach den Beteiligungen lediglich die drittgrößte Anlageklasse, derer sich Versicherer bedienen. Dies ist insofern verständlich, als dass Aktien durch ihr hohes Marktrisiko zusätzlich durch regulatorische Erfordernisse mit besonders viel Eigenkapital zu unterlegen sind.

Zins- und Kreditrisiken treiben die Performance

Obwohl also die Aktienmärkte im medialen Fokus stehen, sind Versicherer hierzulande vergleichsweise geringfügig betroffen. Selbst ein Kurssturz von durchschnittlich 20 Prozent macht somit nur einen Verlust von 1 Prozent der gesamten Kapitalanlagen aus. 

Im Gegensatz dazu sind Renten als größte Assetklasse der Versicherer maßgeblich von der Zinsentwicklung abhängig: Sinken die Zinsen, steigen die Preise der Anleihen et vice versa. Die Versicherer haben in den vergangenen Jahren aufgrund des Niedrigzinsumfeldes einerseits immer länger laufende, sichere Anleihen und andererseits Anleihen von Unternehmen mit vergleichsweise höherem Ausfallrisiko gekauft oder kaufen müssen, um die Garantiezinsen weiter erwirtschaften zu können. Somit sind sich ändernde Zins- und Kreditrisiken die vorrangigen Treiber der Kapitalanlagen deutscher Versicherer.

Corona-Maßnahmen deutscher Versicherer

Aus den Gesprächen, die wir bei den Versicherungsforen Leipzig mit Kapitalanlegern verschiedener Versicherer geführt haben, ging spartenübergreifend hervor, dass die Maßnahmen bislang sehr gesellschaftsspezifisch ausfielen. Sollte doch eine branchenweite Aussage getroffen werden, dann lässt sich feststellen, dass die Risikobudgets durch das erhöhte Marktrisiko frühzeitig ausgeschöpft und teilweise überschritten wurden, sodass auch hier Risikopositionen wie Aktien und hochverzinste Anleihen beizeiten zugunsten sicherer, langlaufender staatsnaher oder Staatsanleihen getauscht wurden. Mögliche anfängliche Verluste wurden dabei zunächst durch steigende Anleihepreise kompensiert, bevor auch hier die erhöhte Volatilität einsetzte. Grundsätzlich waren die kurzfristigen Maßnahmen aufgrund der Langfristigkeit jedoch, verglichen mit anderen Marktteilnehmern, begrenzt.

Die weltweiten Maßnahmen der Notenbanken deuten darauf hin, dass das Zinsumfeld nochmals länger sehr niedrig bleiben wird. Die Versicherungsgesellschaften sind demnach mehr denn je auf der Suche nach Rendite. In Zeiten schwächeren Wirtschaftswachstums wird dies nur begrenzt über hohe Erträge, sondern vermehrt über Kostensenkung zu realisieren versucht werden.

Fazit: Der mediale Fokus auf sinkende Aktienmärkte lässt sich nicht in dem Ausmaß auf die deutschen Versicherungsgesellschaften übertragen, wenngleich die Betroffenheit gesellschaftsindividuell ausfällt. Die langfristige Eintrübung bei der Erwirtschaftung einer auskömmlichen Rendite durch geringeres Marktwachstum und ein noch länger ultraniedriges Zinsumfeld wiegen jedoch ungleich schwerer.

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Quelle:
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