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25.09.2018 | Versicherung | Nachricht | Onlineartikel

Versicherer hängen bei der Digitalisierung hinterher

Autor:
Meris Neininger

Auf der 4. Konferenz für Finanztechnologie wurde scharfe Kritik an der Digitalisierungsstrategie der Versicherer laut. Um nicht große Marktanteile an große Wettbewerber im Internet zu verlieren, braucht die Branche mehr Souveränität und klare Standards.

Für Alexander Kern, Leiter Business Development beim Brancheninstitut für Prozessoptimierung (Bipro), sind digitale Standards und die Standardisierung eine Selbstverständlichkeit und "für die meisten Branchen eine Normalität, über die niemand mehr nachdenkt". Der Vertriebsprofi erklärte in seinem Vortrag auf der Konferenz für Finanztechnologie, die 2018 zum vierten Mal an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main stattfand, dass die Branche in diesem Bereich eine unrühmliche Ausnahme darstelle. Er bemängelte bei vielen Unternehmen in der Versicherungsbranche ein "gehöriges Prozess- und Datenchaos", bei dem diverse Analyseprogramme, Datenquellen, Dienstleister und Vergleicher im Einsatz wären. Deren Angebote gehorchten keinen Standards und sorgten so eher für Verwirrung statt für Klarheit und Führung.

Seine Kritik verdeutlichte Kern am Beispiel eines Vorstands eines Versicherungskonzerns. Dieser habe ihm gegenüber geäußert, dass Internetgiganten wie Amazon "höchstwahrscheinlich und in naher Zukunft die Oberhand im Versicherungsgeschäft haben werden", er aber bis dahin sicher schon in Rente sei. Kern beurteilte diese Haltung gegenüber der digitalen Trendwende als wenig verantwortungsvoll und schädlich, aber typisch für den Versicherungssektor.

Branche braucht API-Schnittstellen 

Ganz wichtig für die Zukunftsfähigkeit der Branche, aber auch seines Unternehmens, sei es, auf API-Schnittstellen zu setzen. Der Branchenführer Allianz sei hier sehr rege. Auch sein Haus möchte Ende 2019/Anfang 2020 voll auf API-Schnittstellen umschwenken. So werde sich Bipro konsequent "zur Software Community entwickeln". Das Brancheninstitut arbeitet nach fünf Leitlinien, diese besagen verkürzt zusammengefasst:

  • offene, für jedermann nutzbare Normen einsetzen,
  • Technik vorantreiben,
  • Fachlichkeit anstreben,
  • Neutralität wahren und
  • konkrete Implementierungsprojekte verfolgen.

Gemäß diesen Leitlinien hat Bipro jüngst neue Kooperationen mit dem Insurlab Germany und den Versicherungsforen Leipzig angekündigt. Weitere Projekte mit Partnern seien in der Pipeline. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wolle nun seine veralteten Standards abschaffen. 

Aktuell seien 271 Versicherungsunternehmen bei Bipro als Mitglieder eingetragen und arbeiten mit und nach den Standards seines Hauses. Diese Unternehmen kooperieren laut Kern sogar, um ihr digitales Niveau zu erhöhen und sich so gegen die Übermacht von Amazon oder Google besser wehren zu können. "Für die Versicherungswirtschaft muss eine digitale Souveränität geschaffen werden", lautete seine Forderung. 

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