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06.08.2019 | Versicherungsmarkt | Im Fokus | Onlineartikel

Versicherer ignorieren Insurtechs

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Die Insurtech-Szene steht unter Beobachtung. Klassische Versicherer sehen sich einer wachsenden Zahl digitaler Wettbewerber gegenüber. Doch ihre Entscheider erkennen darin keine ernste Bedrohung für das eigene Geschäft.

Während ihre Kollegen bei den Banken mit Kooperationen und Beteiligungen den digitalen Rückstand aufholen, sehen 60 Prozent der Entscheider bei deutschen Versicherungen keinen strategischen Nutzen in der Zusammenarbeit mit Insurtechs. Lieber nimmt die Branche das digitale Heft selbst in die Hand, indem sie IT-Systeme in Cloud-Lösungen überführt, eigene Apps entwickelt und Online-Kundenportale einrichtet. Versicherer Ergo beispielsweise betreibt seit 2017 eine eigene IT-Gesellschaft, um sich aus eigener Kraft dem Wettbewerb zu stellen.

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Kleine Player sind nicht zu unterschätzen

Wie Sopra Steria Consulting in seiner Studie "Branchenkompass Insurance 2019" herausarbeitet, betrachten Traditionsunternehmen die einzelnen Insurtechs aufgrund ihrer reinen Kundenzahlen kaum als Gefahr. Weiter oben auf der Agenda der Vorstände steht der Datenschutz, die Digitalisierung der eigenen Geschäftsprozesse, dauerhaft niedrige Zinsen und zahlreiche Regulierungen. Derweil erwachsen dem Biotop der Insurtechs echte Vollversicherer mit BaFin-Lizenz, Besetzer von Produktnischen und On-Demand-Versicherungen mit geringer Laufzeit wie auch kurzer Kündigungsfrist. "Künftig versichert sich der Kunde dort, wo der Schutz besonders einfach und unkompliziert zu bekommen ist", prophezeit Jakob Freund, CEO beim Softewarehersteller Camunda, im Rahmen einer eigenen Umfrage zum Thema digitale Konkurrenz.

Große Versicherungskonzerne scheuen die Zusammenarbeit mit den Insurtechs indes weit weniger als ihre kleineren Mitbewerber. Über Beteiligungen und Investitionen in Start-Ups finden die Konzerne den Zugang zu Nischen und Zusatzgeschäften, für die Insurtechs bereits die Infrastruktur geschaffen haben. Doch das Gros der Finanz- und Versicherungsunternehmen beklagt den Geschäftsabfluss ins Internet, ohne den Kontakt zur Digital-Konkurrenz in Betracht zu ziehen. Springer-Autor Günther Schwarz sieht die Zukunft von Versicherungen dennoch im Zugriff auf Fremdkompetenzen, wie er im Buch "Geschäftsmodelle für Wertschöpfungsnetzwerke" (Seite 417) bekräftigt:

Im Kontext der europäischen Landkarte der Versicherungsgesellschaften ist dabei mit einer starken Reduktion von subkritischen Einheiten zu rechnen. Die Mittel der Wahl sind hierbei neben Übernahmen insbesondere Merger, Asset-Swaps und Kooperationen sowie selektives Outsourcing von Wertschöpfungsteilen."

Insurtech zapft Expertise an

Anders herum suchen Insurtechs sehr wohl die Nähe zu Versicherungen. Erst kürzlich hat das österreichische Insurtech Bsurance den Posten des Geschäftsführers und Chief Insurance Officers mit dem ehemaligen Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung, Hermann Fried, besetzt. Fortab soll er seine Expertise aus der klassischen österreichischen Versicherungsbranche bei Bsurance einbringen, um Versicherungspartnerschaften auszubauen, neue Märkte zu erschließen und dem Vertriebsmodell der einbetteten Versicherung noch stärker zu Wachstum zu verhelfen. Partnerschaften mit Banken, Telekom, Energieversorgern, Startups, Mobilitätsanbietern oder aus dem Einzelhandel sollen zu innovativen Versicherungsprodukten führen, so der Ansatz bei Bsurance. Strategische Partnerschaften unterhält das Insurtech bereits mit Uniqua, Munich Re, und Axa Partners.

Branchenfremde Unternehmen kommen als Versicherungsanbieter und Partner zunehmend in Frage. Aus einer repräsentativen Umfrage mit 1.000 Bürgern geht hervor, das 57 Prozent der 18- bis 34-Jährigen sich vorstellen können, eine Versicherung bei einem Autohersteller abzuschließen. Internet-Konzerne wie Google und Amazon kommen für ein Drittel der Befragten als Versicherungsgeber oder Makler in Betracht, geht aus der Studie "Digitale Versicherung 2019" im Auftrag des Schweizer Softwareherstellers Adcubum hervor. So sehr auch die klassischen Versicherer ihre Stärke der persönlichen, individuellen Beratung betonen: 69 Prozent der Befragten bewerten die jungen Start-ups als kundenorientierter als die klassischen Versicherungsunternehmen.

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