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18.01.2019 | Versicherungsvertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Unternehmen profitieren von digitalen Versicherern

Autor:
Stephen Voss
4 Min. Lesedauer

Wenn Versicherungsunternehmen sparen wollen, gelingt das nicht in jedem Bereich gleich gut. Besonders effektiv lassen sich Kosten in der Administration mit den richtigen digitalen Tools senken.

Die Digitalisierung der Versicherungsbranche ist in Deutschland im vollen Gange. Kein Versicherer bei dem sich nicht das eine oder andere Projekt um die Steigerung der Effizienz oder die Beschleunigung der Prozesse durch moderne digitale Tools dreht. Es geht dabei nicht nur um eine schicke Kunden-App, die zum schnellen und einfachen Abschluss animieren soll. Tatsächlich reicht die echte digitale Umstellung in die Tiefen der Wertschöpfungskette. Auch in der Versicherungsbranche muss viel öfter fachübergreifend digital gedacht und natürlich ausgeführt werden.

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Die sechs Stufen zur Digitalisierung des Kundendialogs im Versicherungswesen

Wie sollen Unternehmen der Versicherungsbranche vorgehen, um ihren Kundendialog mithilfe digitaler Services zu optimieren und zu intensivieren? Der Beitrag „Die sechs Stufen zur Digitalisierung des Kundendialogs im Versicherungswesen“ zeigt, welche methodischen Überlegungen dafür notwendig sind und wie hilfreich dabei ein Modell sein kann, das die Autoren aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Customer Relationship Management entwickelt haben.


Ein modernes digitales System bietet den Versicherungsunternehmen viel mehr Vorteile, als man auf den ersten Blick vermutet. Sicherlich wird die Effizienzsteigerung zuallererst in der Bilanz sichtbar, denn bereits eine Einsparung von drei bis fünf Prozent bedeutet in absoluten Zahlen eine gewaltige Summe. Eine derartige Kostenreduzierung ist natürlich im Bereich des Schadenmanagements erheblich schwieriger zu erzielen als im Bereich der Betriebsabläufe. Das liegt vor allem in der Natur der Prozesse begründet. Sie sorgt dafür, dass die Effekte einer einmal etablierten Prozessverbesserung viel geringere Schwankungen unterliegen als beispielsweise die Schadensummen, die durch Großwetterereignisse entstehen können. Kurzum: Wer als moderner Versicherer sein Geschäft nachhaltig solide aufstellen möchte, ist gut beraten, in der Administration nach Optimierungspotential zu suchen. Hier liegen die größten Potenziale und hier ist das "Versicherungsgold" zu finden.

Großunternehmen nutzen digitale Services der Versicherer

Das hat umso größere Effekte, da Versicherungen mit ihren Services und Produkten als Dienstleister auch für andere Unternehmen digital zugänglich sein sollten, wenn sie ihre Bilanz aufbessern wollen. Ganz konkret können sie mit einer stringenten Digitalstrategie nämlich auch den Finanz- und Personalabteilungen großer Industrieunternehmen helfen. Häufig verwalten diese nämlich neben ihren Kernthemen Gehalt und Altersvorsorge auch einen bunten Strauß an Versicherungsleistungen für die eigenen Angestellten. Dafür haben sich die Begriffe Inhouse-Broker oder firmenverbundene Vermittler etabliert.

Diese Abteilungen, die Versicherungen an die eigenen Kollegen und Angestellten vertreiben, gibt es häufiger als angenommen und sie bieten durchaus eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Für das Unternehmen führt es zu einer erweiterten Mitarbeiterbindung und dieser hat in der Regel Leistungsvorteile in den Vertragsbedingungen oder speziell auf seine Arbeitssituation abgestimmte Tarifleistungen.

Digitale Schnittstellen senken Kosten in den Unternehmen

Allerdings ist die Tätigkeit eines Inhouse-Brokers alles andere als einfach. So kommen bei einem mittelgroßen deutschen Industrieunternehmen, etwa einem Automobilzulieferer, an verschiedenen Standorten gut 10.000 Beschäftigte zusammen. Diese Situation stellt den zuständigen Mitarbeiter vor dieselben Herausforderungen wie einen normalen Makler. Er muss wie seine Kollegen außerhalb des Unternehmens am jeweiligen Standort Mitarbeiter beraten und Versicherungen abschließen, Verträge anpassen, Bankverbindungen oder Adressen ändern und Schäden bearbeiten. Nur eben nicht für einen Kreis von 1.000 Kunden, sondern oft für 10.000 oder mehr. Der Arbeitsaufwand kann sich also schnell um ein Vielfaches potenzieren.

Ein Versicherungsunternehmen, das in seiner Digitalisierungsstrategie auch die Frage eines digitalen Zugangs integriert hat, wird daher auf dankbare Abnehmer im Markt treffen. Denn der Inhouse-Broker aus der Industrie wird einen vollautomatisierten digitalen Dokumentenaustausch über eine normierte Schnittstelle gerne nutzen und solche Lösungen künftig auch verstärkt einfordern. Exemplarisch für dieses digitale Dokumentenmanagement sind etwa die sogenannten BiPro-Normen (Brancheninitiative Prozessoptimierung). In der deutschen Versicherungsbranche stellen sie durch allgemein akzeptierte Schnittstellenbeschreibungen und Inhaltsnormen den digitalen Informationsaustausch sicher. Auch der Inhouse-Broker wird in der Regel ein Maklerverwaltungsprogramm nutzen, das mit diesen Schnittstellenormen arbeiten kann. Eine Software, mit der er papierlos kommunizieren und alle Verträge der Mitarbeiter digital verwalten kann. Besteht dann noch die Option, dass der Versicherungsnehmer im Betrieb seine Verträge selbst online verwaltet, ist dies ein zusätzlicher kostensenkender Nutzen.

Digitalisierung muss Prozesse vereinfachen

Das Ziel einer effektiven Digitalisierungsstrategie muss also sein, die eigene Organisation durch den Einsatz digitaler Technik von einfachen administrativen Vorgängen zu entlasten. Dies ist nur der Fall, wenn beispielsweise Adressänderungen, Bankverbindungen oder weitere Einschlüsse in die Police schnell und bequem online bearbeitet werden können, unabhängig davon, ob der Mitarbeiter gerade am Rechner sitzt oder unterwegs mit dem Smartphone zugreift. 

Die meist für die Versicherungen zuständige Personalabteilung kann sich so intensiver und besser um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern. Die Administration arbeitet effektiver bei gleichzeitiger Kostenreduzierung. Wenn sich im Anschluss die gesunkenen Kosten in der Produktgestaltung bemerkbar machen, haben alle etwas davon. So sorgt die Digitalisierung nicht nur bei Versicherern für mehr Effektivität, sondern kommt auch bei den Industrieunternehmen gut an. Es lohnt sich also, Digitalisierung umfassend und plattformübergreifend zu denken.

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