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22.09.2020 | Versicherungsvertrieb | Nachricht | Onlineartikel

Versicherer müssen bei Digitalisierung Gas geben

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Überall im Finanzdienstleistungssektor ist die Auslastung digitaler Kanäle seit Krisenbeginn deutlich gestiegen. Das gilt auch für Versicherer, so eine Studie. Dabei erwarten Kunden den gleichen Service, den große US-Konzerne bieten.

Der aktuelle "World Insurtech Report 2020" des Beratungshauses Capgemini sieht als Folge der stärkeren Nutzung digitaler Kanäle eine wachsende Chancen für Insurtechs mit kooperativen Geschäftsmodellen. Vor allem die sogenannten Bigtechs seien mögliche Kooperationspartner der Versicherer, da diese eine den Kunden bereits bekannte Customer Jouney bieten. Allgemein stellte die Untersuchung fest, dass die Grenzen zwischen Versicherungen, Insureechs, Bigtechs und Technologiepartnern verschwimmen. Gerade für klassische Versicherer sei dies eine große Herausforderung im Hinblick auf Kundenzentriertheit, intelligenten Prozessen, der Produktflexibilität und offenen Ökosystemen.

Die diesjährige Ausgabe der Studie stützt sich auf Forschungsergebnissen aus einer quantitativen sowie einer qualitative Befragungen von traditionellen Versicherungsunternehmen und Insurtech-Unternehmen. Die Primärforschung basiert dabei auf Angaben von mehr als 175 Führungskräften in 26 Märkten rund um den Globus. 

Skalierbare Kooperationsmodelle bringen schnellere Digitalisierung

"Zur Konkurrenz jedes Versicherers zählen neben anderen Versicherungsunternehmen mittlerweile Bigtechs und weitere neue Akteure mit einem hervorragenden Kundenerlebnis", erläutert Gunnar Tacke, Managing Business Analyst bei Capgemini. "Sie können aber auch gute Partner sein. Durch skalierbare Zusammenarbeitsmodelle mit Insurtechs etwa können Versicherer ihre Digitalisierung schneller und effizienter voranbringen, ihre Kundenbeziehungen vertiefen und im Wettbewerb mithalten."

Die Corona-Pandemie hat dabei auf die einzelnen Segmente des Versicherungsmarktes allerdings unterschiedliche Auswirkungen: Die Lebens- und Krankenversicherungen erlebten einen Anstieg der Schadenfälle, während Reise- und Kfz-Versicherungen einen Rückgang verzeichneten. Über alle Sparten hinweg habe sich aber das Kundenverhalten verändert. 

Obwohl mittlerweile 100 Prozent der Versicherer in Deutschland ihre Geschäftstätigkeit remote ausüben können, bemerkt die Branche negative Auswirkungen der Pandemie auf die Neukundengewinnung. Gegenüber 57 Prozent im April sagten im Juli 61 Prozent der Versicherer weltweit, dass sich Corona auf die Neukundengewinnung auswirkt. In Deutschland meinte dies im Juli jeder zweite Versicherer.

Kundenzentrierte Bigtechs immer beliebter

Allerdings sei die aktuelle Pandemie nicht die einzige Gefahr für die Kundengewinnung und -bindung. Auch die großen US-Konzerne wie Amazon oder Google legen die Messlatte in Sachen Kundenerlebnis während der Pandemie höher, indem sie den Verbrauchern krisensichere Prozesse, Echtzeit-Reaktionen und eine intuitive Kundenbetreuung bieten. "Die Bereitschaft der Versicherungsnehmer, Versicherungen von Bigtechs zu kaufen, ist von 17 Prozent im Jahr 2016 über 36 Prozent im Januar 2020 auf 44 Prozent im April 2020 gestiegen", so die Studie.

Um mit den Tech-Riesen mithalten zu können, sehen auch die Versicherer die Notwendigkeit, ihre Prioritäten zu verändern und sich auf die entscheidenden Themen zu konzentrieren. So halten 88 Prozent der Assekuranz in Deutschland ein "überragendes Kundenerlebnis" für zentral. Gleich viele wollen künftig zudem krisensichere Prozesse anbieten. Und 75 Prozent setzen außerdem auf Echtzeit-Reaktionen. "Ein fürsorglicher Partner zu sein", ist für 75 Prozent der hierzulande aktiven Versicherer entscheidend. Bedarfs- und nutzungsbasierte Versicherungen (Insurance-as-a-utility) halten daher 25 Prozent der Versicherer in Deutschland für wichtig.

Bei API, Automatisierung und Cloud besteht Nachholbedarf

Über digitalisierte Prozesse verfügen international 29 Prozent der Versicherer. In Deutschland ist es bereits jeder zweite. Bei Cloud-Nutzung und offenen APIs haben Versicherer allerdings großen Nachholbedarf: Weltweit sind demnach 49 Prozent, in Deutschland 63 Prozent sogenannte Cloud-native-Unternehmen. Über offene APIs verfügen global 35 Prozent und in Deutschland sogar nur 13 Prozent. Immerhin haben 38 Prozent der deutschen Anbieter durchgängig automatisierte Prozesse. Weltweit sind das nur 19 Prozent. 

Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, sehen die Studienautoren ein große Chance in der Kooperation mit Insurtechs, um neue Technologielösungen schnell im Unternehmen zu implementieren. Partnerschaften mit Spezialisten und Zugänge über gemeinsame Schnittstellen stellten sicher, dass sich alle Akteure der Versicherungsbranche auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Dann liefern sie bessere Ergebnisse und arbeiten kosteneffizient. 

So seien 50 Prozent der deutschen Unternehmen bereit, mit den jungen Tech-Spezialisten zusammenzuarbeiten. Auch 77 Prozent der deutschen Insurtechs sind an Partnerschaften mit Versicherern interessiert. Eine Zusammenarbeit mit Bigtechs ziehen 54 Prozent der Start-ups in Betracht, aber kaum etablierte Versicherer.

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