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27.04.2020 | Versicherungsvertriebsstrategie | Infografik | Onlineartikel

Junge Erwachsene beschäftigen sich kaum mit Versicherungen

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Versicherer interessieren sich für die Generation Z, doch die interessiert sich wenig für Versicherungen. Laut einer Umfrage unter 18- bis 20-Jährigen hat die Assekuranz bei dieser Zielgruppe ein schweres Standing.

Das Interesse junger Erwachsener an Versicherungen ist gering. Wer gerade seine Lehre abgeschlossen hat oder studiert, beschäftigt sich wenig mit der Absicherung von Lebensumständen, die sich eventuell noch außerhalb der eigenen Wahrnehmung befinden. Wie eine Online-Umfrage des Beratungsunternehmens Bearingpoint, für die das Marktforschungsinstitut Yougov 515 Personen in Deutschland befragt hat, belegt, verfügen 41 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 20 Jahren über keinerlei Kenntnisse zu Versicherungsprodukten.

Versicherungen sind ungeliebtes Thema

Sind Versicherungen abgeschlossen, gibt ein Drittel der Befragten an, eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen zu haben. Über eine Rentenversicherung verfügen lediglich 15 Prozent der jungen Erwachsenen, und ein Viertel ist mit einer Auslandskrankenpolice abgesichert. Den Hausrat versichert nur ein Zehntel der Umfrageteilnehmer. Risikolebensversicherungen, kapitalbildende Lebensversicherungen oder Cyber-Versicherungen spielen für die Mehrheit der betrachteten Altersgruppe kaum eine Rolle.

Ihre Versorgung mit Informationen zu entsprechenden Produkten ist unterdruchschnittlich. Mangelnder Bezug zu Versicherungsthemen spiegelt sich auch in ihrer Branchenwahrnehmung. So finden 40 Prozent der Befragten die Versicherungsbranche zu unattraktiv, um bei einem Versicherer arbeiten zu wollen.

Ansprache ohne Versicherungsmakler

Für die Versicherungsbranche sind dies ernüchternde Erkenntnisse, stellt doch gerade diese Alterskategorie die Zielgruppe von morgen dar. Den Grund dafür sehen die Studienautoren in der digitalen Sozialisation der Generation Z, zu der die betrachteten Jahrgänge zählen.

Die Versicherungsunternehmen haben es laut Umfrage mit Digital Natives zu tun, die als erste Generation mit Smartphones, Tablets und Handy-Apps aufgewachsen ist. So zeigt die Umfrage, dass diese Generation vor allem über digitale Kanäle ansprechbar ist und vier von fünf Befragten auf den Beratungskontakt mit einem Versicherungsmakler verzichten würden. Vielmehr würden 37 Prozent von ihnen eine Beratung über die Internetseite des Versicherers bevorzugen. Weitere 33 Prozent würden dafür den Weg über ein Internet-Vergleichsportal beschreiten. Wollen Versicherer mit ihren Produkten also die Zielgruppe der 18- bis 20-Jährigen erreichen, empfiehlt Bearingpoint die digitale Bewerbung, aus der heraus der persönliche Kontakt mit dem Versicherer vor Ort erfolgen könne.

Versicherer suchen die Kommunikation

"Unsere Umfrage zeigt, wie erschreckend wenig die Generation Z über Versicherungen weiß. Da müssen bei Politik und Versicherungen die Alarmglocken läuten. Sie sind gut beraten, ihre Kommunikation mit dieser Zielgruppe vor allem über digitale Kanäle neu aufzustellen", resümiert Giso Hutschenreiter, Partner und Versicherungsexperte beim Beratungshaus. Für die Generation Z sei es selbstverständlich, dass sie all ihre Anliegen jederzeit online erledigen und nachvollziehen könne. Die Aufgabe der Versicherer sieht er darin, ihren Schwerpunkt auf digitale Kommunikationswege zu legen und die Social-Media-Kanäle zu bespielen, um die jungen Kunden oder Arbeitnehmer zu gewinnen.

Was die Studie außer Acht lässt, ist eine realistische Einschätzung der Lebensumstände dieser Altersgruppe: Haftpflicht und Krankenversicherung sind meist zu einem früheren Zeitpunkt von den Eltern für ihre Kinder abgeschlossen worden. Versicherungen wie Hausrat, Rente und Lebensversicherungen schließen die meisten jungen Erwachsenen erst dann ab, wenn es an den Nestbau und die Zukunftsplanung mit festem Partner geht. Bis dahin dürften viele der Altersgruppe zwischen 18 und 20 ihre noch recht überschaubaren Budgets vorrangig in Lebenshaltung, Konsumgüter und Reisen investieren. Interesse an Versicherungen entsteht erst dann, wenn sich die Produkte mit den veränderten Lebensumständen der jungen, wenngleich dann nicht mehr ganz so jungen Leute decken.

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