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Über dieses Buch

Patricia Grünberg leistet eine Bestandsaufnahme der sozialwissenschaftlichen Vertrauensforschung und überträgt diese Erkenntnisse, unter besonderer Berücksichtigung der Theorie öffentlichen Vertrauens, auf das deutsche Gesundheitssystem. Im empirischen Teil wird mittels 17 qualitativer Leitfadeninterviews mit Patienten untersucht, wie unterschiedliche Erfahrungen die vertrauensrelevanten Erwartungen an das Gesundheitssystem und seine Akteure beeinflussen. Es wird aufgezeigt, wie Vertrauen initiiert wird und wie sich direkte Kontakte, sozialer Austausch und mediale Berichte auf Vertrauen auswirken. Mithilfe einer Inhaltsanalyse wird außerdem das medial vermittelte Bild des Gesundheitssystems offengelegt. Die Ergebnisse zeigen, wie das System, die Reformen und relevante Akteure dargestellt werden und welche Vertrauensfaktoren und Diskrepanzen dabei eine Rolle spielen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Die „Gesundheit ist in der subjektiven und öffentlichen Wahrnehmung ein hohes, wenn nicht sogar das höchste menschliche Gut“ (Simon 2010: 9). Sie ist dabei sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft relevant. Denn Gesundheit ist für die individuelle Lebensqualität von herausragender Bedeutung und ermöglicht darüber hinaus gesellschaftliche Teilhabe (vgl. Bleicher/Lampert 2003: 347). Gleichzeitig bildet das individuelle körperliche Wohlergehen die „Voraussetzung für Gemeinwohl“ (Hommerich 2010: 12). Es besteht damit ein ganz grundsätzliches Interesse der Gesellschaft daran, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem existiert, eine qualitativ hochwertige Versorgung zur Verfügung steht, ein gewisses Gesundheitsniveau in der Bevölkerung erreicht wird.
Patricia Grünberg

2. Öffentlichkeit in der Informationsgesellschaft

In der modernen Informationsgesellschaft prägt die Medienberichterstattung nachhaltig die Entwicklung öffentlichen Vertrauens (vgl. Bentele 1996: 21). Die Medien werden dabei nicht nur als Lösung, sondern auch als Ursache für „Orientierungs- und Vertrauensprobleme“ (Mast/Spachmann 2005: 40) verstanden. Da die vorliegende Arbeit das Vertrauen in das Gesundheitssystem unter den Bedingungen der Medien- und Informationsgesellschaft betrachtet, ist es notwendig, die aufgeworfenen Begriffe zu klären. Daher befasst sich das zweite Kapitel mit Fragen nach dem Inhalt der vielzitierten Informationsgesellschaft genauso wie mit den Konstrukten, die hinter den Begriffen Öffentlichkeit und öffentliche Meinung stehen. Auch wird deutlich, wie Medien als Mittlerinstanzen zwischen Organisationen und Bürgern agieren und welche Rolle PR in diesem Zusammenhang spielt.
Patricia Grünberg

3. Vertrauen – Ein interdisziplinärer Zugang

Das folgende Kapitel zeigt auf, wie Vertrauen von den sozialwissenschaftlichen Disziplinen dargestellt wird und welche zentralen empirischen Ergebnisse es gibt. Zunächst wird eine erste Annäherung an den Vertrauensbegriff vorgenommen. Dafür wird nicht nur die alltagssprachliche Intension des Begriffs, sondern auch dessen wissenschaftliche Extension erläutert. Es gilt, das Verhältnis des Vertrauensbegriffs zu anderen Begriffen wie Misstrauen, Glaubwürdigkeit, Glaube oder Vertrautheit zu klären. Im Weiteren wendet sich die Arbeit den theoretischen und empirischen Ergebnissen der Vertrauensforschung zu. Ziel der Arbeit kann und soll es nicht sein, eine vollumfängliche Analyse der sozialwissenschaftlichen Vertrauensansätze vorzunehmen.
Patricia Grünberg

4. Gesundheitssystem und Vertrauen

Im folgenden Teilkapitel sollen die Grundzüge des deutschen Gesundheitssystems dargestellt werden. Dies erscheint auf den ersten Blick als simples Vorhaben. Doch das deutsche Gesundheitssystem hat mittlerweile einen Komplexitätsgrad erreicht, der eine einfache Darstellung nahezu unmöglich macht. Das Gesundheitssystem ist „in all seinen Verästelungen und Widersprüchen und all seiner Komplexität mittlerweile auch für Experten kaum noch“ (Simon 2010: 183) zu verstehen. Es kann und darf also nicht Anspruch dieses Kapitels sein, die gesamten Funktionsmechanismen und Finanzierungsmethoden des Systems aufzuzeigen. Ziel des Kapitels ist es vielmehr, die wichtigsten Akteure des Gesundheitssystems und ihre Beziehungen zueinander aufzuzeigen, um sich anschließend ausführlicher dem Vertrauen in eben dieses gesellschaftliche Subsystem widmen zu können.
Patricia Grünberg

5. Erfahrungen, Erwartungen und Vertrauen: Eine qualitative Studie

Wie die Ergebnisse der quantitativen Umfrageforschung zu den Einstellungen zum deutschen Gesundheitssystem gezeigt haben, besteht zwischen der momentanen und der prospektiven Einschätzung der Versorgungsleistung des Systems eine große Lücke (vgl. MLP 2010, 2011): 72 Prozent der Deutschen schätzen die allgemeine Gesundheitsversorgung sehr gut oder gut ein, und gleichzeitig sind 77 Prozent skeptisch, dass eine Gesundheitsversorgung langfristig sichergestellt werden kann. Diese überwiegend negativen Erwartungen an die künftige Versorgungssituation machen das Vertrauen in das System fragil und stellen den angenommenen Zusammenhang zwischen Erfahrungen und Erwartungen in Frage. Die Umfrageergebnisse geben allerdings keinen Anhaltspunkt zur Erklärung dieses Phänomens. Auch in der Vertrauensforschung wurde diesem Aspekt bislang keine Beachtung geschenkt. Der Einfluss unterschiedlicher Erfahrungen auf die Vertrauenserwartungen bleibt ebenso unklar.
Patricia Grünberg

6. Das Gesundheitssystem in der Medienberichterstattung: Eine quantitative Studie

Die Ergebnisse der qualitativen Erhebung stützen die Annahme, dass die Medien bei der Bildung von Einstellungen zum und Erwartungen an das Gesundheitssystem und seine Akteure einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss ausüben. Denn zu vielen Themen existieren für Bürger keine alternativen Informationsquellen. Patienten haben zwar direkte Kontakte zu Ärzten und Krankenhäusern, doch zu verantwortlichen politischen Akteuren besteht in der Regel keine Verbindung. Über die aktuelle Lage im Gesundheitswesen, über anstehende Reformen oder bestehende Probleme werden sie fast ausschließlich durch die Medienberichterstattung informiert. Die Grundannahme der Theorie öffentlichen Vertrauens lässt sich damit auf das Gesundheitssystem übertragen.
Patricia Grünberg

7. Fazit und Schlussfolgerungen

Die vorliegende Arbeit wendet sich mittels theoretischer Analyse und empirischen Studien dem Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem unter den Bedingungen der Mediengesellschaft zu. Sie geht dabei der Frage nach, wie unterschiedliche Erfahrungen die vertrauensrelevanten Erwartungen an das Gesundheitssystem und seine Akteure beeinflussen. Dabei bestand das Ziel der Arbeit in einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem komplexen Phänomen Vertrauen und im Speziellen in einer Anwendung der Theorie öffentlichen Vertrauens auf das Gesundheitssystem.
Patricia Grünberg

Backmatter

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