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Über dieses Buch

Jens Seiffert-Brockmann zeigt, dass öffentliche Vertrauenskrisen oftmals ohne ernsthafte Konsequenzen bleiben, und er erklärt, warum das der Fall ist und wie dieser Mechanismus des öffentlichen Vertrauens funktioniert. Der Autor zeigt aber auch, warum in seltenen Fällen die mediale Vertrauenszuschreibung Organisationen in Existenzkrisen stürzen und sie zerstören kann. Vertrauen ist gut, aber manchmal ist ein Vertrauensbruch besser. Vertrauen als Grundlage menschlicher Kooperation ist für Organisationen in der Mediengesellschaft überlebenswichtig. Trotzdem erleben wir regelmäßig öffentliche Vertrauensbrüche, gar systematischen Missbrauch. Die daraus resultierenden Vertrauenskrisen führen aber nur selten zu handfesten Konsequenzen. Denn Organisationen haben gelernt, Vertrauen in den Massenmedien zu beobachten und daraus strategische Überlegungen abzuleiten, etwa wann ein Vertrauensbruch ertragreicher ist als der mühsame Erhalt vertrauensvoller Beziehungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Seit Aristoteles hat die Wissenschaft versucht, Welt in Gestalt von Theorien zu erklären, und sie ist dabei erfolgreich gescheitert – in einigen Disziplinen erfolgreicher als in anderen. Das menschliche Wissen über die Welt wird ständig vermehrt und immer mehr Mosaiksteine des gesamten Bildes sind unserem Verstehen zugänglich. Trotzdem hat die Wissenschaft noch immer nicht herausfinden können, was es ist, das die Welt im Innersten zusammenhält – um Goethes Formulierung aus Faust, der Tragödie erster Teil (Goethe 1808, S. 35) zu verwenden. Aber vielleicht ist dieser Anspruch generell verfehlt, wenn es um die Frage nach einem tieferen Sinn des Lebens geht.
Jens Seiffert-Brockmann

2. Theoretische Grundlagen öffentlichen Vertrauens

Zusammenfassung
Mit dem Beginn der Moderne beginnt auch die Erosion der Gewissheit und mit ihr „die Transformation des sozialen Bindemittels Vertrauen“ (Reemtsma 2008, S. 33). Wird Vertrauen in der Bibel noch mit Glauben gleichgesetzt, dem Vertrauen auf Gott, schwindet (nicht aber verschwindet) mit dem Voranschreiten der Moderne die legitimierende und komplexitätsreduzierende Funktion des Glaubens. „Religiöse Strukturen lassen sich z. B. nicht mehr durch den Bezug auf Gott schließen, oder politische Strukturen durch die Begründung im Willen des Königs.“
Jens Seiffert-Brockmann

3. Weiterentwicklung der Theorie des öffentlichen Vertrauens

Zusammenfassung
Nachdem die Dispositionen von (öffentlichem) Vertrauen als sozialem Mechanismus dargelegt und erörtert wurden, kann nun damit begonnen werden, die daraus gewonnen Erkenntnisse auf die Theorie öffentlichen Vertrauens von Bentele anzuwenden, um diese dadurch weiterzuentwickeln. Die Theorie wird erst jetzt eingeführt und besprochen, da in der Auseinandersetzung mit den Dispositionen des Vertrauensphänomens ein möglichst unbefangener Zugang erarbeitet werden sollte. Theoriearbeit ist natürlich niemals voraussetzungsfrei, aber es macht einen wesentlichen Unterschied, ob man Vertrauen bereits mit der Lesart der Theorie des öffentlichen Vertrauens im Hinterkopf untersucht oder zuerst möglichst frei an den Gegenstand herangeht. Darum ist die Theoriegenese erst jetzt Gegenstand der theoretischen Auseinandersetzung, wenngleich auf einige Aspekte (vor allem im Rahmen der soziologischen Vertrauenskonzepte) bereits hingewiesen wurde.
Jens Seiffert-Brockmann

4. Systematische Inhaltsanalyse und Frameanalyse öffentlicher Vertrauenszuschreibungen

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung soll die Stärken zweier Betrachtungsweisen, der quantitativ-statistischen und der qualitativ-interpretativen, kombinieren. Beispielsweise wurden allein für die Deutsche Bank als Vertrauensobjekt in der dieser Arbeit zugrunde liegenden Corporate-Trust-Studie (vgl. Löser & Mende 2014; Bentele & Zerfaß 2008) im Zeitraum von April 2007 bis Mai 2010 mehr als 26.000 Artikel codiert, von denen etwa 6.300 Vertrauenszuschreibungen enthielten. Würde man diese große Menge an Daten rein statistisch auswerten, könnte man unzählige Korrelationen zwischen den verschiedenen Vertrauensfaktoren, ihren Bewertungen und ihrer Gewichtung aufstellen, ohne jedoch daraus zwingende Schlüsse für ihre Bedeutung innerhalb des Prozesses selbst ziehen zu können.
Jens Seiffert-Brockmann

5. Öffentliches Vertrauen: Theoretische Konsequenzen und Desiderate

Zusammenfassung
Die Untersuchung öffentlicher Vertrauenszuschreibungen anhand von Unternehmen als Vertrauensobjekten hat gezeigt, dass man statt von öffentlichem Vertrauen von öffentlicher Vertrauenswürdigkeit sprechen muss. Andererseits ist es korrekt, insofern von öffentlichem Vertrauen zu sprechen, als auch die öffentliche Vertrauenszuschreibung eine Vertrauenserklärung aufseiten der Vertrauenssubjekte beeinflussen kann. Unter bestimmten Bedingungen können somit also auch öffentliche Vertrauenszuschreibungen handlungsleitend wirken.
Jens Seiffert-Brockmann

Backmatter

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