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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführende Gedanken und ein Einblick in den Gang der Untersuchung

Zusammenfassung
Das Untersuchungsinteresse der vorliegenden Arbeit läßt sich über zwei bedeutende Themenfelder des aktuellen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisstrebens umreißen:
Es geht zum einen um den immer wieder problematisierten Komplex mangelnder (Markt-)Transparenz rund um das Erbringen von Unternehmensberatungsleistungen. Man hat es ökonomisch mit Vertrauensgütern zu tun, welche auf einem gesetzlich (ausnahmsweise einmal) unterregulierten Markt angeboten werden. Auch erbittet die Nachfrageseite nicht selten nach der Devise „Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht naß!“eine Leistung, welche sie angesichts der aus dem Beratungsprozeß drohenden unbequemen Konsequenzen für das eigene Handeln in dieser Form gar nicht wünscht und deren Erbringung deshalb regelmäßig erhebliches Reaktanzverhalten entgegengestellt wird. Präzisiert man nun den Blick auf derlei Zusammenhänge, indem man sich auf mittelständische Wirtschaftsunternehmen als Klienten konzentriert, wird schnell sehr konkret und anfaßbar, was die analytische Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen Eigenheiten der Dienstleistung Unternehmensberatung ansonsten nur recht abstrakt umschreiben kann: Personenfixierung und Organisation per Zuruf, eine deutlich am Netzwerkhaften orientierte inner- und überorganisationale Struktur sowie Größennachteile und Wachstumsfallen sind nur einige der zahlreichen Eigenheiten mit Fallstrickpotential, welche der Mittelstand für den Berater bereithält. Intransparenzen und Reaktanzpotentiale im Beratungsprozeß werden unter Zugrundelegung solcher Spezifika anschaulich untersuchbar, und sie erlauben es auf diese Weise, nach konkreten Lösungsansätzen zu fragen.
Christian Mencke

2. Theoretischer Referenzrahmen

Zusammenfassung
Gesellschaft ist „[…] das jeweils umfassendste System menschlichen Zusammenlebens. Über weitere einschränkende Merkmale besteht kein Einverständnis. [Meine Hervorhebungen C. M.]“1 Es ist mit diesen knappen Worten der Gegenstand soziologischen Erkenntnisinteresses2 auf dem Wege sprachlicher Bezeichnung beschrieben, tautologisch umgeformt, mithin nominal definiert3. Der Nutzen einer derartigen Nominaldefinition liegt nicht in ihrem direkten Beitrag zu wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn. Hierzu mangelt es der vorgeschlagenen Bezeichnung an Potential, neben der Beschreibung auch in hinreichendem Maße etwas zur Erklärung des Phänomens Gesellschaft beizutragen. Dieses ist nur zu leisten durch eine Definition im Kontext (mindestens) einer Theorie, also eines zu Erklärungen führenden Definitions- und Aussagensystems.4 Die oben vorgeschlagene Definition vermag jedoch recht gut, die zentralen Problemfelder zu bezeichnen, welche zur Sprache kommen müssen, will man den theoretischen Referenzrahmen soziologischer und letztlich auch sozialwissenschaftlicher Überlegungen fixieren.
Christian Mencke

3. Wie ist Vertrauen möglich?

Zusammenfassung
Nicht anders als in unseren obigen Überlegungen zu domestizierter Komplexität und deren Bedeutung für das Möglichsein von Gesellschaft, wird mit der diesen Hauptabschnitt einläutenden Frage wiederum apriorisch vorausgesetzt, daß Vertrauen möglich ist, und darauf fußend nach dem Wie gefragt.840 Zu deutlich ließ sich aus den bisherigen Ausführungen das gesamte Ausmaß der Unwägbarkeiten aus doppelter Kontingenz im besonderen und der Welt im Allgemeinen herausarbeiten, als daß man die Annahme vollkommener Sicherheit nicht als soziale Fiktion zu betrachten hätte,841 folglich realiter etwas benötigt, was diese Fiktion gewissermaßen funktional ersetzt,842 und in diesem Sinne eben auch Vertrauen als mittleren „[...] Zustand zwischen Wissen und Nichtwissen um den Menschen [...] [Meine Hervorhebung C. M.]“843. Es wurde weiterhin ersichtlich, daß man schnell an Grenzen des Machbaren stößt, wenn man ein Mehr an Unsicherheit im System durch ein bloßes, gleichsam ungeordnetes Mehr an Unsicherheit im Erwarten abzufangen versucht, weshalb sich Formen der „Vorwegdisposition von Erwartungen“844 auf einem Niveau emergenter Ordnung herausbilden müssen, soll Gesellschaft auch angesichts komplexerer Zusammenhänge möglich bleiben. So wird auf noch relativ anspruchsloser Ordnungsebene das Unterstellen von Verstehen und/oder Annahme dort beiseite gestellt, wo man mißtrauen kann. Alternativ vermag vielleicht der Rückgriff auf Macht die Möglichkeit der Ablehnung als vernachlässigbar zu klassifizieren helfen, weil durch Macht Freiheit eingeschränkt wird. Weiterhin ist denkbar, und daraufkommt es hier an, der Unsicherheit zum Trotz ein erwartungskonformes Handeln des anderen, indem man vertraut, einfach zu unterstellen und der eigenen Handlung zugrunde zu legen.845
Christian Mencke

4. Unternehmensberatung — systemisch

Zusammenfassung
Das Verhältnis zwischen Beratern und ihren Klienten mit derart kritischem Tenor umrissen vorzufinden, läßt aufhorchen, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, Funktion und Bedeutung des Phänomens Vertrauen in diesem Kontext zu beleuchten. Die zitierte Einschätzung stammt zudem aus dem Munde von Bain, also vom Gründer und Leiter eines durchaus bedeutsamen Beratungsunternehmens1379 und ist mithin nicht etwa die vernachlässigbare Einzelmeinung eines Klienten, entstanden unter dem Eindruck eines aus der Verkettung unglücklicher Umstände gründlich mißratenen Mandates. Vielmehr scheint mit diesen Worten ausgedrückt werden zu sollen, daß Skepsis und Mißtrauen nur allzu leicht und gewissermaßen systematisch beraterisches Bemühen begleiten können.1380 Nun wird Bain seine Einschätzung sicherlich nicht als unumstößlichen Begleitumstand einer jeglichen beraterischen Tätigkeit verstanden wissen wollen, sondern vielmehr wird es ihm darum gegangen sein, dieses problematische, und man kann in bezug auf die Themenstellung dieser Arbeit schon sagen: dieses vertrauenssensible Gepräge einer beratungsorientierten Sozialbeziehung mit Nachdruck zu betonen. Es wird so der Blick auf die Notwendigkeit gelenkt, diesem Umstand im Zuge der Gestaltung beraterischer Wertschöpfung explizit Berücksichtigung schenken und das Problem handhaben zu müssen. Diese Handhabung kann möglicherweise durch den Aufbau von Vertrauen erfolgen oder aber auch auf funktional äquivalenten, mithin kontingenten Wegen, und um diesbezüglich herauszufinden, was besser ist, weil es besser funktioniert, muß zunächst geklärt werden, in bezug auf welche Funktion man ein solches Urteil fallen soll.
Christian Mencke

5. Die Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft als Beratungsfeld

Zusammenfassung
Wir haben mittlerweile erreicht, das Funktionieren und die funktionale Rolle der sozialen Delikatesse des Vertrauens innerhalb des Sozialen als Realität eigener Art etwas genauer erkennen zu können. Auch haben wir nunmehr eine Vorstellung davon gewonnen, wie sich die ganz besonderen funktionalen Spezifika dieses Annahmemediums eigener Art in der systemischen Beratung, also im Zuge der beratenden Kommunikation eufunktional zu entfalten vermögen und wo es zu eher unerwünschten Konsequenzen kommt. Wir können uns daher jetzt an den Versuch wagen, die erarbeiteten Erkenntnisse einmal am Prüfstein erfahrbarer betrieblicher und daran anschließend beratungspraktischer Realitäten zu spiegeln, so wie es Themenstellung und Erkenntnisinteresse dieser Arbeit vorgeben. Danach ist es vorgesehen, sich im Folgenden einem Segment der Wirtschaft der Gesellschaft zuzuwenden, das als mittelständische Wirtschaft der Gesellschaft eine recht bedeutende Konstruktion in der Kommunikation darstellt, welche die Wirtschaft der Gesellschaft formt.
Christian Mencke

6. Zur Funktion des Vertrauens in der Beratung mittelständischer Unternehmen

Zusammenfassung
Wenn man einmal versucht, die bis hierhin auf den verschiedenen Diskussionsfeldern erarbeiteten Erkenntnisse über eine gemeinsame Kategorie zusammenzufassen, so könnte man von einer neu erworbenen Bescheidenheitsprechen, mit der man sich innerhalb der verschiedenen Themenbereiche analytisch augenscheinlich zu bewegen hat. So enttarnten bereits die grundlegenden komplexitätswissenschaftlichen Überlegungen in der Tradition Wittgensteinsden Kausalnexus, mithin den Eckstein kausal-analytischer Wissenschaft, als „Aberglauben“, 2468denn bereits der schlichte Gedanke an die Zukunft zwingt letztlich dazu, das Schlagen kausalanalytischer Schneisen in die unfaßbare Komplexität als grundsätzlichen Willkürakt erkennen und sich darum mit der Methode des Vergleichens bescheidenzu müssen. Diese Bescheidenheit spitzte sich mit dem Eintauchen in die Komplexitäten der sozialenWelt als Realität eigener Art dramatisch zu: Durch den Komplexitätsschub aus Willensfreiheit und Konstruiertheit allen Seins wurde man des Aberglaubens eines „Wenn…, dann…“im menschlichen Miteinander auf eindrucksvolle Weise beraubt, und es galt, sich aus dem sozialen absoluten Nullpunkt des status naturalis doppelter Kontingenz 2469das latent instabile Möglichsein sozialer Ordnung zu ertasten und aus dieser bescheidenen Position heraus die Rolle des Vertrauens äquivalenzfunktionalistisch zu begreifen.
Christian Mencke

7. Abschließende Gedanken und ein Ausblick auf weiteren Untersuchungsbedarf

Zusammenfassung
„Am Ende eines Manuskriptes angelangt haben vermutlich viele Autoren, wie entsprechenden Bemerkungen in Einleitungen und Vorwörtern zu entnehmen ist, den Wunsch, jetzt eben von vorne beginnen zu können.“2568, weist Malik auf ein verbreitetes Phänomen im Schrifttum hin, und er liefert an anderer Stelle auf indirektem Wege dessen Ursache gleich mit: „Jedes erfolgreiche Ergebnis baut auf zahlreichen misslungenen Versuchen auf. Die vielen Erfahrungen, die andere im Laufe der Zeit in oft schmerzlicher Weise machen mussten, um die Voraussetzungen für ein schliesslich positives Resultat zu schaffen, werden häufig unterschätzt. Diese Erfahrungen mussten aber gemacht werden, und sie gehen als wichtige Informationen in den gesamten Prozess mit ein. [Meine Hervorhebungen C. M.]“2569 Wenn man nun die Einsicht akzeptiert, daß ein jeder Autor auch in bezug zu sich selbst zu einem früheren Zeitpunkt stets ein anderer war als im Moment der abschließenden Würdigung seiner Überlegungen, fallt es leicht zu erkennen, daß die Substanz eines jeden entstandenen Manuskriptes zu einem Gutteil auf vorangegangenen, höchsteigenen Fehlern fußt, welche der Schreibende im Laufe seiner Untersuchung erkennen mußte, und die ihm so bedeutet haben, was er schreiben soll, indem sie ihm verdeutlicht haben, was er nicht schreiben darf. Wenn aber vieles im Schrifttum nur Gestalt annehmen konnte, weil das Erkennen von Fehlern anderes zu revidieren und auszuschließen half, ergibt sich nahezu zwingend, daß am Ende der Wunsch eher die Regel als die Ausnahme darstellt, das „Richtige“nicht auch als indirektes Residuum von Fehleinschätzungen, sondern gleich zu Anfang und möglichst ausschließlich als direkte Erkenntnis zu Papier gebracht zu haben.
Christian Mencke

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